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Im Test: Shin Megami Tensei III: Nocturne HD Remaster (PC, PS4, Switch)

Das Erreichen des 18. Lebensjahres ist immer etwas Besonderes. Trinken von hochprozentigem Alkohol, rauchen in der Öffentlichkeit, alleine mit dem Auto fahren, Verträge abschließen, alles ist plötzlich möglich und legal. Für das legendäre JRPG Shin Megami Tensei III: Nocturne öffnen sich diese Möglichkeiten nun mit der Volljährigkeit nicht unbedingt, aber dafür findet der Titel in Form eines HD-Remaster endlich seinen Weg auf aktuelle Hardware. Bye bye Playstation 2 und Hallo PC, Playstation 4 und Switch! Wir sind der Einladung natürlich gefolgt und haben Dämonen bekämpft und für unsere Seite gewonnen, sind Etagen nach Etage in Dungeons abgelaufen und haben dem großartigen Soundtrack gelauscht. Ob sich die Neuauflage für Kenner und auch Neulinge lohnt, erfahrt ihr bei uns im Test.

Eigentlich wollten wir mit unseren beiden Klassenkameraden Chiaki Hayasaka und Isamu Nitta nur unsere gemeinsame Lehrerin Yuko Takao im Krankenhaus besuchen, doch in der Klinik angekommen, wird schnell klar, dass etwas nicht stimmen kann. Weder das Klinikpersonal, noch Patienten durchstreifen die Gänge des Gebäudes und auch die Betten sind allesamt leer. Als wir dann endlich auf Takao treffen, hat sie keine guten Nachrichten für ihre Schüler parat. Das Ende der Welt steht nämlich kurz bevor und nur im Krankenhaus ist man sicher vor den Folgen des Untergangs. Freunde, Familie, alle werden nicht mehr da sein, wenn man danach den eigenen Fuß vor die Tür setzt. Als wäre das nicht genug, verwandelt uns Luzifer persönlich in einen Halb-Dämonen, der mit der Kraft ausgestattet ist, nicht nur in der neuen Welt zu überleben, sondern vor allem sie auch zu formen.

In Shin Megami Tensei III: Nocturne streifen wir durch das postapokalyptische Tokio, auf der Suche nach Antworten, Verbündeten und vor allem nach mehr Macht, denn diese ist auf unserer Reise bitternötig. Zum Glück sind wir aber nicht alleine, denn wie in den Shin Megami Tensei-Ablegern davor und danach (genauso wie auch in der mittlerweile beliebteren Spin-off Reihe Persona) sammeln und fusionieren wir allerlei verschiedene Dämonen, die mit uns an unserer Seite kämpfen. Statt auf einer klassischen Party mit festen Mitgliedern zu setzen, die vom Spiel vorgeschrieben sind, können wir uns fast jeden Dämonen im Spiel in den rundenbasierten Kämpfen an unsere Seite stellen. Damit wir aber Verstärkungen bekommen, müssen wir sie erstmal für unsere Sache gewinnen. Wie und ob hängt von der Herkunft, dem Geschlecht und der Zugehörigkeit unseres Gegenübers ab. Während die meisten niedrigen Dämonen zum Beispiel nach Geld und Gegenständen aus sind, verlangen höhere Wesen die passende Antwort auf eine meist philosophische Frage. Welche Antwort da die richtige ist, liegt dann auch wiederum nicht in unsere Hand, sondern am Dämon selbst. Manche wollen die offensichtlich richtige Antwort hören, andere sind davon eher gelangweilt und lehnen ab.

Als Halb-Dämonen sind wir natürlich nicht wehrlos und dank den Magatamas sind wir in der Lage eine Vielzahl an verschiedenen Skills zu erlernen. Vorausgesetzt, wir finden und meistern die insgesamt 25 Edelsteine, die es teilweise in Shops zu kaufen gibt, aber auch als Belohnungen durch bestimmte Bosskämpfe und Aufgaben winken. Jeder Magatama deckt dabei ein unterschiedliches Set an Stat-Boni und Fähigkeiten ab, die wir mit unseren Level-Aufstiegen nach und nach freischalten. Aber egal ob Magatama oder Dämonen, alles dient uns in erster Linie einer Sache: am Leben zu bleiben. Wie bereits angesprochen, ist Nocturne kein Spiel, welches den Spieler in Zuckerwatte einpackt und an die Hand nimmt. Nein, es ist ein Videospiel aus dem Jahre 2003 und gerade JRPGs aus der Zeit konnten schon mal eher von der sperrigen Natur sein. Das wird euch vor allem dann auffallen, wenn ihr zum Beispiel gerade frisch von Persona 5 kommt und nun mit Nocturne euren ersten Abstecher ins Shin Megami Tensei-Universum erleben wollt. Nicht nur erfordern die Kämpfe an sich ein höheres Aufmerksamkeitsvermögen, sondern das gesamte Spiel. Viel wird nicht erklärt, wie die Welt funktioniert müssen wir uns selber zusammenreimen und eigene Notizen sollte man besser auch nebenbei anfertigen, denn selbst ein Questlog ist hier fehl am Platz.

Das sowas 2003 noch nicht berücksichtigt wurde, ist nicht wirklich überraschend, aber ein HD-Remaster bietet eben nicht nur die Möglichkeit einen Titel optisch aufzufrischen, sondern auch mit einigen „Quality of life“-Verbesserungen zugänglicher für eine neue Generation an Spielern zu machen, ohne dabei natürlich das Erlebnis des Originals zu verwässern. Die neue Version von Nocturne bietet hier zwar sogar die eine oder andere größere QoL-Verbesserung, wie z.B. jeder Zeit seinen Spielstand sichern zu können, doch wäre gleichzeitig ein optionaler Turbo-Modus, der die Spielgeschwindigkeit um 2x oder 4x erhöht, das perfekte Mittel, um die dann doch recht langen Dungeons zu verkürzen. Gerade weil dieses Feature mittlerweile in einigen japanischen Rollenspielen und Remaster zu finden ist, wie u.a. Final Fantasy oder The Legend of Heroes: Trails of Cold Steel.

Um interessierte Neulinge nicht komplett abzuschrecken, erhält das HD Remaster durch einen kostenlosen DLC den neuen Schwierigkeitsgrad „Gnädig“, der deutlich unter Normal anzusiedeln ist. Um ehrlich zu sein, fühlt sich der Schwierigkeitsgrad schon mehr wie cheaten an, denn selbst wichtigere Bosskämpfe lassen sich hier mit reinen stumpfen Angriffen in wenigen Runden ins Nirwana schicken, ohne das wir dafür irgendwelche Taktiken einfallen lassen müssen. Wer also wirklich nur die Geschichte hinter Nocturne erleben will, ohne sich dabei Gedanken über das aufleveln seiner Dämonen zu machen, hat hier endlich die Gelegenheit dazu.

Kommen wir zur technischen Seite, die bei einem HD Remaster natürlich besonders interessant ist, denn schließlich benötigt ein Titel von 2003 mehr Aufwand, um modern wirken, als eins von 2013.

Nicht nur wurde die Auflösung hochgedreht und auf ein 16:9 Format gesetzt, sondern wurden alte 3D-Modelle gegen neue ausgetauscht und Hintergründen hat man ebenso größtenteils ein Update verpasst. Die PS2-Herkunft bleibt trotzdem weiterhin unverkennbar, doch erblüht der Titel in einem etwas aufgefrischten und dennoch authentischen Look, ohne das die Nostalgie verloren geht. Einziges wirkliches Markel ist die alte Framerate-Beschränkung, die selbst auf dem PC immer noch bei 30fps liegt. An der Audiofront kann man wohl den größten Unterschied verkünden, denn zum ersten Mal wurde Nocturne komplett mit japanischen und auch englischen Sprechern vertont, was gerade bei der Inszenierung der Zwischensequenzen einen riesigen Unterschied macht. Unverändert und zeitlos ist hingegen der Soundtrack aus der Feder der Atlus-Komponisten Shoji Meguro, Kenichi Tsuchiya und Toshiko Tasaki, der durch seinen Mix aus dunklen Orgelklängen, Lo-Fi Rock-Stücken und hypnotischen Technobangern die Endzeit-Stimmung von Nocturne perfekt einfängt. 

Fazit:
Auch wenn das HD-Remaster von Shin Megami Tensei III: Nocturne nicht jeden Wunsch auf meiner “Sollte ein Remaster unbedingt haben“-Liste erfüllt, ist es dennoch ein Sieg für die Videospiellandschaft, dass dieser Titel endlich seinen Weg auf aktuelle Hardware gefunden hat. Denn Nocturne ist immer noch ein Klassiker des Genres und jeder sollte die Möglichkeit haben, es selber zu erleben. Ohne einen faden Beigeschmack kann ich das Fazit aber leider nicht beenden, denn was die Preispolitik angeht, hat hier Atlus dem interessierten Spieler keinen wirkliche Gefallen getan. Mit 49,99€ ist die Standardversion noch einigermaßen fair, aber bei so einem alten Titel eine Deluxe Edition für 69,99€ anzubieten, in dem u.a. der ikonische Gastauftritt von Dante aus Devil May Cry exklusiv enthalten ist, ist ohne Zweifel mehr als fragwürdig und man kann nur hoffen, dass sie bei zukünftigen Neuveröffentlichungen ein besseres Auge dafür haben. Nichtsdestotrotz und egal für welche Version ihr euch entscheidet: Shin Megami Tensei III: Nocturne bleibt weiterhin ein Genre-Klassiker und das HD Remaster darf man getrost als ultimative Version des Spiels betrachten, bei der selbst Neueinsteiger auf ihre Kosten kommen werden.

Shin Megami Tensei III: Nocturne HD Remaster erscheint am 25. Mai für PC, Playstation 4 und Switch. Getestet wurde die Playstation 4.Version auf der Playstation 5 via Abwärtskompatibilität.

(getestet von Para)

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