Im Test: Windscape (Switch)

Was auf den ersten Blick aussieht, wie eine First-Person-Adaption des Nintendo Switch Kassenschlagers „Breath of the Wild“, entpuppt sich nach bereits kurzer Spielzeit doch eher als Low Poly-Version von Bethesda’s Skyrim. Für uns auch ok. Der Test verrät warum.

Als Mädchen namens Ida leben wir in einer Hütte nahe der Stadt Himmelshafen und genießen das ruhige Leben. Vater bittet uns einer Reihe von Erledigungen nachzugehen, doch ehe wir uns versehen, stecken wir komplett im Schlamassel, der die gesamte von uns bekannte Welt zu bedrohen scheint. Von hier beginnt auch direkt das Abenteuer, welches ein Hauptaugenmerk auf Erkundung, Crafting und dem Verdreschen von Monstern legt. Doch eins nach dem anderen, denn Helden werden nicht geboren, sondern gemacht.

Die ersten Quests sind, wie bei den meisten Genrevertretern auch, eher anspruchslos und wenig spannend. Hier müssen wir Holz sammeln, Steine klopfen oder dem Müller sein Weizen bringen. Behutsam werden wir so an das Crafting-System herangeführt. An Werkbänken, Öfen und alchemistischen Tischen kann sich der Handwerker-Lehrling nach Herzenslust austoben. Zu Beginn können wir selbstverständlich nur die einfachsten Rüstungen herstellen, Schwerter aus Holz und unsere Rezepte für Tränke sind auch mehr als überschaubar. Die Materialen selbst gibt es reichlich in der näheren Umgebung, sodass wir nicht lange suchen müssen und unsere Erstausstattung für angehende Abenteurer beisammen geschmiedet haben. Bewaffnet mit Schwert & Schild, Bogen und unserem jugendlichen Leichtsinn begeben wir uns in unser erstes, großes Abenteuer.

Windscape spielt sich in First Person-Perspektive, der Vergleich zum Genre-Goliath-Franchise The Elder Scrolls liegt also garnicht so fern. Die Kämpfe laufen auch ähnlich ab, leichte und schwere Hiebe, Schild in der linken und Schwert in der rechten Hand. Wer besonders viel Schaden austeilen will, kann auch auf Magie setzen, welche aber wiederum mit weniger Verteidigung daherkommt, da man dort keinen Schild tragen kann.

Haben wir unsere erste Ausrüstung zusammen und uns an das grundlegende Kampfsystem gewöhnt, dauert es auch nicht lange und wir betreten den ersten Dungeon des Spiels. In den Dungeons selbst erwarten uns meist mehrere kleine Rätsel, ne Menge Gegner und am Ende des Dungeons sogar ein großer Bossgegner. Die Bosse zwingen einen auf Trab zu bleiben und holen das meiste aus dem Kampfsystem raus. Während normale Gegner ohne jedwede Taktik einfach kleingehauen werden können, müssen wir bei den Bossen zusätzlich auf unsere Umgebung achten und auch mal gezielt ausweichen.

Nach dem ersten richtigen Boss dürfen dann auch die umliegenden Inseln von uns bereist und erkundet werden. Sind wir in der offenen Oberwelt unterwegs, lädt das Spiel herzlich zum Erkunden ein. Auf findige Abenteurer warten Beute und Ressourcen. Neben der spärlich erzählten Hauptgeschichte finden wir auf jeder Insel auch Nebenquests, die meist in Form von Hol- und Bringquests der Marke „Sammle 10 X, töte 10 X“ daherkommen. Schade, dass dort nicht etwas mehr hineingesteckt wurde. So wirken die Nebenquests meist nur als Füllmaterial

Optisch setzt Windscape bewusst auf einen bunten, markanten Stil. Trotz detailarmer Oberflächen entsteht ein schöner, stimmiger Low Poly-Look. Einzig an die Charaktermodelle muss man sich wohl gewöhnen. Die von uns getestete Switch Version performierte meist zu unserer Zufriedenheit und sah selbst docked an einem 4K TV zu keiner Zeit „schlecht“ aus. Auch der Soundtrack weiß auf ganzer Linie zu überzeugen. Verträumt melancholische Töne passen immer zum Geschehen und bleiben auch gerne mal im Ohr, wenn die Konsole ausgeschaltet ist.

Fazit:
Mit viel Freiheit kommt Windscape daher und bietet dem geneigten Spieler ein First-Person-Rollenspiel mit seicht erzählter Geschichte und ideenlosen Nebenquests. Das durchaus durchdachte Crafting-System, die Dungeons, die malerisch gestaltete Spielwelt und der verträumte Soundtrack sorgen allerdings dafür, dass sich ein Kauf des Spiels dennoch lohnen könnte.

(getestet von Frank Johann)