Im Test: Monster Hunter World (PS4, XBOX One)

Lange haben wir darauf gewartet. Nach fast zehn Jahren erhalten wir wieder einen Monster Hunter-Titel für die stationären Konsolen. Auf PS4 und Xbox One (und später auch auf dem PC) schickt uns Capcom auf die generalüberholte Monsterjagd. In unserem Review erfahrt ihr, ob Monster Hunter World das stolze Erbe fortsetzen kann.

Es gilt wieder neue Welten zu entdecken. Als Jäger werden wir zu einem unerforschten Kontinent geschickt, um Forschungen über die Flora und Fauna voranzutreiben. In erster Linie interessiert uns der kolossale Drachenälteste Zorah Magdaros, aber bis wir dieses Biest in Angriff nehmen können, begnügen wir uns mit kleineren Bewohnern dieser unberührten Länder.

Was hier erstmalig in voll vertonten und durchaus ansehnlichen Zwischensequenzen kurz und knapp erzählt wird, reicht nicht aus, um Skeptiker von der Reihe zu überzeugen. Auf der anderen Seite wird es auch nicht die Puristen vergraulen, die die Monsterjagd im Zentrum der Serie sehen. Die Story stellt hier einen vernünftigen, vielleicht etwas naiven, aber subtilen Rahmen für das Gameplay dar.

Und das Gameplay entspringt der namensgebenden Jagd auf Monster. Sie ist der alleinige Fokus und all die weiterführenden Mechaniken kreisen um das Bezwingen unterschiedlichster Kreaturen. Der große Kern des Spiels ist der Kampf. Hier stellen wir uns den Monstern aktiv entgegen.

Diese fantasievollen Geschöpfe reichen von ulkigen Mischungen zwischen froschäugigem Chameleon und buntgefiedertem Riesenvogel über den feuerspuckenden T-Rex-Cousin Anjanath bis hin zu magischen Drachenältesten, die die Elemente beherrschen.

Essentiell ist es sich die Bewegungs- und Angriffsmuster einzuprägen, denn viele Attacken enden für uns direkt tödlich und andere versehen uns mit Statuseffekten, die den Kampf zusätzlich erschweren.

Es gilt also den Gegner zu studieren, seinen Angriffen zu entgehen und gleichzeitig Lücken in der Verteidigung zu suchen und auszunutzen. So nutzen wir beim prähistorischen Fisch Jyuratodus Blitzangriffe, springt er allerdings in eine Schlammgrube, schützt ihn die Erde vollständig vor elektrischem Schaden. Den nutzen wir dann lieber bei Nergigante, dessen Stacheln dadurch in den Körper zurückweichen, während wir einen Diablos an die Oberfläche mit Schallbomben herauslocken, sobald er sich eingegraben hat, um seinen letalen Ausbruch zu verhindern. Die über 30 großen Monster verlangen alle eine eigene Strategie und bringen den Spieler gerne eine halbe Stunde zum Schwitzen bis sie am Boden liegen.

Auf der Gegenseite haben wir aber auch ein großes Repertoire an Waffen, Rüstungen, Items und Fähigkeiten, um das Monster zu bezwingen. Dabei gibt es immer verschiedene Vorgehensweisen für einen effizienten Erfolg. Dabei stehen uns allein 16 Waffengattungen zur Verfügung. Mit Zweihandschwert wählen wir einen aggressiven Kampfstil, mit Schild und Speer einen defensiven, der Bogen erlaubt uns auf Distanz zu gehen und sehr mobil zu bleiben, die Schusswaffen sind durch unterschiedliche Munitionsarten sehr wandlungsfähig. Ein Horn bufft uns mit verschiedenen Melodien und mit dem Insektenstab kommandieren wir einen Käfer. Die Waffenauswahl ist nicht nur umfangreich, jede Waffe hat ein eigenes Set an Angriffen und es kann eine Weile dauern bis man sie wirklich verinnerlicht hat. Dann aber gehört das Kampfsystem von Monster Hunter World zu den spaßigsten, komplexesten und dynamischsten unserer Zeit.

Aber die Waffe ist nur ein Element. Natürlich spielt auch die Rüstung klassischerweise eine wichtige Rolle. Interessanter sind aber die zusätzlichen Items, die wir im Kampf verwenden können. Heiltränke und Antigifte kennt man noch aus so ziemlich jedem Rollenspiel. Hier können wir aber auch Blitzbomben auf fliegende Gegner schmeißen, um sie vom Himmel zu holen. Oder wir bewerfen sie mit Dung, um sie zu verscheuchen. Fallen sind eine effektive Methode kurzzeitig eine Menge Schaden auszuteilen, besonders wenn wir die Falle mit einigen explosiven Fässern bestücken. Oder wir fangen das Monster so direkt. Es macht richtig Spaß hier eine Strategie zurechtzulegen und mit jeder Spielstunde lernt man etwas Neues dazu, das den weiteren Spielverlauf erleichtert.

Die Materialien für unsere Ausrüstung finden wir nicht nur bei Monstern, sondern überall in der Umgebung der sechs isolierten Gebiete. Hier sammeln wir Kräuter, fangen Käfer, bauen Erze ab und angeln uns unseren Proviant. Das dient nicht allein dem Gameplay. Monster Hunter World hat durch die Fülle an an Details, an winzigen, kleinen und riesigen Wesen, die stolz ihr Territorium bewachen oder raschelnd von Baum zu Baum huschen, all den blühenden Pflanzen und interessanten Landschaftsbildern eine der schönsten und lebendigsten Welten, die wir je in einem Videospiel bestaunen durften. Und dank der umfangreichen Jagd, die beim Aufspüren des Monsters anfängt und meist mit seiner Flucht zum Nest endet, ist hier die offene Welt elementarer Bestandteil des Spielkonzepts, die große Teile der Möglichkeiten in und außerhalb des Kampfes trägt.

Während in der Jagdmission immer wieder spontanes Crafting und Umrüsten notwendig ist, um sich der Situation anzupassen, findet die eigentliche Vorbereitung in unserer Basis statt. Hier haben wir Händler, Forscher, Traininigsplätze, ein von Katzen geführtes Restaurant, unsere Questgeber und sogar unser eigenes Haus. Hier nutzen wir die Beute, um unsere Ausrüstung zu verbessern und zu optimieren. Wir erkundigen uns nach den Stärken und Schwächen des Gegners und passen unser Equipment dementsprechend an. Und das ist eine Mammutaufgabe, die den Perfektionisten einige Stunden kosten wird, aber dank ständigem Fortschritt und vielen Individualisierungsoptionen dauerhaft motiviert.

Aber wirklich aufdrehen kann das Spiel im Multiplayer. Im Singleplayer haben wir einen kleinen katzenartigen Gefährten, der uns beiseite steht. Wir können aber auch mit bis zu weiteren drei Jägern in den Kampf ziehen. Das macht nicht nur mehr Spaß, es ist auch deutlich effektiver und ermöglicht mehr Strategien und eine striktere Rollenverteilung. Im Coop stellen wir uns nicht nur den Kampagnenmissionen, sondern können auch spezielle Herausforderungen für hochstufige Belohnungen meistern.

Im Endeffekt läuft es wie so oft bei diesen Spielen, auf das „Farmen“ heraus, das wiederholte Besiegen derselben Monster, aber Monster Hunter World hat einen ungeheuren Umfang, motiviert zu verschiedenen Heransgehensweisen, zum Einsatz unterschiedlicher Waffen, zum Experimentieren und Erkunden. Auch bei weit über hundert Stunden habe ich noch lange nicht alles gesehen und lerne jede Session etwas Neues. Und regelmäßige Updates sollen das Spiel am Leben erhalten. Ein neues Monster steht bereits in den Startlöchern.

Fazit:
Monster Hunter World ist ein Monstrum, ein Monstrum an Umfang, an Anspruch. Es zeigt uns wie Motivation und Herausforderung Hand in Hand gehen und gehen müssen. In Zeiten, in denen das große Rollenspiel sich für die Masse reduziert, bereichert sich Monster Hunter mit aberwitzigen Details, mit feinen Mechaniken, die das kolossale Ganze perfekt ausbalancieren und den Spieler mit den nötigen Werkzeugen ausstatten, sich den Kreaturen entgegenzustellen. Und gleichzeitig lässt sich aus diesem enormen Potenzial, das all die Möglichkeiten schaffen, schier unendlicher Spielspaß schöpfen. Es gab nie einen schöneren, freundlicheren, besseren Einstieg in die Monster Hunter-Serie.

(getestet von eape)