Im Test: Dead Cells (Steam, PS4, XBOX One, Switch)

Wenn man mich nach meinem Highlight der letztjährigen Gamescom gefragt hätte, es wäre Dead Cells gewesen. Seitdem ist das Spiel in der Early Access-Phase und wurde pünktlich zur diesjährigen Messe endlich offiziell auf allen gängigen Plattformen veröffentlicht. Im Test erfahrt ihr, ob die Zeit diesen damals noch etwas rauen Roguelite-Diamanten geschliffen hat.

Urschleim ist eine unwahrscheinlich treffende Bezeichnung für unseren wiederkehrenden Helden. Zum Spielstart und rogue-like nach jedem Ableben tropfen wir als undefinierbare feuchte Masse auf den kalten Boden eines unterirdischen Gefängnisses, bis wir wenige, skipbare Sekunden später unsere humanoide Gestalt erreichen. An den Schleim erinnert dann nur noch der rotzfreche Humor des planlosen Protagonisten und hunderte leere Gefäße, die von der Kerkerdecke baumeln, geben bereits einen Ausblick auf mögliche Freischaltungen. Aber alles zu seiner Zeit.

Denn zuallererst entscheiden wir uns für einen groben Spielstil als Begleiter für mindestens ein paar Spielminuten. Wir wählen aus zwei von drei Items, einer Nahkampf-, einer Fernkampfwaffe oder einem Schild. Die restlichen beiden der vier Slots werden wir sehr schnell im Spielgeschehen mit sekundärer Ausrüstung füllen, sprich mit Granaten, Geschützen, Fallen und Fähigkeiten.

Dass alle Wege nach Rom führen und führen müssen, wird uns schnell bewusst, denn so sehr wir unsere Dolche oder unseren Bogen vom Start lieben gelernt haben sollten, wenn später eine legendäre hochstufige, Gift-emittierende, Schilder durchbrechende, Gesundheit-stehlende Peitsche einem Gegner entgleitet, müssen Gefühle dem Verstand weichen und außerdem heilt die Zeit (und das Gold unzähliger Leichen) letztendlich doch alle Wunden.

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Dead Cells ist also ein sehr Charakter- oder Build-fokussiertes Spiel. Die einzelnen Levels und Kampfsituationen sind so generisch, wie sie einem zahmen Zufallsgenerator eben entspringen können. Die Labyrinthe ändern sich bei jedem Durchgang, aber es bleiben dieselben Gegner, dieselben Geschicklichkeitspassagen und selbst Geheimnisse, denen wir uns wiederholt stellen. Die Routine brechen wir also überwiegend aus unserem Helden heraus.

Langweilig wird es dabei trotzdem zu keiner Zeit. Das Kampfsystem ist sehr eingängig mit unseren vier Waffen und einer Ausweichrolle, es ist aber auch herrlich direkt, präzise und responsiv. Jede Auseinandersetzung fühlt sich fordernd und richtig an, befriedigt im Kern und erlaubt es in seiner Vorhersehbarkeit die perfekte Synergie aus Items zu finden. Dann wird beispielsweise erst dem Sprungangriff des Säurezombies mit dem Phaser ausgewichen, der uns direkt hinter den Gegner portiert, ein Eispfeil gefriert ihn sogleich zu Eis und erlaubt es unseren Assassinendolchen ungestört kritischen Schaden von hinten zu machen. Dabei können passive Boni noch den Schaden gegen gefrorene Gegner extrem verstärken. So bastelt man sich seinen idealen Build zusammen.

Damit nicht alles dem Zufall überlassen wird, treffen wir innerhalb der Level auch auf Händler, die eine Auswahl an Items bereithalten. Nach dem Abschließen eines Bereichs, landen wir in einer sicheren Zone, die es uns erlaubt, unsere von Gegnern gesammelten Zellen zu nutzen, um permanente Upgrades wie zusätzliche Heiltränke oder die allgemeine Auswahl an Items und Fähigkeiten zu erweitern. Außerdem wählen wir bis zu drei Mutationen mit besonders starken passiven Skills aus und können beim Schmied unser Equipment upgraden.

Es sind die Details, die Dead Cells zum vielleicht besten aktuellen Vertreter des Genres machen. Trotz der sich drastisch unterscheidenden Waffen fühlen sich alle auch isoliert bereits gut und mächtig an. Das Balancing stimmt. Das gilt auch für unterschiedliche Spielstile. Wer jede Ecke erkundet, wird auch jeden Schatz entdecken. Wer durchsprintet, holt sich sein Gold und seine Zellen als Zeitbonus am Anfang des nächsten Levels. Kleine Geheimnisse erzählen etwas über die Hintergründe des Gefängnisausbruchs unseres Protagonisten, während große Geheimnisse mit kleinen Winks an den richtigen Stellen zum Erkunden motivieren.

Durch diese grundsolide Gameplaybasis mit unendlichen Feinheiten motiviert jeder einzelne Run. Bevor man nach vermutlich zig Stunden endlich den Endboss besiegt hat, wird man das Pad nicht ruhen lassen können. Und hat man ihn bezwungen, lockt ein umfangreicher New Game Plus-Modus neben täglichen Herausforderungen und ein schier unendliches Repertoire an freischaltbaren Items.

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Dead Cells ist digital auf Steam, XBOX Live, im eShop sowie im Playstation Network erhältlich. Zusätzlich hat der Publisher Headup Games hierzulande aber auch eine schicke Retail-Version für PC, Playstation 4 und Nintendo Switch veröffentlicht, welche neben dem Spiel auch ein 20-seitiges Artbook enthält. Für Sammler eine mehr als interessante Alternative zur digitalen Version, die den Aufpreis von 5 bis 10 Euro definitiv wert ist.

Fazit:
Als ich vor einem Jahr Dead Cells auf der Gamescom sah, fragte ich mich, warum das Spiel in dieser mehr als vorzeigbaren Form nicht direkt veröffentlicht wurde. Die Antwort bekam ich jetzt zum Release. Eine gute Idee macht ein gutes Spiel, aber es braucht Zeit, um ein Konzept zu raffinieren und Spielsysteme zu perfektionieren. Dead Cells ist der geschliffene Diamant des Rogue-like-Genres und des 2D-Action-Adventures. Es ist ein universelles Muss für jeden Gamer.

(getestet von eape)