Im Test: Sinner: Sacrifice for Redemption (PS4, One, Switch, PC)

Die chinesische Videospielindustrie ist auf dem Vormarsch und dringt mittlerweile immer mehr in den westlichen Markt ein. Zwar noch eher im Indie-Sektor vorzufinden, häufen sich in der letzten Zeit die Veröffentlichungen von Studios aus dem Land der aufgehenden Sonne. Einer dieser Vertreter ist das Souls-like Action-RPG Sinner: Sacrifice for Redemption von dem Entwickler Dark Star, welches durch seine starken Ähnlichkeiten zur beliebten Dark Souls-Reihe schon vor Release für Aufmerksamkeit gesorgt hat. Wir haben uns Schwert und Schild geschnappt und uns mörderischen Bossen entgegengestellt. 

Einst stürzte ein Meteoritenregen biblischen Ausmaßes das Königreich von Cavanis in die Dunkelheit. Für viele war diese Katastrophe die Rache Gottes, der die Bewohner des Landes aufgrund ihrer täglichen Sünden bestraft hat. Jahrhunderte später, der einstige Glanz des Königreichs ist nur noch eine ferne Legende aus den Geschichten der Überlebenden, machen wir uns als fähiger Krieger auf die Suche nach der erste Sünde, die für all dieses Chaos verantwortlich ist.

Wie bereits im Vorwort erwähnt, handelt es sich bei Sinner: Sacrifice for Redemption um einen Vertreter des beliebten Souls-like Genres und damit hält Entwickler Dark Star auch nicht hinterm Berg. Von der ersten Sekunden an werden wir an From Software’s bekannter Action Rollenspiel-Reihe erinnert. Ob es das Kampfsystem ist, der hohe Schwierigkeitsgrad, das düstere Artdesign oder gar die kryptische Präsentation, so gut wie alles macht uns von Anfang an klar, mit was wir es hier zu tun haben und vor allem was wir von dem Titel erwarten können.

Nach einem kleinen Tutorial, in dem wir kurz und knackig die grundlegenden Mechaniken des Spiels durchlaufen, erreichen wir das Hub-Areal, welches nicht überraschend an die Rückzugsorte der Soulsborne-Titel erinnert. In diesem isolierten Bereich finden wir sieben Monolithen vor, die repräsentativ für die sieben Todsünden stehen. Hochmut, Geiz, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid und Faulheit. Diese riesigen Steine dienen uns dabei als Portale zu fremden Orten, in denen wir gegen die Verkörperungen der jeweiligen Sünde antreten müssen.

Diese Kämpfe verlangen dabei ein hohes Maß an Konzentration und Geduld, da unsere Feinde nicht nur kräftig zuschlagen können, sondern auch etlichen Gemeinheiten auf Lager haben. So ist Hauptmann Yordo auch nach Jahrhunderten immer noch von seinen loyalen Soldaten umringt, die ihm im Kampf zur Seite stehen und ihn nie alleine lassen, egal wie viele wir von ihnen dezimieren. Faiz Tilus, ein ehemaliger Heiler, der durch seine Gier nach dem ewigen Leben dem Wahnsinn verfallen ist, setzt bei seinen Angriffen auf seine riesige Sense und tödliches Gift, welches uns recht schnell den Rest unserer Gesundheit nimmt. Der Champion des Zorns Angroon zerstört mit seinen riesigen Fäusten den Boden unter unseren Füßen und deckt uns ständig mit Feuer und Flammen ein.

Abgesehen von einer Ausnahme, sind alle Kämpfe recht anspruchsvoll und interessant designt, wenn auch nicht ganz unbekannt, wenn man sich schon durch die Dark Souls-Ableger gekämpft hat.

Während wir aber im Vorbild von From Software erst uns durch Gebiete schlagen müssen, um den jeweiligen Endgegner zu erreichen, gibt es in Sinner nur den Bosskampf an sich. Weder dürfen wir Level erkunden, noch alternative Wege oder Geheimnisse nachgehen. Ähnlich dem 2016 erschienen Action Shoot’em Up FURI, folgt hier Kampf auf Kampf, bis wir das Ende erreicht haben. Es bleibt allerdings nicht nur dabei, denn man hat auch auf einige andere Gameplay-Elemente verzichtet, die man so aus dem Vorbild kennt. So trägt und benutzt unser Held nur das, was wir am Anfang unserer Reise am Körper haben. Neue Waffen, Gegenstände oder Zauber werden wir nicht finden. Das Auswählen verschiedener Klassen zu Beginn fehlt komplett und auch müssen wir nicht auf das Gesamtgewicht unserer Rüstung achten. Mit Schwert und Schild igeln wir uns vor Angriffen ein, mit dem Zweihänder gehen wir in die Offensive, für den Fernkampf bleiben uns Speere zum Werfen, während Heiltränke, Feuerbomben und eine kurzzeitige Waffenverzauberung uns in brenzligen Situationen das Leben etwas leichter machen. Das mag nicht nach viel klingen, doch deckt dies alles schon eine gute Grundbasis ab, die ein bisschen Freiraum für verschiedene Taktiken lässt.

Das große Alleinstellungsmerkmal von Sinner ist jedoch das vom Entwickler selbst bezeichnete „Level-down“ Konzept, welches einen neuen Twist in die altbekannte Souls-like Formel bringen will. Statt nämlich immer stärker zu werden, wird unser Held mit jedem Sieg schwächer. Das kommt daher, da wir an den Monolithen Buße für unsere Sünden tun müssen, was gleichzeitig für einen spielerischen Nachteil sorgt. Diese fallen dabei je nach Todsünde unterschiedlich aus. So verkürzt zum Beispiel die Gier unsere Gesundheits- und Ausdauerleiste dauerhaft, während Faulheit uns beim Aufbrauchen unserer Ausdauer für einige Sekunden komplett zusammenbrechen lässt. Nach dem Besiegen eines Bosses, wird dabei dieser Nachteil aber nicht wieder entfernt, sondern wir müssen ab nun bis zum Ende damit zu recht kommen. Zwar können wir an dem gleichen Stein dies so oft rückgängig machen, wie wir wollen, doch wird somit auch der Champion der Todsünde wiederbelebt. Das Spiel zwingt uns also mit jedem Erfolg auch gleichzeitig eine Niederlage auf, was aus den schon fordernden Kämpfen eine regelrechte Tour de force macht. Somit ist die richtige Reihenfolge, in der wir wann welchen Kampf angehen, der Schlüssel zum Erfolg und erinnert ein wenig an das erste Mal, als man in Dark Souls als unerfahrener Chosen Undead im Firelink Shrine ankommt und noch nicht weiß, welche der drei Wege der Richtige ist.

Doch machen uns die Kämpfe nicht nur das Leben schwer, sondern auch die Steuerung und Kamera, die leider nie so genau zusammenarbeitet, um uns wirklich volle Kontrolle über unseren Charakter zu geben. Technisch hingegen lässt sich aber jedenfalls nicht viel meckern, die Entwickler haben durch den Artstil eine düstere und trostlose Stimmung hinbekommen und dazu läuft der Titel auf der Playstation 4 Pro flüssig im 60 fps Bereich. Beim Sound enttäuscht man aber mit einer Mischung aus uninspirierten Stücken, die man gefühlt schon tausendmal woanders besser gehört hat und nicht wirklich etwas zur Untermalung der Kämpfe beitragen.

Fazit:
Sinner: Sacrifice for Redemption entpuppte sich im Test von einem dreisten Dark Souls-Klon überraschend zu etwas leicht anderem – positiv, wie auch negativ. Der komplette Aufbau mit den Bossen erinnert mehr an Furi und die Idee und Umsetzung des „Level-down“-Konzepts könnte glatt aus einem Fumito Ueda-Spiel sein, um den Spieler indirekt mitzuteilen, dass man vielleicht hier nicht der strahlende Held ist. Doch fehlt dem Titel neben diesen zwei eigenen Zutaten auch etwas, was gerade die Soulsborne-Reihe so ausmacht. Nämlich die Spannung, wenn man nicht weiß, was einem hinter der nächsten Ecke erwartet. Ein Geheimnis, eine Abkürzung oder doch eine tödliche Falle? Da wir uns hier ausschließlich von einem Endgegner zum Nächsten kämpfen, fällt dies leider komplett weg und damit einer der Eckpfeiler, die für mich persönlich gerade die Action-RPG-Titel von From Software so besonders machen. Dazu bleibt die Story trotz einer ähnlich bruchstückhaften Präsentation leider recht uninteressant, da hier ebenso das komplette Zusammenspiel aus Monologen von NPCs, Gegenstandsbeschreibungen und Environmental Storytelling fehlt. So bleibt Sinner: Sacrifice for Redemption ein Souls-like mit guten Bosskämpfen, mehr aber nicht.

Für wen das absolut kein Problem ist, den erwartet ein recht anspruchsvolles Action-Rollenspiel, welches je nach eigenen Fähigkeiten einen fünf bis zu zehn Stunden beschäftigen sollte. Zusätzlich kann man hier Publisher Another Indie loben, da sie den Titel mit einem Grundpreis von 18,99 € fair anbieten.

Sinner: Sacrifice for Redemption erscheint am 18. Oktober für Playstation 4, Switch und Xbox One. Eine PC-Version soll gegen Ende des Jahres erscheinen. Getestet wurde die Playstation 4 Pro Version.

(getestet von Dr. Para)