Im Test: State of Mind (PC, PS4, XBOX One, Switch)

Als die deutsche Spieleschmiede Daedalic Entertainment vor zehn Jahren ihren ersten Titel Edna bricht aus veröffentlichten, hätte wohl niemand damit gerechnet, dass sie irgendwann zu den großen Adventure-Studios der Welt gehören. Durch Whispered World und vor allem die Deponia-Reihe feierten sie dann den endgültigen Durchbruch, national wie auch international. Mit State of Mind folgt nun der nächste Schritt und auch wenn das Studio seinen Wurzeln treu bleibt, versuchen sie damit so einiges Neues. Ausmodellierte 3D-Welten statt 2D-Hintergründe, eine dystopische Zukunftsversion statt bunte Fantasiewelten und eine filmreife Präsentation sollen alte wie auch neue Fans gleichermaßen an den Bildschirm fesseln. Ob dies Daedalic gelungen ist, erfahrt ihr bei uns im Test.

Wir schreiben das Jahr 2048, dank weiteren Sprüngen in der Technologie haben wir es nicht nur geschafft, dass wir den Traum von selbstfahrenden Autos und einer vollautomatisierten Wirtschaft leben, sondern auch das Kolonisieren von fernen Planeten liegt in greifbarer Nähe.

Während wir als Menschheit in diesen Zeiten auf ferne Sternen schauen, sieht es aber auf unserem eigenen Planeten nicht gut für uns aus. Dank Verschmutzung und Klimawandel befinden wir uns nämlich immer mehr am ökologischen Abgrund und durch politische Spannungen hat sich nun die Welt endgültig zwischen West und Ost aufgeteilt, die nun durch Drohnenkriege ihre Territorien und damit die letzten Erdressourcen verteidigen. Die Flucht vor diesem modernen Albtraum führt viele in die Medikamentensucht oder in virtuelle Scheinwelten, wo ihnen keine Grenzen gesetzt sind.

Mitten in dieser unruhigen Zeit lebt Richard Nolan, ein preisgekrönter Journalist, Technophob und Familienmensch, der jedoch eines Tages aus all dem herausgerissen wird, als er nach einem schweren Autounfall im Zentralklinikum von Berlin aufwacht. Nicht nur fehlen ihm Erinnerungen an die letzten Tage vor dem Unfall, sondern auch jede Spur von seiner Familie.

Wer bereits das eine oder andere moderne Adventure wie z.B. Life is Strange gespielt hat, wird sich in State of Mind sofort heimisch fühlen. Wir steuern unsere Spielfigur über die Third-Person-Perspektive durch die Level, untersuchen Objekte, führen Dialoge und treffen Entscheidungen, die mal mehr, mal weniger Einfluss auf den Story-Verlauf haben. Zusätzlich verfügen wir über die Möglichkeit, jeder Zeit andere NPCs via CloudCall zu kontaktieren. Wer aber hier nun auf ein tiefes Feature mit etlichen Stunden an Gesprächen, ähnlich dem Codec aus der Metal Gear Solid-Reihe, erwartet, wird leider enttäuscht sein. Meistens sind unsere Kontakte gar nicht erst erreichbar oder haben etwas Besseres zu tun, als mit uns zu reden.

Zwar verzichtet der Titel im Gegensatz zur Konkurrenz auf actiongeladene Quick-Time-Events, doch finden sich über den Verlauf immer wieder kleine Minispiele, die das Geschehen regelmäßig auflockern. So stellen wir Erinnerungen wieder her, in dem wir einen virtuellen Raum wieder richtig zusammen setzen, kombinieren passende Beweise, um auf eine neue Spur zu kommen, oder übernehmen sogar die direkte Kontrolle über Drohnen. Alle diese Elemente fühlen sich dabei gut ins Spiel eingebracht und wirken keineswegs wie ein aufgezwungener Fremdkörper.

Mit State of Mind wagt Entwickler Daedalic den Sprung von 2D zu 3D, doch sollte man nun deswegen keine Hochglanzoptik erwarten. Man hat sich nämlich für einen stark stilisierten Low Poly Vector-Look entschieden, der besonders bei den Charakteren zur Geltung kommt. Ob dies nun wirklich nur eine artistische Entscheidung war oder man einfach auf dieser Weise nicht den technischen Anspruch einer realistischen Darstellung nahekommen wollte, sei dahin gestellt. Fakt ist aber leider, dass der gewählte Artstil für die Präsentation des Titels nicht immer von Vorteil ist. Zu oft wirken Emotionen gerade in den Dialogen nicht nachvollziehbar und die rückständigen Animationen sorgen für einige unfreiwillig komische Situationen, die nicht selten mit dem ernsten Storytelling kollidieren. Was jedoch wunderbar funktioniert, ist der Soundtrack aus der Feder vom Komponisten-Team GoZebraGo, die hier mit unterkühlten Synthesizer und Klavierklängen die Atmosphäre in den verregneten Hochhausschluchten passend untermalen.

Fazit:
Die ersten Stunden von State of Mind haben mich ehrlich gesagt nicht wirklich überzeugen können. Weder konnte ich zum Protagonisten Robert trotz seiner Lage irgendwelche Sympathien aufbauen, noch war die Geschichte rund um das Verschwinden seiner Familie mitreißend erzählt.

Jedoch überschlagen sich die Ereignisse nach dem ersten Drittel des Spiels und hielten mich damit bis zum Abspann am Bildschirm fest. Robert wird zwar deswegen nicht besser, da wir aber im zunehmenden Verlauf immer mehr in die Rollen anderer Charaktere schlüpfen, sorgt dies für die notwendige Abwechslung. Erzählerisch, wie auch spielerisch.

Die Präsentation kann zwar nicht immer ganz überzeugen, was vor allem an den Animationen liegt, doch hat es Daedalic trotzdem geschafft, eine stimmungsvolle und glaubwürdige Zukunftsversion unserer heutigen Gesellschaft zu erschaffen

Fans von SciFi und gerade dem Cyberpunk-Genre, die aktuell auf der Suche nach einem gut zehnstündigen Adventure sind, sollten State of Mind daher nicht verschlafen.

State of Mind ist seit dem 15. August 2018 für PC, Playstation 4, Switch und Xbox One erhältlich. Getestet wurde die PC Version.

(getestet von Dr. Para)