Im Test: Stranded Sails (PC, Switch, PS4, One, Apple Arcade)

Ein Farming-Abenteuer aus Deutschland: Das Düsseldorfer Entwicklerstudio Lemonbomb Entertainment nimmt uns in Stranded Sails – Explorers of the Cursed Islands mit auf eine Entdeckungsreise auf ein mysteriöses Inselarchipel. Wir haben ebenfalls unsere Segel gesetzt und was wir auf unserem Abenteuer so alles erlebt haben, verrät nun unser Test – Schiff ahoi!

Als Sprössling eines Schiffskapitäns verlassen wir zusammen mit dessen Crew unsere alte Heimat und blicken hoffnungsvoll einem neuen Anfang entgegen. Ein heftiger Sturm macht uns jedoch einen Strich durch die Rechnung, zerstört unser Schiff und verstreut die Besatzung in alle Winde. Zu allem Überfluss ist der Kapitän schwer verletzt außer Gefecht gesetzt. Damit ist es nun an uns, in die Fußstapfen unseres Vaters zu treten, das Überleben der Mannschaft zu sichern und von den Inseln zu entkommen. Dabei entdecken wir, dass die Inseln ein Geheimnis verbergen, welchem wir dicht auf den Fersen sind.

Stranded Sails – Explorers of the Cursed Islands wirbt mit einer Open World gefüllt mit Abenteuern und Rätseln, aber statt erkundungswürdiger Fauna und Flora, erwartet uns eine Welt, die wenig Interaktionsmöglichkeiten bietet und leer wirkt. Wir sind damit beschäftigt, die Wünsche unserer Mannschaft zu erfüllen, um ein Lager auf der Insel zu errichten, Nahrungsmittel anzubauen oder mühsam mit dem Ertrag unserer Ernte zu experimentieren, um Rezepte zu erforschen. Um die Insel verlassen zu können, müssen wir zwischendurch wenig herausfordernde Kämpfe bestreiten und Rätsel lösen.

Anfangs macht die Möglichkeit der Überfahrt auf neue Inseln neugierig, damit hat das Spiel aber einen seiner größten Knackpunkte geschaffen: Während man sich eigentlich auf die Hauptaufgaben des Spiels konzentrieren möchte, laufen und fahren wir die meiste Zeit nur herum und stellen manchmal nach einer kleinen Weile sogar fest, dass man auf der falschen Insel nach etwas gesucht hatte.

Wie ein Damoklesschwert schwebt in all der Zeit die Ausdauerleiste über uns. Das Überleben eines Gestrandeten ist anstrengend, so sind auch die Kosten dementsprechend hoch. Angesichts der Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt, fehlt es hier an einer gesunden Balance, um den Spielspaß nicht zu stören. Zwar kann man mit Essensrationen die Ausdauer wieder füllen, doch sind die Proviantplätze beschränkt. Achten wir nicht darauf, dass die Ausdauer zu Neige geht, fallen wir in Ohnmacht und erwachen mit halber Energieleiste in unserem Lager wieder. Zum Glück haben wir eine Karte von unserem Vater erhalten, mit der wir jederzeit per Schnellreise ebenfalls zurück in unser Lager können, um mit einer Mütze Schlaf oder einer Schüssel Eintopf Kraft zu tanken. Dennoch stellt die beschränkte Ausdauer bisweilen ein frustrierendes Hindernis dar, wenn man sich gerade auf einer anderen Insel befindet und seine Erkundungstour oder die aktuelle Quest noch nicht abgeschlossen hat. Allerdings wird uns im Laufe der Geschichte das Leben mit verbessertem und weniger Energie fressendem Werkzeug etwas einfacher gemacht.

Bis auf seltene Ruckler läuft die Performance flüssig, jedoch macht sich gerade in den Menüs die etwas träge Steuerung des Spiels bemerkbar. Der Soundtrack ist wenig abwechslungsreich, begibt man sich aber auf hohe See, wird man von epischer Musik begleitet, die einen durchaus vergessen lassen kann, dass man aktuell eigentlich nur in einer Nussschale sitzt.

Fazit:
Stranded Sails – Explorers of the Cursed Islands besticht mit süßer Knuddeloptik und liebevoll gestalteten Figuren. Es ist ein ambitioniertes Projekt, das leider etwas über seine eigenen Füße stolpert. Neben großen Titeln wie z. B. Stardew Valley oder Harvest Moon trifft es den Nerv der Zeit, allerdings versteht es sich nicht darin, mit einer originellen Geschichte zu unterhalten oder zumindest mit einem ähnlichen Suchtfaktor zu fesseln. Die Grundidee des Insel-Abenteuers versprach einiges, jedoch mangelt es letztlich an einer lebendigen Spielwelt, um die langen Laufwege und Bootsfahrten zu kompensieren.

(getestet von Wolkenspaziererin)