Early Access-Test: HellSign (PC)

Vor fast genau zwei Jahren versuchte das Zwei-Mann-Studio Ballistic Interactive ihr paranormales Action-RPG HellSign (früher noch unter dem Namen Hellhunter) über Kickstarter zu finanzieren. Trotz frischer Ideen und einem realistischen Finanzierungsziel, erreichte die Kampagne gerade mal die Hälfte des angestrebten Budgets. Nichtsdestotrotz ließ sich das australische Duo nicht von ihrem Traumprojekt abbringen und veröffentlichen nun ihre Vision eines Rollenspiels als Early Access Titel, welches abseits von Genre-Klischees punkten soll. Australische Folklore statt Fantasy-Königreiche, Geister jagen statt Drachen töten und vor allem das investigative Suchen nach Hinweisen soll HellSign einzigartig machen. Wir haben uns Taschenlampe und EMF-Messgerät geschnappt, um dem ganzen Spuk genauer auf den Grund zu gehen.

Die Kleinstadt Windsor Heights ist auf den ersten Blick ein kleiner beschaulicher Ort in der australischen Provinz, doch seit das alte Ravenhall Manor wieder ihre Türen geöffnet hat, scheint ein Fluch über der Stadt zu liegen. Menschen verschwinden spurlos, wilde Tiere streifen Nachts durch die Straßen und übernatürliche Ereignisse finden fast schon täglich statt. Für uns als angehender Geisterjäger also der perfekte Ort, um unsere ersten Sporen zu verdienen und auch um unsere eigene Vergangenheit aufzuarbeiten. Zehn Jahre ist es nun her, als wir unsere Familie durch den Angriff eines unbekannten Monsters verloren haben und seitdem das sogenannte HellSign auf dem Rücken tragen. Gebrandmarkt durch den Teufel persönlich, liegt es nun an uns die Straßen von Windsor Heights von den Schrecken der Nacht zu säubern und das Geheimnis um das HellSign zu lüften.

In HellSign schlüpfen wir in die Rolle eines Rookies, der sich langsam auf der Karriereleiter als Geisterjäger nach oben arbeiten muss. Dazu verdienen wir Geld für bessere Ausrüstung, erlernen neue Fähigkeiten und vor allem erfahren wir mehr über die verschiedenen Bestien, die Nachts die Vorstädte und das Outback heimsuchen. Zu Beginn des Spiels erstellen wir dafür Rollenspiel-typisch unseren eigenen Charakter und entscheiden uns, neben einen Namen und dem Spielerportrait, auch natürlich für eine von insgesamt neun verschiedenen Klassen. Diese Wahl drängt uns aber nicht eine feste Rolle, sondern dient eher dazu Ausrüstung und Fähigkeiten zum Start des Spiels festzulegen. Gewonnene Erfahrungspunkte können wir danach ganz frei in die vier verschiedenen Talentbäume investieren, die mit Investigation, Waffenkunde, Überleben und List eine Vielzahl an mehr oder weniger hilfreichen Fähigkeiten beinhalten. Um uns diese zu verdienen, müssen wir Jobs erledigen und unseren Ruf als Geisterjäger aufbessern. Aufträge bekommen wir entweder in der lokalen Kneipe, die gleichzeitig der Szenetreff für unseren kompletten Berufsstand ist, oder wir nehmen über die Stadtkarte einer der vielen Notrufe an.

Die aktuelle Version von HellSign verfügt über zwei verschiedene Missionsarten: Auskundschaften und Säubern. Im ersteren geht es in erster Linie darum, dass wir alle Beweise auf paranormale Aktivitäten finden und herausschaffen, während letzteres einzig das komplette Auslöschen aller Monster im Zielgebiet voraussetzt.

Die Aufträge finden dabei in prozedural generierten Leveln statt, die gerade durch ihre nicht vorhandenen Variationen schnell eine gewisse Monotonie auflösen können. Wir bewegen uns immer durch dieselben Einfamilienhäuser, mit viel zu vielen Zimmern, inklusive den immer gleichen Möbeln und Tapeten an den Wänden. Einzig der Grundriss lässt darauf schließen, dass wir nicht immer im gleichen Haus unterwegs waren. Sind wir vor Ort angekommen, steht erstmal der investigative Teil der Geisterjagd auf dem Plan. Wir durchstreifen bewaffnet mit unserer treuen Taschenlampe einen Raum nach dem anderen und setzen dabei allerlei Werkzeuge ein, um dem Übel auf die Schliche zu kommen. Elektromagnetische Felder findet unser EMF-Messgerät, unter Schwarzlicht entdecken wir sonst nicht sichtbare Spuren und ein hochsensibles Abhörgerät fängt fremdartige Geräusche und sogar Stimmen aus dem Jenseits ein. Haben wir alle Beweise zusammen, bestimmen wir mit unserem Cryptonomicon (einem Nachschlagewerk über paranormale Wesen) die Ursache für den ganzen Spuk. Poltergeister, Kelpies, Banshees und andere Schrecken verraten sich dabei durch verschiedene Details, die wir selbstständig bestimmen müssen. Wie verlaufen sich die Blutspuren? Welche Frequenzen fangen wir mit dem Abhörgerät ab? So hinterlassen gerade Poltergeister immer ein regelrechtes Blutbad, um weitere wilde Tiere anzulocken, oder greifen uns direkt mit ihren telepathischen Kräfte an. Haben wir genug zusammen, kombinieren wir diese mit den hinterlegten Informationen aus dem Cryptonomicon und können somit vorbereitet den Kampf gegen das Böse aufnehmen.

Statt aber nun in bester Ghostbusters-Manier mit Protonenstrahlern in die Schlacht zu ziehen, greifen wir in HellSign auf eher realitätsbezogene Mittel. Einfache UV-Strahler und EMP-Minen helfen uns die Monster aus ihren spektralen Verstecken zu locken, während Projektilwaffen wie Pistolen, Schrotflinten, Sturmgewehre und sogar Granaten den Rest erledigen. Zu unserem Nachteil leiden die direkten Konfrontationen unter der ungenauen Steuerung des Spiels. Gerade kleinere Gegnerarten wie Spinnen und Tausendfüßler bewegen sich äußerst flink und sind dazu durch ihre geringe Größe nur schwer zu treffen. Kombiniert man dies mit der Ziel-Mechanik, die von uns verlangt, dass wir mit einem kleinen Fadenkreuz genau in dem Moment auf dem Gegner sind, wenn wir abdrücken, fühlen sich die Auseinandersetzung direkt zu Beginn recht unbefriedigend und streckenweise unfair an. Sterben wir während eines Auftrags, ist dies aber nicht das Ende für uns. Stattdessen erwachen wir kurz darauf wieder in unserem Apartment auf. Auch können wir jeder Zeit während der Missionen zu unserem geparkten Van laufen und notfalls fliehen, was zwar den Auftrag natürlich scheitern lässt, dafür dürfen wir aber alle gefundenen Beweise behalten, die wir wiederum an interessierte Händler verkaufen können. Hier die Situationen richtig einzuschätzen und lieber den eigenen Kragen zu retten, ist nichts für was man sich schämen sollte, sondern gehört zum Alltag eines Geisterjägers.

Als Early Access Titel muss man natürlich die Frage stellen, was denn die Entwickler in den nächsten Monaten bis zur Veröffentlichung der fertigen Fassung so alles vorhaben und zum Glück gibt hier schon einen klaren Einblick. Laut eigener Aussage ist die Basis des Spiels, mit all seinen Mechaniken und Gameplay-Elementen, jetzt schon vollständig. In zukünftigen Updates sollen dabei in erster Linie neue Inhalte anstehen, wie weitere Story-Kapitel, neue Gegnerarten sowie Ausrüstung und eben vor allem mehr Variationen im Level-Design. Gleichzeitig setzt man auch auf den Austausch mit der Community und will auf Vorschläge der Spieler besonders eingehen, wie zum Beispiel den aktuellen technischen Schwierigkeiten des Titels. Nicht nur könnte die Performance gerade auf älteren Systemen besser sein, sondern dauern die Ladezeiten selbst mit einer flotten SSD gefühlt eine halbe Ewigkeit. Abgesehen davon kann HellSign optisch aber überzeugen, zwar nicht durch großartigen Panoramen eines Triple-A Titels, doch haben die Entwickler es trotz der Iso-Perspektive geschafft, eine bedrückende 80er-Horrorfilm-Atmosphäre zu erzeugen, die gerade durch das tolle Sound-Design und dem Carpenter-esken Synthesizer-Soundtrack getragen wird.

Fazit:
Mit HellSign liefert das kleine Studio ein Action-Rollenspiel mit viel Potenzial ab. Das Setting ist unverbraucht, die Atmosphäre erinnert an die guten alten Tage des Horror-Genres und durch die vielen Fähigkeiten und Waffen, die wir nach und nach freischalten, entwickelt sich schnell eine gesunde Motivation weiterzuspielen. Dazu ist der investigative Aspekt hervorragend umgesetzt und bietet mit dem Cryptonomicon überraschend viel Tiefgang. Gleichzeitig sorgen die ungenaue Steuerung, technische Probleme und eben die große Variantenarmut im Level- und Missions-Design für einigen Frust, der uns aktuell noch von Anfang bis Ende begleitet. Ob die Entwickler hier gemeinsam mit der Community schnell ausbessern können, bleibt abzuwarten. Wer sich von all dem jedenfalls nicht abschrecken lässt und das Studio während der laufenden Entwicklung unterstützen will, kann heute schon auf Geisterjagd gehen. Alle anderen sollten eher die finale Vollversion abwarten.

HellSign ist seit dem 9. November für PC als Early Access-Version auf Steam erhältlich. Die Veröffentlichung der Vollversion ist gegen Ende 2019 geplant.

(getestet von Dr. Para)