Im Test: Black Mirror (PC, PS4, XBOX One)

Im Jahre 2004 durften wir das erste Mal das Geheimnis rund um die Familie Gordon und ihr Anwesen lüften. 13 Jahre später dürfen wir nun im Reboot erneut einen Besuch zum Gordon Anwesen wagen, um aufzuklären, warum sich unser Vater das Leben nahm. Mit im Gepäck haben wir eine tolle Atmosphäre, eine Spielmechanik angelehnt an Telltale Games-Werke und etwas abgeänderte Storyelemente. Warum der Ausflug in ein schauriges Gruselhaus auch seine positiven Seiten haben kann, verraten wir in unserem Test.

Nachdem John Gordon, seines Zeichens Landlord des Black Mirror Castle, sich das Leben unter mysteriösen Umständen genommen hat, ist es an seinem Sohn, die lange Reise von seinem Wohnsitz in Indien Richtung Schottland anzutreten, um in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Er soll der neue Hausherr werden und nutzt die Gelegenheit gleich, um dem Selbstmord auf den Grund zu gehen. Bereits kurz nach unserer Ankunft machen wir Bekanntschaft mit allerlei zwielichtigen Gestalten, die im Hause leben. Sei es der Butler, unsere Großmutter oder andere Familienmitglieder sowie der Anwalt unseres Vaters – alle machen einen trügerischen Ersteindruck auf uns und die Begrüßung in unserem zukünftigen Zuhause ist genau so kalt, wie die Atmosphäre in den alten Mauern. Home sweet home geht anders.

Black Mirror spielt sich wie ein Spiel aus dem Hause Telltale, nur mit höherem, klassischen Adventure-Anteil. Wir bewegen David mit dem linken Stick durch die Kulisse, schwenken mit dem rechten Stick die Kamera in vorgegebene Winkel und nutzen die Tasten für allerlei Interaktion mit der Umgebung. Interaktion ist auch das Hauptaugenmerk des Spiels. Einen Großteil der rund 10 Stunden verbringen wir damit, die Umgebung zu untersuchen. Hier sammeln wir Notizen, Fototeile oder Items ein. Alles was wir finden hat Kontext in der Welt, entweder es erzählt eine kleine Geschichte, wir benötigen es für spätere Rätsel oder es sind Items, die wir brauchen, um in der Geschichte voran zu kommen. Stoßen wir auf ein Rätsel in der Welt so wird’s knifflig. Alle Rätsel sind allerdings mit Logik lösbar und keines hat uns so richtig zu schaffen gemacht. Auch wenn die allgemeine Rätselqualität sehr hoch war, sind die Bremer Entwickler King Art keine Risiken eingegangen und setzen bekannte Rätsel clever in ihrer Welt ein, ohne aber auf Überraschungen zurück zu greifen.

Klingt die Steuerung intuitiv und als würde sie gut von der Hand gehen, so ist die Steuerung auch Black Mirror’s größtes Problem. Sie ist nämlich sehr ungenau und behäbig. Mehr als einmal haben wir uns hoffnungslos im Kreis gedreht, bis wir genau den Winkel gefunden hatten, indem wir ein bestimmtes Item aufheben konnten. Frustrierend wird es, wenn wir eine von David’s Geistervisionen spielen dürfen. Verharren wir zu nahe an den Geistern für einen zu langen Zeitraum, so sterben wir. Da wir manchmal aber mehr mit der Steuerung kämpfen und mehr Furcht haben mal wieder nicht davon zu kommen, erweist sich die Steuerung als gar gruseligstes Element des Spiels. Schade, hier muss dringend nachgebessert werden!

Wo man wiederum kaum die Steuerung benötigt, ist in den Gesprächen. Diese nehmen Adventure-typisch einen Großteil des Spiels ein. Hier habt ihr oft die Möglichkeit, bestimmte Entscheidungen zu treffen. Leider haben diese keine Auswirkungen auf den eigentlichen Spielverlauf, was aber nicht weiter ins Gewicht fällt, da die Story sehr interessant geschrieben ist und die Gespräche gut vertont sind. Es macht Spaß den Charakteren zuzuhören, da die deutsche Synchronisation mit zum Besten gehört, was wir bisher im Adventure-Sektor hatten. Ferner glänzt das Spiel mit unheimlich dichter Atmosphäre, die Beleuchtung ist schlicht Gänsehaut-erregend und in den Zwischensequenzen lassen King Art gerne die Muskeln spielen mit tollen Kameraeinstellungen und -fahrten. Sehr toll in Szene gesetzt.

Fazit:
Gespannt waren wir, wie die Bremer King Art das alte Point-and-Click-Adventure in die Neuzeit heben würden. Die Rätseldichte hätte gerne etwas höher und ausgefallener sein dürfen, aber gestört hat uns das letztendlich nicht, weil die Geschichte Grund genug ist, am Geschehen zu bleiben. King Art beweisen, dass sie inszenatorisch einiges auf dem Kasten haben und eine tolle Geschichte sowie sehr gute Sprecher ein Spiel tragen können. Allein dafür haben wir gerne über die vielen Macken bei der Steuerung hinweggesehen. Ein Blick in den schwarzen Spiegel dürfen daher nicht nur Genrefans wagen. Freunde von toll erzählten Geschichten können uneingeschränkt zugreifen.

(getestet von Frank Johann)

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