Im Test: Remnant: From the Ashes (PC / PS4 / One)

Mit Darksiders III machte sich das Studio bekannt. Gunfire Games krempelte das klassische Action-Adventure zu einem Souls-Like um und überraschte mit der mutigen Neuausrichtung. Zusammen mit Publisher Perfect World Entertainment nutzten sie jetzt die Erfahrungen für einen gänzlich neuen Titel. Auch Remnant: From the Ashes lässt sich von den Souls-Spiele inspirieren, setzt aber auf Schusswaffen statt Nahkampfwaffen und erdet das Genre in einer postapokalyptischen, neoviktorianischen Zukunftsvision. Das klingt auch für euch interessant? In unserem Test nahmen wir uns den endzeitlichen Problemen an.

Also From Software’s Sleeper Hit Demon’s Souls erschien, konnte niemand ahnen, welche Auswirkungen das Spiel und besonders sein Nachfolger Dark Souls auf die Gamingbranche haben wird. Das Souls-Genre war geboren und mittlerweile hatten wir Souls-Likes im Science Fiction-Universum, als Anime-Adaption, in 2D und VR, selbst Star Wars und Darksiders ließen sich von Miyazakis Meisterwerk prägen. Was fehlt noch? Ein Third-Person-Shooter als Souls-Like. Und diese Lücke füllt jetzt Remnant: From the Ashes.

Die Erde liegt in Trümmern. Dämonische Wesen aus einer fremden Welt haben sie überrannt und die letzten Menschen kämpfen jetzt ums nackte Überleben. Die letzte Hoffnung bietet ein mysteriöser Kristall, der uns andere Dimensionen bereisen lässt, um die düstere Invasion zu entschlüsseln und so vielleicht unsere Heimat doch noch zu retten. Dafür schlüpfen wir in die Rolle eines selbstkreierten Charakters, der praktisch an eine der letzten Bastionen der Menschen angespült wird und sich so zum etwas unfreiwilligen Freiheitskämpfer hocharbeitet.

Aller Anfang ist klein. Ganz wie beim großen Vorbild werden wir wehrlos in eine grausame, menschenverachtende Umgebung geworfen, die von mächtigen Schreckensgestalten bevölkert wird. In den Ruinen unserer Zivilisation finden wir zumindest eine improvisierte Waffe, ein Beil, um die ersten Angreifer, teuflische, etwas geisterhafte Kreaturen, abzuwehren. Erst als wir das kleine Lager unter dem Kommando der taffen Führerin Ford erreichen, erhalten wir eine schlagfertige Lösung für das Dämonenproblem, eine Pistole und ein Gewehr, das sich nach unserer Klasse richtet. So können wir einen Späher spielen, der sich als Scharfschütze versucht, und Gegner für mehr Schaden und eine bessere Übersicht markiert, oder wagen uns näher an die Monster mit einer Schrotflinte und profitieren von Heilfähigkeiten. Auch wenn anfangs nur drei Klassen zur Wahl stehen, mit der Zeit wächst unser Repertoire an Waffen, Mods und Fähigkeiten, und wir können unterschiedliche Rollen im Kampf ausüben.

Denn in Remnant sind wir selten alleine unterwegs und holen uns online bis zu zwei Mitspieler mit ins Boot. Hierbei lohnt es sich die Ausrüstung aufeinander abzustimmen, um sich dem beinharten Schwierigkeitsgrad entgegen zu stellen. Das Spiel ist bereits solo eine wahre Herausforderung, mutiert aber im Coop mit einer harschen Skalierung zu einem Höllenritt, der schnell in Frust ausufern kann.
Es lohnt sich deswegen auch die zufallsgenerierten Level mehrfach zu wiederholen, um den Charakter und seine Ausrüstung zu verbessern, und sich so für härtere Aufgaben zu rüsten. Die Progression ist hierbei motivierend und lässt uns trotz manchmal langwieriger Wiederholungen ans Pad kleben.

Aber nicht nur materielle Belohnungen locken zum Weiterspielen. Remnant Ist auch ohne AAA-Aufgebot ein audiovisueller Genuss. Trotz technischer Schwächen, macht es großen Spaß die Ruinen unterschiedlicher Dimensionen zu erkunden und dabei in viktorianischer Mode mit derber Shotgun dämonische Gestalten zurück ins Jenseits zu befördern. Hier reizt das Art Design mit etwas klischeebehafteten Coolness, die oftmals vorhersehbar ist, aber auch zur richtigen Zeit mit frischen Anstrichen zu überraschen weiß.

Fazit:
Remnant: From the Ashes erreicht natürlich nicht die Qualitäten der From Software-Originale oder hochbudgetierter Kopien. Aber als eine Art Bloodborne-Third Person Shooter trifft es einen Nerv, der sich in einem äußert befriedigenden Erlebnis auslebt. Es liegt nicht nur am motivierenden Souls-Gameplay, an spaßiger Coop-Action und süchtig machender Charakterentwicklung, mit Dreispitz und und langem Mantel kreischenden Dämonen das Schrot zwischen die Augen zu klemmen, steht für sich wunderbar alleine. Und Gunfire Games hat darum ein erstaunlich kompetentes Spiel gestrickt, das handwerkliche Mängel schnell vergessen lässt, und bei der fairen Preisgestaltung von 40€ mit gutem Gewissen einem Freund oder einer Freundin für die kooperative Höllenjagd empfohlen werden kann.

(getestet von Wladyslaw Oswiecimski)