Im Test: SolSeraph (PC, PS4, One, Switch)

ACE Team sind zurück! Nach den beiden Zeno Clash- und Rock of Ages-Teilen sowie Abyss Odyssey oder auch The Deadly Tower of Monsters veröffentlichten die chilenischen Indie-Entwickler in Zusammenarbeit mit SEGA kürzlich einen spirituellen Nachfolger zum SNES-Klasser Actraiser. 

Wer den 1990 erschienenen SNES-Titel Actraiser gespielt und geliebt hat, dürfte bei der Ankündigung von SolSeraph hellhörig geworden sein, denn das Spiel ist quasi eine inoffizielle Fortsetzung zu diesem Klassiker. Was Actraiser damals so besonders gemacht hat, wirkt überraschenderweise auch heute noch recht einzigartig und erfrischend. Actraiser wie auch SolSeraph vereinen nämlich einen typischen Action-Sidescroller mit Strategieelementen. In der Rolle des Gottes Helios müssen wir unterschiedliche Stämme beim Kampf gegen Monsterhorden unter die Arme greifen.

In den Strategie-Abschnitten schweben wir als Helios über die Karte und sorgen dafür, dass die Bewohneranzahl in den Siedlungen steigt, die Bewohner mit Nahrung und Holz versorgt sind und wir mit den beschaffenen Ressourcen neue Gebäude, Kampfeinheiten oder Kampftürme erbauen können, um uns in Towerdefense-Manier gegen die eintreffenden Monster zur Wehr setzen zu können. Helios kann zudem auch mithilfe seiner Gotteskräfte in die Kämpfe eingreifen. Ziel ist es hier immer, die gegnerischen Einheiten bis zu ihren Höhlen zu vertreiben. Dann tritt die zweite Spielhälfte in Kraft…

In den Höhlen steuern wir Helios als Krieger in guter alter Sidescroller-Manier durch 2,5D-Abschnitte und kämpfen uns Schwert-schwingend durch unzählige Gegnermaßen, weichen Angriffen und Geschossen aus und meistern so manche Platform-Passage mit dem Doppelsprung. Am Ende jedes Abschnitts wartet dann immer ein spannender Bosskampf auf uns.

Das große Problem von SolSeraph ist die Tatsache, dass beide Spielhälften einzeln betrachtet nur durchschnittlich gut gelungen sind. Die Platform-Passagen haben mit einer trägen Steuerung, einer schlechten Kollisionsabfrage sowie einem teils sehr hohen Schwierigkeitsgrad zu kämpfen, während die Strategie-Passagen nur sehr oberflächlich aufgebaut sind und vor allem für Strategie-Kenner keine Herausforderung darstellen.

Technisch setzt SolSeraph auf die aktuelle Unreal-Engine und kann sich insgesamt mehr als sehen lassen. Jedoch muss man anmerken, dass das Spiel in optischer Hinsicht deutlich weniger kreativ, abwechslungsreich und skurril ist, als man es aus anderen ACE Team-Titeln kennt. Beim Soundtrack wird wieder schnell deutlich, dass Actraiser als Vorlage diente, weil kein geringer als der Actraiser-Komponist Yuzo Koshiro das tolle Maintheme beisteuerte.

Fazit:
Erst einmal Respekt an ACE Team und SEGA: Ich hätte niemals damit gerechnet, dass jemand irgendwann eine Art neuen Actraiser-Teil veröffentlichen würde. Die Mischung aus Action-Sidescroller und Strategiespiel wirkt auch heute noch einzigartig und übt einen gewissen Reiz aus, leider hat aber vor allem der Sidescroller-Part mit zahlreichen Schwächen zu kämpfen, weshalb SolSeraph der Vorlage letztlich nicht gerecht wird und lediglich absolute Actraiser-Fans zufriedenstellen dürfte.