Im Test: Labyrinth of Refrain: Coven of Dusk (PC, PS4, Switch)

Das Disgaea-Team von Nippon Ichi Software entfernt sich seit langer Zeit von Strategy-RPGs mit machthungrigen Unterweltherrschern und selbstmörderischen Pinguinen und widmet sich erstmalig einem Dungeon Crawler zu. Labyrinth of Refrain atmet zweifellos dieselbe Luft wie Disgaea, betritt allerdings unerforschtes Terrain. NIS America leitet diesen Strom japanischer Extravaganz zu uns in den Westen um und in unserem Test erfahrt ihr, ob der Kurswechsel gelungen ist.

Disgaea hat eine Vergangenheit bitterböser Protagonisten. Die Angst der Untertanen, insbesondere der ikonisches Prinnies, wurde zum Markenzeichen der Reihe. Labyrinth of Refrain setzt diese Tradition fort. Im Zentrum steht hier die Hexe Dronya, die ihre gutgläubige Schülerin Luca bei jeder Gelegenheit triezt und zur gehorsamen Sklavin missbraucht. Zusammen ziehen sie in die ferne Stadt Refrain, wo ein mysteriöses unterirdisches Labyrinth auf unbelehrbare Abenteurer wartet.

Da sich Dronya den Gefahren bewusst ist, nutzt sie ein legendäres Buch, das Tractatus de Monstrum, um das sagenumwobene Labyrinth zu erkunden. In diesem Buch wurde die Seele des Spielers gefangen und mit der Zauberkraft der Hexe und des altertümlichen Folianten erwecken wir aus Puppen Krieger an unsere Seite, die uns bei der Höhlenforschung unterstützen.

An dieser Stelle entpuppt sich Labyrinth of Refrain als klassischer japanischer Dungeon Crawler. Wir stellen in Disgaea-Manier recht frei ein Team aus fünf Einheiten zusammen und erkunden Ebene für Ebene ein riesiges Labyrinth. Dabei bewegen wir uns erzkonservativ von Feld zu Feld und zeichnen so die Karte des Dungeons. Aufgehalten werden wir von Wänden, kleinen Schalterrätseln und natürlich von Gegnerscharen, die hier immerhin nicht aus Zufallskämpfen resultieren, sondern in der Regel zu sehen sind und gezielt angegangen oder vermieden werden können.

Auch die Kämpfe berufen sich auf ein bekanntes Fundament des Genres. Rundenweise befehligen wir unsere Einheiten, beschwören Angriffs- oder Unterstützungszauber, nutzen Items für den entscheidenden Vorteil im Kampf und verteidigen uns, wenn ein Feind einen starken Angriff ankündigt. Kein japanischer Entwickler gibt sich mit einem rudimentären Kampfsystem zufrieden und so haben wir auch hier weitergehende Kampffertigkeiten, die nicht ausgeprägt genug sind, um das Kampfsystem hervorragen zu lassen, aber zumindest dem Ganzen einen individuellen Anstrich verpassen.

Was Labyrinth of Refrain hingegen tatsächlich inmitten eines übersättigten Genres aufblitzen lässt, ist das Management abseits des Dungeon Crawlings. Es kommt im Umfang nicht ansatzweise an Disgaea heran, aber auch hier haben wir viele Personalisierungsoptionen für die ultimative Strategie. So erstellen wir jedes Teammitglied einzeln und bestimmen nicht nur Äußerlichkeiten, sondern neben der Klasse auch im Detail die Talente, Fertigkeitspunkte, die Entwicklung der Charakterwerte und andere Kleinigkeiten. Wir schöpfen dann das Equipment aus einem Pool aus schier unendlichen Ausrüstungsgegenständen und kombinieren unsere Charaktere in Gruppen von bis zu drei Kämpfern, um eine Einheit zu formen. Anschließend bilden wir Formationen mit den fünf Einheiten für noch mehr Strategiewahn. Den Möglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt und das Spiel legt immer wieder nach, um uns zu mehr Optimierung zu motivieren.

Wer Disgaea aufgrund der Story liebte, wird auch hier fündig werden. Der Ton, den die Geschichte anschlägt, ist ein ähnlicher. Unsere kompromisslose, überzeichnet böswillige Hexe wird regelmäßig mit schrägen Charakteren und obskuren Gestalten konfrontiert, was unweigerlich zu typisch japanischen, oft schlüpfrigen, aber immer skurril-komischen Szenen führt. Labyrinth of Refrain stützt sich sehr viel mehr auf die Story und ihre Inszenierung als andere Genrevertreter und kann hier trotz klassischer Präsentation in 2D-Bildchen, aber immerhin mit englischer Vertonung, punkten.

Nicht nur dass man vermutlich wieder endlos grinden und looten kann, um das perfekte Team zusammenzustellen, Labyrinth of Refrain ist auch in seinem Storyumfang ein wahres Monster. Die über 50 Ebenen zwingen den Spieler in die Investition von an die 40 Stunden je nach Schwierigkeitsgrad. Das Postgame hält sich im Vergleich mit Disgaea ziemlich zurück, aber Genrefans können im Spiel unzählige Stunden verbringen.

Fazit:
Labyrinth of Refrain erfindet das Rad nicht neu. Es ist ein Dungeon Crawler, wie er in seinen Grundsätzen immer wieder zu uns aus Japan herüberschwappt. Mitsamt der veralteten Präsentation, bewährter, aber streng konservativer Mechaniken und dem gewöhnungsbedürftigen, wenn auch sympathischen spritzigen Humor. Die Erfahrung der Entwickler mit der Disgaea-Reihe weiß aber die Stellschrauben richtig zu drehen. Das umfangreiche Makro- und Micromanagement der Party führt zu einem hohen Suchtfaktor und regelmäßige Storyszenen jonglieren den Titel über der drohenden Ermüdung. Labyrinth of Refrain ist definitiv wieder ein japanischer Dungeon Crawler, der seine Arme breiter öffnet als andere Vertreter des Genres und erkundungsfreudige Nippon-Enthusiasten fest umschließen wird.

(getestet von eape)