Im Test: Yooka Laylee and the Impossible Lair (PC, Switch, One, PS4)

Das junge Entwicklerstudio Playtonic Games, bestehend aus Ex-Rare Mitarbeitern, hat es sich zur Aufgabe gemacht, klassische Jump-and-Run-Collectathons a la Banjo & Kazooie wieder aufleben zu lassen. Mit ihrem 2017 erschienenen Debüt Yooka-Laylee ging der Wunsch nur halb auf, da der spirituelle Nachfolger zwar solide, aber nicht ganz perfekt poliert war. Nun, rund 2 ½ Jahre später, kommt mit The Impossible Lair der komplett umgekrempelte Nachfolger. Was sich getan hat, verrät unser Test. 

Capital B, seines Zeichens Bösewicht des Yooka-Laylee Universums, hat erneut einen teuflischen Plan ausgeheckt. Mit einem Zauberstab unterjocht er das Beettallion von Bienenkönigin Phoebee und verzieht sich in das namensgebende Impossible Lair. Es ist am dynamischen Heldenduo, dem grünen Gecko Yooka und Laylee, der lilanen Fledermaus, die auf seinem Kopf sitzt, Capital B aufzuhalten und dem Land den Frieden zurück zu bringen. Als Spieler sollte man keine allzu großen Wendungen in der Geschichte erwarten. Diese dient nur als Rahmenhandlung für den Kern des Spiels, dem Plattforming, und dient rein als Kulisse für die aberwitzigen Levels, die wir in den rund 15 Stunden bis zum Abspann besuchen.

Weg mit der 3D-Perspektive der guten, alten Nintendo 64-Zeit und her mit der 2.5D-Perspektive der jüngsten Donkey Kong Titel! Die wohl größte Änderung des neuen Abenteuers ist der Wechsel der Perspektive. Verständlich, war doch eines der größten Probleme der Vorgänger die Kamera und einhergehend damit das Plattforming. Der Perspektivenwechsel tut dem Spielablauf gut, das Plattforming fühlt sich direkt an und Sprünge landet man problemlos punktgenau.

Zwischen den Levels bewegen wir uns auf einer fast schon an Zelda erinnernden Overworld in der Top-Down-Perspektive. Hier lösen wir kleinere Rätsel, um vorwärts zu kommen, sammeln versteckte Items und Reichtümer ein und gehen so von Level zu Level. Noch immer präsentieren sich Leveleingänge als offene Bücher. Haben wir ebenso eines erreicht, hüpfen wir rein und nach einer kurzen Ladepause stehen wir im Level in 2.5D. Wie es sich für eine zünftige Hommage an Genreklassiker gehört, gibt es auch hier allerlei Gegenstände zu sammeln. In jedem Level warten fünf Münzen darauf, gefunden zu werden. Teilweise höllisch gut versteckt. Des Weiteren sammeln wir virtuelle Währung, die wir in der Oberwelt für Tonika ausgeben können. Die Spielablauf-verändernden Tonika müssen wir vorerst in der Oberwelt finden, bevor wir sie dann anschließend kaufen können. Standardmäßig verfügen Yooka und Laylee über drei Plätze für Tonika. Diese sorgen z. B. dafür, dass man die Münzen in einem Level nach dem Ableben behält und schwierige Passagen nicht noch einmal machen muss. Andere wiederum sinken den Währungsmultiplikator, wodurch wir weniger „verdienen“, während andere einfach nur der Belustigung dienen. Gegner mit Googley Eyes sind halt nunmal witzig.

Haben wir einen Level erfolgreich abgeschlossen, ist es manchmal möglich, denselben Level noch einmal mit Modifikationen zu spielen. Schießen wir mit einer Eisblume auf das Buch,  friert der Level ein, schießen wir mit Honig darauf, verklebt der Level und es öffnen sich neue Wege. Am Ende eines jeden Levels wartet eine Biene aus Queen Phoebee’s Beetallion auf uns, die uns fortan beim Unmöglichen Bau beschützt.

Der Turm ist direkt von Anfang an betretbar und rein theoretisch auch direkt bezwingbar, sollte der Spieler gut genug sein. Normale Spieler sollten sich aber keine Sorgen machen, die gefangenen Bienen helfen uns in Form eines Abwehschildes. Pro gefangene Biene erhalten wir einen Trefferpunkt mehr. Haben wir alle Trefferpunkte verbraucht, beginnt der höllisch schwere und lange Level von vorn. Es lohnt sich also so viele Bienen wie möglich zu sammeln, bevor man sich Capital B entgegenstellt.

Besonders lobenswert ist die technische sowie audiovisuelle Seite des Titels zu erwähnen. Die wunderschöne Optik strotzt nur so vor Details und knalligen Farben, ohne dass man je die Übersicht verliert. Die von uns getestete PS4 Pro-Version lief zudem in butterweichen 60 Frames pro Sekunde. Den eingängigen Soundtrack steuert Jump-and-Run-Soundtrack-Guru und Urgestein David Wise bei, der sich bereits für die Banjo-Kazooie-Spiele und jüngst auch Snake Pass verantwortlich zeigt.

Fazit:
Jump-and-Run-Spiele werden immer seltener, umso schöner, dass uns mit Yooka-Laylee and the Impossible Lair ein kleiner Genre-Geheimtipp beschert wurde, der Fans knallbunter Hüpfereien bedenkenlos ans Herz gelegt werden kann. Nach dem nur soliden Erstling schaffen es Playtonic Games endlich, den Charme klassischer Jump-and-Runs einzufangen und gesellen sich mit Yooka Laylee and the Impossible Lair neben Donkey Kong Tropical Freeze gemütlich auf das Siegertreppchen des Genres. Mehr davon bitte.

(getestet von Frank Johann)