Im Test: Shadow Tactics: Blades of the Shogun (PC, PS4, XBOX One)

Echtzeit-Taktikspiele von dem Schlag eines Commandos waren um die Jahrtausendwende mehr als beliebt. Als dann das 3D Zeitalter langsam in allen Genres vordrang, verloren die Spiele aber mit jedem neuen Ableger mehr ihre Identität und damit auch das Interesse der Spielerschaft. Die Zeiten waren vorbei und Publisher und Entwickler zogen weiter. Über ein Jahrzehnt später, versucht nun das deutsche Studio Mimimi Productions mit Shadow Tactics: Blades of the Shogun das Genre einen neuen Impuls zu geben, in dem es wieder auf alte Tugenden setzt. Ob die Wiederbelebung erfolgreich war oder das Genre doch lieber im Schatten bleiben soll, erfahrt ihr im Test.

Japan, wir schreiben das Jahr 1615. Der Shogun hat es endlich geschafft, das Land unter seinem Banner zu vereinen. Eine Zeit des Friedens steht an, doch gefällt dies nicht allen und so versucht im Schatten der mysteriöse Kagesama nach und nach das Land wieder ins Chaos zu stürzen.

Da die Identität, sowie sein Aufenthaltsort, ein Geheimnis bleiben, setzt der Shogun auf eine buntgemischte Gruppe, die inoffiziell und vor allem heimlich aus dem Schatten heraus agieren kann, um der anbahnenden Rebellion ein Ende zu bereiten.

In Shadow Tactics übernehmen wir die Kontrolle über genau diese Gruppe, bestehend aus dem Ninja Hayato, der Diebin Yuki, dem Samurai Mugen, der Spionin Aiko und dem Scharfschützen Takuma. Jeder erfüllt dabei einen andere Rolle, mitsamt speziellen Fähigkeiten und verschiedenen Vor- und Nachteilen. Hayato agiert als Ninja perfekt im Schatten, Yuki lockt Gegner in ihre Fallen, Aiko sorgt mit Niespulver und Verkleidungen für Ablenkung, Mugen schaltet mit einem Schwertstreich ganze Patrouillen aus und für Takuma sind selbst weit entfernte Ziele mit seiner Flinte kein Problem.

All diese unterschiedlichen Eigenschaften müssen bedacht kombiniert und eingesetzt werden, da wir nur sehr selten das komplette Team zur Verfügung gestellt bekommen. In den meisten Fällen müssen wir immer wieder mit einer anderen Gruppen-Konstellation auskommen und lernen, wie die einzelnen Kämpfer untereinander am besten funktionieren. Dies sorgt vor allem dafür, dass wir immer wieder umdenken und ausprobieren müssen.

So kann zum Beispiel nur Mugen andere Samurais im Nahkampf besiegen, während sogar Hayato als ausgebildeter Ninja kein Land gegen die gepanzerten Krieger sieht. Fehlt uns Mugen in einer Mission, müssen wir aber nicht komplett verzweifeln, da wir mit ein bisschen Teamplay auch so Samurais aus dem Weg schaffen können. Schwächen wir diese mit einem Schuss aus der Flinte, können auch unsere anderen Kameraden für einen kurzen Moment den angeschossenen Samurai ausschalten. Klingt nicht kompliziert, doch wenn dann, statt einem, plötzlich zwei vor uns stehen haben, ist diese Taktik nicht mehr so einfach umsetzbar. Zum Glück können wir zu jeder Zeit auf den sogenannten Shadow Mode zurückgreifen. Ist dieser aktiv, lassen sich unterschiedliche Aktionen speichern, die dann per Knopfdruck zeitgleich ausgelöst werden. Decken sich Wachen gegenseitig ab? Kein Problem, da wir nun beide im selben Moment aus dem Verkehr ziehen können. Gerade in den kniffligen Situationen sind wir auf dieses Hilfsmittel fast schon angewiesen.

Im Verlaufe des Spiels bereisen wir in 13 Missionen das feudale Japan, die dabei thematisch so gut wie alles abdecken. Wir schleichen uns durch Dörfer, Tempel, Burgen, Reisfelder, Städte, Wälder und sogar Schlachtfelder. Nur Gebäude sehen wir in den folgenden Stunden leider nie von innen, doch auch ohne diese überzeugt das Leveldesign auf ganzer Linie. Optisch, wie auch spielerisch, unterscheiden sie sich nicht nur stark voneinander, sondern haben jeweils ihren eigenen Gameplay-Twist, die nicht selten im ersten Moment eher wie ein Nachteil für uns aussehen. Fußspuren im Schnee verraten uns auch Sekunden später, Schritte in Regenpfützen sind deutlich lauter und Lichtquellen in der Nacht nehmen uns den sicheren Schatten. Doch können wir diese Umstände auch zu unserem Vorteil nutzen. Allgemein fordert Shadow Tactics von uns, dass wir von allem Gebrauch machen, was wir in den jeweiligen Level zur Verfügung gestellt bekommen. Selbst wenn es sich dabei nur um Eiszapfen handeln, die im richtigen Moment zu tödliche Projektile werden können.

Abgesehen von all dem taktischen Tiefgang ist die Steuerung simple in ihrer Form. Auf dem PC befehligen wir unsere Kämpfer per Mausklick an die gewünschten Positionen und lösen die verschiedenen Fähigkeiten über die Tastatur aus. Auf den Konsolen wurde das Ganze etwas anders gelöst: Hier steuern wir die Charaktere ähnlich wie in Diablo 3 direkt über den Analogstick, wodurch auch irgendwie ein anderes Spielgefühl entsteht, welches teilweise eher an die Splinter Cell-Reihe erinnert. Durch ein ausgeklügeltes Button-Layton kann man selbst mit dem Gamepad alle Fähigkeiten oder auch Charakterwechsel schnell und einfach ausführen. Übrigens kann auch die PC-Version mit dieser Variante gespielt werden, vorausgesetzt man besitzt einen Controller.

Inhaltlich und technisch unterscheiden sich die PC- und Konsolenversionen nicht. Das Spiel sieht auf allen Plattformen klasse aus, bietet eine ordentliche Framerate und die Ladezeiten sind auf der PS4 Pro sogar etwas schneller in der PC-Version. Zusätzliche Levels oder gar Spielmodi gibt es in der nachträglich veröffentlichten Konsolenversion auch nicht.

Fazit:
Mimimi Productions liefern hier nicht nur die glorreiche Rückkehr des Commandos Sub-Genre, sondern auch eins der besten Taktikspiele der letzten Jahre ab. Cleveres Design trifft auf hervorragend gebalancte Charaktere und einen vorbildlichen Umfang. Knapp 30 Stunden kann der erste Durchgang dauern und dank Bonuszielen und einem Hardcore Modus ist für Langzeitmotivation gesorgt. Freunde von Taktik- und Stealthspielen kommen um Shadow Tactics: Blade of the Shogun nicht herum! Dank der direkten Steuerung und dem klugen Button-Layout lässt sich das Spiel auch überraschend gut auf der heimischen Konsole zocken.

Shadow Tactics: Blades of the Shogun ist seit dem 19. Dezember 2016 auf GOG und Steam erhältlich. Konsolen-Ports für Playstation 4 und Xbox One sind seit dem 1. August erhältlich. Getestet wurden die Steam- und PS4-Versionen des Spiels.

(getestet von Dr. Para)

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