Early Access-Test: Conglomerate 451

Seien wir ehrlich: Nach der E3 sind alle Augen auf Cyberpunk 2077 gerichtet. Doch bis es soweit ist, dass wir selber unsere Hände an das neuste Rollenspiel von CD Projekt Red anlegen können, servieren uns die italienischen Entwickler von RuneHeads zum richtigen Zeitpunkt mit ihrem dystopischen Dungeon Crawler Conglomerate 451 eine neonlichtdurchflutete Cyberpunk-Alternative. Wir haben uns in die Early Access-Version eingeklinkt, unsere Agenten durch verregnete Straßen gekämpft und erzählen euch im Test, ob ihr mit Conglomerate 451 die Zeit bis Cyberpunk 2077 überbrücken solltet.

Wir schreiben das Jahr 2099, die Stadt Conglomerate steht unter den Machtspielen von korrupten Konzernen, die durch die Zusammenarbeit mit kriminellen Organisationen und Straßenbanden keinen Platz mehr für Recht und Ordnung lassen. Besonders stark getroffen hat es dabei Sektor 451, welches sich täglich immer mehr zum Schlachtfeld der Superreichen entwickelt. Als letzte Maßnahme entsendet die Regierung nun sogenannte Ghost Class Agenten, die auf den Straßen der Bezirke die Machenschaften der Konzerne und Gangs beenden sollen, mit allen möglichen Mitteln und so schnell wie möglich.

In Conglomerate 451 übernehmen wir die Führung einer Agentur für Agenten, deren Hauptziel es ist, korrupte Konzerne aus den Bezirken von Sektor 451 auszuräuchern und damit die Stadt wieder unter Kontrolle der Regierung zu bekommen. Das heißt wir müssen Rekruten ausbilden, Technologien erforschen und Missionen erfolgreich abschließen. Als Erstes brauchen wir dazu ein Team und da wir uns im Jahre 2099 befinden, stellen wir fähiges Personal nicht ein, sondern wir klonen sie frisch aus dem Reagenzglas und erschaffen sie dabei nach unseren Wünschen. Dazu stehen uns Anfangs drei verschiedene Klassen zur Auswahl, die alle mit ihren Vor- und Nachteilen ausgestattet sind. Da hätten wir einmal mit dem Soldier die typische Tank-Klasse, mit dem Drifter eine Mischung aus Schurke und Support und dann wäre da noch der Infiltrator, der dank des Scharfschützengewehrs eine größere Reichweite genießt. Zusätzlich können wir bis zu vier klassenspezifische Fähigkeiten pro Agenten auswählen und sogar ihre DNA mit Mutationen nochmal extra verstärken. Haben wir unser Team zusammen geklont, geht es schon los mit unserer eigentlichen Arbeit. Im Besprechungsraum wählen wir eine Mission aus und schicken bis zu drei Agenten gleichzeitig in den Einsatz. Die Missionstypen erstrecken sich dabei von einfachen Säuberungsaktionen bis hin zum Beschaffen von speziellen Objekten oder Informationen und bieten keine wirklichen Überraschungen.

Im Einsatzgebiet angekommen, bewegen wir unser Team genretypisch in First-Person-Perspektive über eindimensionale Gitter, erkunden die zufallsgenerierten Level, treffen auf feindliche Gruppen und erfüllen unsere Ziele. Kommt es zur Auseinandersetzung, wechselt das Spiel in ein rundenbasiertes Kampfsystem, in dem wir Zug um Zug unsere Fähigkeiten dem Gegner um die Ohren hauen. Wenn noch gegen Straßenbanden einfache Angriffe helfen, sieht es später gegen die Agenten der Konzerne schon ganz anders aus. Hier müssen wir unsere Fähigkeiten gut abstimmen und die Stärken und Schwächen unseres Teams kennen. Doch nicht nur im Kampf müssen wir aufmerksam sein, sondern auch beim Erkunden der Level. Wer abseits des Hauptpfades sucht, wird schnell mit zusätzlichen Gegenständen und Ressourcen belohnt und dann wären da noch Terminals, die wir mit dem passenden Agenten hacken können. In einem kleinen Minispiel suchen wir hier unter Zeitdruck die richtige Zahl in einem Code-Wirrwarr aus Buchstaben und Nummern. Sind wir erfolgreich, dürfen wir aus einem Bonus auswählen und uns somit entweder die komplette Karte aufdecken lassen, verschlossene Türen öffnen oder die Sensoren der Gegner blockieren.

Nach dem erfolgreichen Abschließen eines Einsatzes, erhalten unsere Agenten Erfahrungspunkte und wir Ressourcen und Credits, mit denen wir neue Technologien erforschen können. Keine große Überraschung, aber natürlich gibt es in der Zukunft davon reichlich, so können wir unsere Forschungen im Klonen, dem Heilen und Trainieren unserer Agenten verbessern und neue Cyberkörperteile in Auftrag geben, um unseren Truppen den nötigen Vorsprung zu verschaffen. Dieser ist auch bitter notwendig, denn Gefechte mit dem Feind können für unsere Agenten schnell böse enden. Verletzungen beeinträchtigen sie die komplette Mission über und müssen in der Basis in sogenannten Regeneration Tanks geheilt werden. Kommt es ganz hart und wir verlieren einen oder komplette all drei Agenten, können wir diese zwar wieder erneut klonen, doch fehlt es ihnen an den Erfahrungen der Vorgängerkopie.

Zwar handelt es sich hierbei um kein Technikwunder und auch besitzt der Titel kein herausstechendes Artdesign, doch haben die Entwickler es geschafft, die Cyberpunk-Atmosphäre in den Levels gut umzusetzen. Egal ob verregnete Gassen oder klinisch saubere Bürokomplexe mit asiatischen Touch, es wirkt alles stimmig und wie aus einem Guss. Leider kann man dies aber nicht über den Soundtrack sagen, der durch einen unterdurchschnittlichen Mix aus Techno, Dubstep und Synthwave mehr penetrant und zu monoton klingt.

Da es sich hier um einen Early Access Titel handelt, müssen wir natürlich auch einen Blick in die Zukunft werfen und die Entwickler bieten hier zum Glück direkt eine offizielle Roadmap an, die den geplanten Content bis zur Vollversion auflistet. So erwartet den Spieler bis zur Vollversion im Oktober einige neue Features, wie z.B. ein Schwarzmarkt, neue Arten an Missionen, richtige Bosskämpfe, neue Technologien und Waffen, das Nutzen von Drogen und sogenannte Diplomacy Missions, mit denen wir sicherlich die eine oder andere Partei auf unsere Seite ziehen können.

Fazit:
Mit Conglomerate 451 haben Entwickler RuneHeads einen soliden Dungeon Crawler in petto, der nicht wirklich viel besonders macht, aber funktioniert und interessierte Spieler motivieren kann. Außerdem ist die Roadmap recht klar und die zukünftigen Inhalte sollten das Spielerlebnis nochmal um einiges abrunden. Somit ist der Titel für Fans des Genres und des Settings einen Blick wert. Alle anderen greifen zu besseren Alternativen oder warten, wie sich der Titel in den nächsten Monaten noch weiterentwickelt.

Conglomerate 451 ist seit dem 23. Mai als Early Access Titel auf Steam erhältlich. Die fertige Vollversion soll Oktober 2019 folgen.

(getestet von Dr. Para)