Im Test: VA-11 HALL-A: Cyberpunk Bartender Action (Switch, PS4, PC, Vita)

Mit VA-11 Hall-A: Cyberpunk Bartender Action veröffentlichen das venezolanische Entwickler-Studio Sukeban und Publisher Ysbryd Games ihren Indie-Hit diesen Mai endlich auch für Nintendo Switch und Playstation 4, nachdem die Bartender-Simulation in den vergangenen Jahren schon auf dem PC und der Playstation Vita einiges für Aufsehen gesorgt hat. Inspiriert durch ältere, japanische Adventures und Animes, versetzt uns der Titel aber nicht in die Rolle eines abgehalfterten Detektivs oder eines mysteriösen Hackers, sondern einer einfachen Barfrau, die Mitten in einer dystopischen Megacity mit dem Servieren von Drinks über die Runden kommt. Wir haben uns die Latzschürze umgebunden, Cocktails gemischt, das Leben des einen oder anderen verändert und verraten euch nun im Test, ob sich ein Besuch in der besten Bar von Glitch City lohnt.

Wir schreiben das Jahr 207X und die Zustände in Glitch City könnten besser sein. Statt einer demokratischen Regierung, steht der Zaibatsu Konzern an erster Stelle und regiert mit harter Hand über die Bevölkerung, die Menschheit steht jeder Zeit unter dem Einfluss und der Beobachtung von neuartigen Nanomaschinen und dann wären da noch die White Knights, eine militärische Sondereinheit, die auf den Straßen der Stadt für Recht und Ordnung sorgen sollen und dabei mit äußerster Brutalität vorgehen. Zum Glück befinden wir uns aber nicht auf den Straßen, sondern in einer kleinen Bar namens Valhalla, irgendwo in einem der dreckigen Bezirke von Glitch City, die höchstens von allerlei unterschiedlichen Personen heimgesucht wird, die hier ihren Durst löschen wollen oder einfach nur jemanden zum Reden brauchen.

In VA-11 Hall-A verschlägt es uns in die Rolle von Julianne „Jill“ Stingray, die hinter dem Tresen der Valhalla-Bar Tag ein Tag aus arbeitet, um damit ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Unsere Hauptaufgabe ist es natürlich dabei, die Wünsche des Kunden umzusetzen und ihm das passende Getränk vorzusetzen. Manche sind dabei recht direkt und wissen genau was sie wollen, andere hingegen sind eher vage mit ihrem Wunsch und geben uns nur grob eine Richtung vor, wie es zu schmecken hat oder was es bewirken soll. Sauer im Geschmack, mit einer klassischen Note, am besten ohne Alkohol und brennen soll es auch noch! Damit wir dabei nicht komplett aufgeschmissen sind, können wir jeder Zeit einen Blick ins sogenannte „Drinktionary“ werfen, einer Datenbank, in der die Rezepte für alle 29 Drinks, Cocktails und Getränke im Spiel nach Namen, Geschmack und Stil sortiert sind. Haben wir uns für eins entschieden, müssen wir den gewünschten Drink nur noch herstellen und servieren. Dazu stehen uns fünf verschiedene Zutaten zur Verfügung, die in der richtigen Menge kombiniert werden müssen. Ebenso lassen sich die Drinks durch das Reifen und Hinzufügen von Eis nochmal verfeinern. Haben wir alles zusammen, wird das Ganze noch gemischt oder gemixt (ja, da gibt es einen Unterschied) und schon können wir das Endprodukt dem Kunden servieren. Viel Freiraum lässt uns das Spiel hier nicht und nehmen wir von einer Zutat zu viel, lässt das Betriebssystem der Bar uns dies direkt wissen und wir müssen wieder von vorne anfangen. Ausnahmen sind hier Drinks und Cocktails mit optionalen Alkohol, bei denen wir die Menge selber bestimmen, oder kleinen Getränken, die sich mit der doppelten Menge an Zutaten zu einer größeren Version upgraden lassen, ohne das sie dabei misslingen. Wer also befürchtet hat, dass er für das Spiel eine Bartender Ausbildung abschließen muss, kann hier beruhigt weiterlesen.

Da wir neben den Arbeiten am Mixer auch in Gespräche mit unseren Kunden verwickelt sind, spielen Dialoge natürlich eine große Rolle in VA-11 Hall-A. Visual Novel-typisch können wir hier keine Antworten oder Fragen auswählen und somit direkten Einfluss auf den Verlauf des Gesprächs nehmen, doch betet Jill nicht ohne Grund am Anfang jeder Schicht den Satz „Time to mix drinks and change lives“ wie ein Mantra runter. Denn zwar verfügt der Titel über kein klassisches Dialogsystem, doch kann der falsche oder richtige Drink in gewissen Situationen zu anderen Szenarien führen, die neue Dialoge und sogar zu komplett neue Charaktere ins Spiel einführen. Dies sagt uns das Spiel nicht wirklich und wir müssen uns durch Gespräch sehr genau merken, was vielleicht etwas Spezielles bei dem Kunden auslösen könnte.

Am Ende jeden Tages bekommen wir unser Gehalt ausgezahlt. Die Zufriedenheit der Kunden, misslungene Bestellungen und andere Kleinigkeiten werden dabei zusammengerechnet und hier und da gibt uns unser Boss auch einen netten Bonus obendrauf. Diesen braucht Jill auch, da wir in regelmäßigen Abständen Rechnungen und die Miete bezahlen müssen, wenn wir denn nicht auf der Straße landen wollen. Zwar folgt hier kein direktes Game Over für uns, doch entscheiden solche Situationen darüber, welches der sechs verschiedenen Enden wir zu Gesicht bekommen. Wer jedoch immer gute Arbeit hinter dem Tresen abliefert und damit sich regelmäßig einen Bonus sichert, kann sein Geld auch im örtlichen Shop ausgeben, den wir zwischen unseren Schichten besuchen können. Hier lässt sich dann unsere hart verdiente Kohle gegen neue Ausstattungen für unsere Wohnung ausgeben, wie z.B. Holo-Blumen, Poster, Videospielkonsolen oder sogar frische Tapeten für die eigenen vier Wände. Die Wohnung selber dient uns dabei mehr als Rückzugspunkt zwischen den Schichten, in der wir den Spielstand sichern und sogar verschiedene Seiten im Internet besuchen können. Egal ob es sich dabei um den neusten Klatsch und Tratsch oder politische Ereignisse dreht: VA-11 Hall-A lässt uns hier einen tiefen Einblick in die dystopischen Gesellschaft blicken, in der Jill lebt.

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, ist der Titel stark durch japanische Adventures aus den 1980ern und 1990ern inspiriert. So erinnert das komplette Artdesign sehr an die Ästhetik von X-Girl: Cyber Punk Adventure und früheren Werken von Hideo Kojima, wie Snatcher und Policenauts. Auch ist der Einfluss von Manga und Anime aus derselben Ära, wie Bubblegum Crisis und Akira, nicht zu verleugnen und gewisse Charaktere könnte man sogar als direkte Referenzen abstempeln. Ähnlich sieht es bei der musikalischen Untermalung aus, für die Michael „Garoad“ Kelly verantwortlich ist und hier, mit seinem Mix aus 80er Synthpop und Vapowave, den audiovisuelle Gesamteindruck von VA-11 Hall-A nochmal perfekt abrundet.

Fazit:
Es ist keine große Überraschung, aber auch auf den großen Konsolen legt VA-11 Hall-A einen fantastischen Auftritt hin und mit einer ungefähren Spielzeit von ca. 11 bis 13 Stunden bekommt man dazu noch einiges geboten! Das Spiel ist nur so vollgepackt mit interessanten und vielschichtigen Charakteren, die lustige, aber auch sehr ernste Dialoge bieten und natürlich darf der reichhaltige Konsum von Alkohol nicht fehlen. Die Arbeit hinter dem Tresen könnte komplexer sein, passt aber in einer Welt, die eh von Nanomaschinen ferngesteuert wird. Somit ist VA-11 Hall-A auch drei Jahre nach der Erstveröffentlichung ein absolutes Muss für Cyberpunk Fanatiker, die das Genre auch abseits dem Ausleben von Machtfantasien und Techporn zu schätzen wissen und selbst absolute Visual Novel-Neulinge können ohne Bedenken einen Blick in den Titel werfen, da es sich hier wahrscheinlich um einen der einsteigerfreundlichsten Vertreter des Genres handelt.

VA-11 Hall-A erscheint am 2. Mai für Nintendo Switch und Playstation 4. Bereits erhältlich ist der Titel auf PC via Steam, Good Old Games und für die Playstation Vita. Getestet wurde die Nintendo Switch Version.

(getestet von Dr. Para)