Im Test: Dragon Ball Z: Kakarot (PC, PS4, One)

Im Jahr 2001 huschte der Nachfolger von Dragon Ball, aus der Feder von Akira Toriyama, erstmalig über die deutschen Fernseher und holte damit spätestens hierzulande auch all diejenigen ab, die Son-Goku auf der Suche nach den Dragon Balls nicht bereits schon als Kind begleitet hatten. Seitdem das Franchise das Licht der Welt erblickt hatte, sind unzählige Videospiele erschienen. Bandai Namco Entertainment bringt nun mit Dragon Ball Z: Kakarot zum ersten Mal ein Action-Rollenspiel, das getreu der Serie folgt und diese komplett abdeckt. Um die Erde vor finsteren Bösewichten zu retten, haben wir uns ebenfalls auf die Suche nach den magischen Kugeln begeben und berichten euch hier, wie diese Reise war.

Bereits viele Jahre ist es her, dass der kleine Son-Goku das Mädchen Bulma kennen lernte, die ihm von der Legende über die Dragon Balls erzählte. Sieben an der Zahl soll es geben. Hat man sie alle gefunden, erfüllt einem der Drache Shenlong einen Wunsch. Ausgerechnet die hübsche Kugel mit den vier Sternen, die einst seinem inzwischen verstorben Großvater gehörte, soll eine dieser besagten Dragon Balls sein, und da nicht nur Bulma über sie Bescheid weiß, stellt die Gier des Menschen Son-Gokus bisher sehr kleine Welt gewaltig auf den Kopf. Unsere Geschichte beginnt, als endlich wieder Frieden in sein Leben eingekehrt ist. Son-Goku, mittlerweile erwachsen und Familienvater, lebt mit dieser zurückgezogen am Rande der Berge. Bei einem Wiedersehen mit seinen alten Freunden taucht ein ungebetener Gast auf, der ein lang verborgenes Geheimnis um Son-Gokus Identität enthüllt und dessen Sohn Son-Gohan entführt. Die Freunde begeben sich auf die bisher gefährlichste Mission ihres Lebens, um den Kleinen zu retten.

Nach dem Spielstart ist bereits ab der ersten Sekunde der einsetzenden Melodie klar, dass tatsächlich das berühmte Intro Cha-La Head-Cha-La aufgehübscht über unserem Bildschirm flimmert und obwohl die japanische Version zu hören ist, wird vielleicht so manch einer sofort feststellen können, dass er nach all den Jahren immer noch textsicher ist. Dadurch angeheizt, ist die Freude umso größer, als wir schließlich zum ersten Mal in Son-Gokus Haut schlüpfen und im wahrsten Sinne des Wortes entweder zu Fuß oder im Flug mit der Überschallwolke Jindujun (und später schließlich ohne die süße Wolke) über die Karte jagen. Vor uns erstreckt sich eine Open World, die aus unterschiedlich gestalteten Arealen besteht. Auf den zweiten Blick stellt man allerdings fest, dass die Areale klein gehalten sind und man schnell deren Grenzen erreicht hat. Jeder Gebietswechsel geht auch mit einigen Sekunden Ladezeit einher und bisweilen muss man hier z.B. gerade auf der Suche nach den Dragon Balls oder innerhalb einer Quest etwas Geduld mitbringen.

Aber keine Sorge, wir sind größtenteils eher mit den Kämpfen beschäftigt, als in den Ladescreens zu hängen, denn immerhin gilt es, Son-Gohan und auch die Erde und ihre Bewohner zu retten. Abhängig von der Geschichte, nehmen wir die Rollen unterschiedlicher Protagonisten ein und erhalten Unterstützung von Nebenfiguren, die wir auch zu unserer Spielfigur machen können. Außerhalb der einzelnen Story-Abschnitte haben wir die Möglichkeit, unsere Hauptfigur und die Gruppe (bestehend aus insgesamt drei Mitgliedern) selbst zusammen zu stellen. Ob nun aber alleine, oder in der Gruppe: Im Kampf explodiert die Welt im wahrsten Sinne des Wortes. Der Boden bebt, Felsen brechen, wir legen mit geschickten Hieben, Kombinationen und Spezial-Attacken alles in Schutt und Asche – allen voran natürlich unsere Gegner. Spätestens ab dem ersten Kamehameha, das in einem eindrucksvollen Strahl über den Bildschirm fetzt, hat man das Gefühl, dass einen nichts und niemand aufhalten kann. Die Kämpfe kosten selbst dem Spieler Kraft, aber das Gameplay fühlt sich gut an. Der Schwierigkeitsgrad stellt dabei für einen keine Herausforderung da, aber auch nur dann, wenn man sich immer regelmäßig mit Tränken eindeckt und in der etwas unübersichtlichen Charakterauswahl seine Fähigkeiten upgradet. Zum Erlernen einiger Attacken ist zudem ein spezielles Training nötig und im späteren Verlauf der Geschichte wird über einen zusätzlichen Trainingsbereich ein weiterer Fähigkeitenbaum freigeschaltet.

Unterstützende Boni kann man zudem in Hülle und Fülle sammeln. Für eine temporäre Verbesserung gibt es die Möglichkeit, sich Zuhause bei Chi-Chi fürstlich bekochen zu lassen oder selbst einen Snack am Lagerfeuer zuzubereiten – jedoch kann man auch dauerhafte Effekte über ein sogenanntes Community-Board erzielen. Bekannte Figuren aus dem Dragon Ball-Universum betrauen euch regelmäßig mit Nebenaufgaben, die zwar wenig Abwechslung bieten, allerdings lohnenswert sind, da man sich in den meisten Fällen nach Abschluss der Quest einen Eintrag der Person auf dem Community-Board sichert, welches in verschiedene Themenbereich unterteilt ist (z.B. Kochen, Training, Erfindung). Durch geschickte Positionierung in der richtigen Kategorie und/oder in Verbindung mit einer speziellen Person, kann man hier noch weitere Zusatzpunkte ergattern. Ebenfalls haben wir hier die Möglichkeit, den Figuren Geschenke zu machen, die zum einen nicht nur deren Fähigkeitspunkte steigern, sondern uns auch durch die Steigerung des Freundschaftslevels Einträge in der mitgelieferten Enzyklopädie des Spiels sichern. Um alte Erinnerungen aufzufrischen, können wir einen genauen Blick in das ausführliche Nachschlagewerk nur ans Herz legen. Über die ganze Karte verteilt, finden sich außerdem auch Erinnerungsfetzen, die liebevoll an Momente aus der Vorgängerserie Dragon Ball gedenken.

Zwar wirkt die hübsche Open World etwas leblos und nicht sehr dynamisch, doch gibt es in dem rund 30-stündigen Abenteuer allerhand zu tun. Wir vernichten jede Menge feindliche Stützpunkte, bekämpfen besonders starke Berserker-Gegner, nehmen an Autorennen teil, sorgen beim Angeln wieder für Entschleunigung und sammeln jede Menge Materialien für Erfindungen, Spezialkugeln für Fähigkeitenupgrades und allen voran natürlich die heißbegehrten Dragon Balls.

Die Performance läuft dabei größtenteils flüssig, allerdings fror auf der PS4 nach einem Gebietswechsel gerne für einige Sekunden das Bild ein. Ansonsten konnten wir lediglich einmalige und verhältnismäßig kleine Bugs beobachten, wie z.B. in einer Quest eine doppelt angezeigte Chi-Chi oder in einem Gruppenkampf eine fehlende Anvisierung des Gegners. Diese Dinge beeinflussten unser Spielerlebnis nicht maßgeblich, denn – wie bereits angedeutet – sind in unseren Augen eher die Ladezeiten und die unübersichtliche Menügestaltung das größte Manko. Letzteres ist eine reine Sache der Gewohnheit, jedoch kann man sich zu Beginn etwas erschlagen fühlen. Es empfiehlt sich einen genauen Blick ins Menü zu werfen, um z.B. den Fähigkeitenbaum des Charakters oder die Attackenauswahl der Unterstützer in der Gruppe nicht zu übersehen. Leider dachten wir auch, dass sich ein Ritt auf Jindujun cooler anfühlen würde. Letzten Endes müssen wir jedoch die Schultertasten des Controllers bedienen, um die Höhen zu steuern – was sich sicherlich über den Stick wesentlich natürlicher angefühlt hätte.

Grafisch ist Dragon Ball Z: Karkarot ein echter Hingucker, wenn auch die Dialogszenen etwas steif wirken. Gerade zu Beginn der Geschichte fanden wir auch den einen oder anderen Schnitt etwas unglücklich gewählt, da viele Emotionen in entscheidenden Szenen verloren gingen, aber spätestens ab dem Ende der ersten Saga stiehlt die Geschichte dem Spiel komplett die Show. Mit Ausnahme der Nebenmissionen ist alles vollständig in englischer und japanischer Sprache vertont und wie das Intro bereits angedeutet hat, begleitet uns natürlich der wunderbare Soundtrack des Animes über das ganze Spiel hinweg.   

Fazit:
Wir können nicht genau erklären, warum das Franchise solche Faszination auf uns ausübt. Vielleicht liegt es an der Nostalgie, vielleicht aber verbirgt sich hinter Dragon Ball Z auch ein wirklich gutes Abenteuer mit sympathischen, großartigen und teilweise auch tragischen Figuren. Eins ist jedoch klar: Son-Gokus Geschichte trägt dieses Spiel, welches selbst nichts wirklich schlecht macht, jedoch würde es wahrscheinlich ohne diese wieder sehr schnell in Vergessenheit geraten. So spaßig das Gameplay auch war, irgendwann beginnt der Moment, in dem man sich plötzlich von einem großen Kampf oder sogar der Open World an sich gestört fühlt und eigentlich nur die nächste Zwischensequenz herbeisehnt. Dabei transportieren die berühmten Schlüsselszenen genau das, was auch der Anime bereits vorgelebt hat. Wir fiebern, leiden, freuen und weinen mit den Figuren, wie wir es auch schon als Kinder taten und spätestens nach diesem Spiel ist man wieder im Dragon Ball-Fieber.

(getestet von Wolke)