Im Test: SEUM (Steam, PS4, XBOX One)

Wenn ein Heavy Metal Albumcover, Quake und Super Meat Boy ein unheiliges Kind kriegen würden, wäre wohl Seum sein Name. Seum ist ein Heavy-Metal-First-Person-Platformer. Man nehme den Gameplay-Loop eines Speedrunners, das Design aus der achtziger Jahre Heavy Metal-Kultur und die Optik eines Quake 3 Arena und was man erhält, ist eine spaßige, fordernde und außergewöhnliche Spielerfahrung. Seum ist anders. Und das will es auch sein. Aber genau das ist wahrscheinlich der Grund, warum Seum es schafft, in kurzer Zeit die „Eine-Runde-noch“-Glocke zu läuten und den Spieler an den Bildschirm zu fesseln, wie es einst der kleine, rote Fleischklotz tat.

Die Story ist recht schnell erklärt: Marty will einfach seinen Tag genießen und bei einem verspäteten Frühstück mit Bierchen und TV den Tag genießen. Doch plötzlich hämmert es an der Tür und eine Schallplatte rutscht durch den Türspalt. Kaum legt Marty das gute Stück auf, geht förmlich die Hölle auf. Der Teufel selbst lädt sich in die Wohnung ein, um Marty’s Tag so richtig zu Nichte zu machen. Nicht nur verliert Marty seinen rechten Arm, der Teufel klaut auch noch sein letztes Bier. Das kann Marty selbstverständlich nicht hinnehmen und so schafft er es mit letzter Kraft, dem Teufel den Arm abzuschlagen, bevor dieser das Weite suchen kann. Das Bier war aber kein x-beliebiges Bier, es handelt sich um die letzte Reserve des streng limitierten Walrus Ale. Schnell wird mit einer Kette des Teufels Arm an Marty’s Stumpf befestigt und die Jagd beginnt.

In den ersten Levels bekommen wir die Grundlagen des Spiels beigebracht. Das Spielprinzip ist dabei wie von 2D-Speedrunnern gewohnt. Wir müssen so schnell wie möglich immer schwieriger werdende Levels der Hölle durchqueren. Das gesamte Design der Welten hält sich tatsächlich an Heavy Metal-Albumcover. Feuer, Lava, Nieten, Stacheln, tiefe Abgründe und Feuerspeier. Iron Maiden wären stolz. Dank des Teufelsarms haben wir die Möglichkeit, Feuerbälle zu verschießen, mit denen wir Schalter betätigen, Laternen entzünden und Wände zerstören. Aber nicht nur die Feuerbälle gehören zu unserem Repertoire, mit gezielten Schüssen können wir auch Power Ups in den Levels aktivieren, die wir dringend benötigen, um des Teufels Fallen zu überwinden. So können wir die Gravitation beeinflussen, um durch die Levels zu schweben oder eine Warpkugel verschießen, die uns von A nach B teleportiert. Die Entwickler hinter Seum, Pine Studios, haben sich in den insgesamt 99 Levels vielerlei teuflische Fallen einfallen lassen, die das Spiel ab Haus aus mitbringt. In jedem Level lassen sich darüber hinaus versteckte Räume finden sowie Bierdosen oder Abkürzungen, die man vorher nicht kannte. Wem das nicht reicht, der kann ja immer noch versuchen, seine eigenen Zeiten zu unterbieten und so in den Leaderboards zu steigen. Seum bietet genug Motivationsmaterial, um stundenlangen Spielspaß zu garantieren.

Technisch macht die PS4 Version – abseits der leicht angestaubten Optik – leider zum aktuellen Zeitpunkt keine gute Figur. Das Spiel wird regelmäßig von heftigen Slowdowns ausgebremst, was es teilweise schwierig macht, einen fließenden Spielablauf zu garantieren. Störend wird es, wenn genau zu einem brenzligen Zeitpunkt die Bildrate einbricht und man deshalb den richtigen Zeitpunkt zum Absprung verpasst, zu Tode stürzt und das Level neustarten muss. Immerhin kommt das Spiel innerhalb der Levels ohne Ladezeiten aus. Solltet ihr also sterben oder aus eigenem Willen einen Reset auslösen, geht es innerhalb von einer Sekunde wieder von vorne los.

Fazit:
Seum hat die Grundzutaten, um ein motivierendes Speedrunner-Spiel zu sein. Leider sind die technischen Unzulänglichkeiten bei der PlayStation 4-Fassung des Spiels ein großer Wermutstropfen bei einem sonst sehr ansprechenden Titel. Sollten die Pine Studios es in Zukunft noch schaffen, die technischen Macken auszubügeln, so kann man Seum jedem wärmstens empfehlen, der auch nur ansatzweise was für Speedrunner und Heavy Metal übrig hat.

(getestet von Frank Johann)