Early Access-Test: 2084 (PC)

Die Idee hinter dem Cyberpunk First-Person Shooter 2084 ist innerhalb einer dreitägigen Gamejam der polnischen Entwicklerschmiede Bloober Team entstanden, die den meisten durch ihre Horror-Adventures Layers of Fear und Observer ein Begriff sein sollten. Der Prototyp kam dabei intern so gut an, dass sie aus dem Konzept nun ein vollwertiges Spiel machen wollen. Was man dafür braucht? Natürlich Zeit und vor allem Geld. Um beides abzusichern, können Interessierte den Titel ab sofort auf Steam als Early Access-Version kaufen und mit ihrem Feedback direkten Einfluss auf die Entwicklung nehmen. Ob sich die Reise ins Jahr 2084 jetzt schon lohnt oder man lieber warten sollte, erfahrt ihr bei uns.

In 2084 schlüpfen wir in die Rolle einer namenlosen Hackerin, die sich in den Cyberspace des Chiron Großkonzerns einklinkt, um eine Verschwörung des ehemaligen Systemadministrators aufzudecken. Dabei nimmt das Netzwerk die physische Gestalt eines Wohnhauskomplexes an, welches Kenner des 2017 veröffentlichten Observer mehr als bekannt vorkommen sollte. Kein Wunder, denn schließlich besteht der Titel komplett aus Assets von vorherigen Werken des Studios. Doch statt uns in den klaustrophobischen Korridoren von einem Schreckensmoment zum Nächsten jagen zu lassen, ballern wir uns hier durch zombieartige Horden an Gegnern, hacken Türen und legen sogar den einen oder anderen Boss. Unser ständiger Begleiter ist dabei unser treues Lasergewehr, welches nicht nur schnell und recht präzise arbeitet, sondern auch so manchen Trick beherrscht. So lassen sich mit dem Sekundärfeuer Granaten verschießen, die gerade bei größeren Massen echte Lebensretter sind und mit Hackdarts übernehmen wir die Kontrolle über entfernte Objekte. Egal ob Displays, Konsolen, Geschütze oder einfache Türsteuerungen, alle paar Meter will irgendwas von uns gehackt werden. Verschießen wir so einen digitalen Dart, müssen wir kurz darauf eine Tastenfolge in wenigen Sekunden korrekt eingeben. Sind wir erfolgreich, werden wir bei speziellen Konsolen mit frischer Gesundheit und Munition belohnt, die zusätzlich dazu auch noch in Nähe befindliche Feinde mit einem Elektroschock lähmen. Gerade in den Kämpfen sollten wir deswegen stets Ausschau nach Möglichkeiten zum hacken halten.

Große Variationen auf der gegnerischen Seite darf man hier aber noch nicht erwarten. Die hirnlosen Massen unterscheiden sich bis jetzt nur in ihren Körperhaltungen und hier und da Größen, aber egal, ob stehend oder hockend, sie bewegen sich immer stur auf uns zu, um uns im Nahkampf zu überrennen. Dabei geht die künstliche Intelligenz nicht gerade clever vor und hat öfters massive Probleme bei der Wegfindung, was dazu führt, dass sie entweder an Ecken hängen bleiben oder sogar auf dem Punkt wieder kehrt machen und sich in eine komplett falsche Richtung bewegen.

Wenn sie uns dann doch mal zu nah auf die Pelle rücken, sorgen wir mit einem Sprung zu den Seiten wieder für Abstand. Leider macht diese Fähigkeit, gerade in den engen Räumlichkeiten des Spiels, eher weniger Sinn und kann sogar für einen Wallglitch sorgen, was zu einem Neustart des Levels führt. Wer mit der einstündigen Kampagne durch ist und noch nicht genug hat, kann sich in einem Arcade Mode gegen unendliche Wellen an Gegner beweisen und sich so einen Platz auf der Highscore Liste verdienen. Hier wechselt der Titel das graue Betonklotz-Setting gegen eine weiträumige und lichtdurchflutete Arena, die auch endlich genug Platz bietet, um unsere Ausweichfähigkeit richtig nutzen zu können.

Wie bei jedem Early Access-Titel, muss man natürlich auch bei 2084 die Frage stellen, was man denn überhaupt in naher Zukunft an Updates erwarten kann und hier sind die Entwickler, die bereits mit Layers of Fear schon Erfahrungen mit dem Early Access-Modell sammeln konnten, recht offen und beschönigen nichts. Das Spiel ist aktuell ein Prototyp, welches sie zum vollständigen Erlebnis ausbauen wollen und dies kann eben bis zu zwei Jahren dauern. Eine lange Zeit, die das Team mit einem konstanten Nachschub an neuen Content überbrücken wollen. Mehr Waffen, Level, neue Gegner und eine Überarbeitung des Kern-Gameplays sollen u.a. folgen. Zusätzlich wollen sie vor allem mit der Community zusammenarbeiten und auf Feedback hören, was zum Teil auch einen Einfluss auf die Ausrichtung von 2084 haben wird. Ein größerer Fokus auf die Kampagne oder den Arcade Mode soll zum Beispiel dadurch entschieden werden.

Fazit:
Mit 2084 wagt sich Bloober Team bzw. Feardemic (so nennt sich das interne Team innerhalb Bloober, welches sich um 2084 kümmert) zu neuen Ufern. Weg vom Horror, hin zur schnellen First-Person Shooter Action. Dass dieses Experiment nicht komplett reibungslos funktioniert, merkt man aber aktuell noch an zu vielen Stellen. Das Gunplay fühlt sich flach an, eine K.I. ist nicht vorhanden, die Performance bricht öfters mal bei größeren Massen ein und durch das Leveldesign können wir noch nicht einmal das komplette Movement des Spiels nutzen. Doch steckt hinter der durchschnittlichen Umsetzung immer noch eine interessante Idee, die in den nächsten Jahren zu etwas richtig guten reifen könnte, dazwischen liebt allerdings noch viel Arbeit. Wer das Studio auf diesem Weg unterstützen will und auf Cyberpunk steht, kann jetzt schon ins Netzwerk eintauchen. Man muss sich eben bewusst sein, dass es sich hier um einen Prototyp handelt. Alle anderen sehen sich den Titel nochmal in zwei Jahren an, wenn neben dem guten Konzept, auch ein gutes Spiel steht.

2084 ist seit dem 13. Dezember 2018 auf Steam als Early Access Titel erhältlich.

(getestet von Dr. Para)