Im Test: YIIK: A Postmodern RPG (Switch, Steam, PS4)

Der Titel des Debüts der AckkStudios könnte nicht verwirrender und gleichzeitig treffender sein. YIIK (ausgesprochen Y-2-K) – A Post-Modern RPG verbindet postmoderne Kunst, eine surreale Ästhetik und abgehobene Meta-Welten, mit dem klassisch japanischen Rollenspielformat und bodenständigen Alltagsdramen. Ob dieser ungewöhnliche Mix aufgeht, erfahrt ihr in unserem Test. 

 

YIIK ist nicht das erste Spiel seiner Art. Bereits 1989 brach Nintendo alle damaligen und zukünftigen Traditionen japanischer Rollenspiele mit dem Kultklassiker Mother und dem bekannteren Nachfolger Earthbound. In diesen JRPGs rettet man keine von Monstern besiedelte Fantasywelt vor dem ultimativen Bösen, sondern erlebt eine geerdete Geschichte in einer amerikanischen Kleinstadt, die zunehmend ins Paranormale abdriftet.

YIIK fußt auf genauer dieser Designidee. Wir spielen Alex, einen frischen College-Absolventen, der nach dem Studium im Jahr 1999 in seine ruhige Heimatstadt zurückkehrt. Noch bevor er sich entspannt zurücklehnen kann, findet er sich in außerweltlichen Umständen wieder. Menschen verschwinden, im Internet kursieren mysteriöse Verschwörungstheorien und übernatürliche Phänomene lauern hinter jeder Ecke.

Während das Spiel dem Titel treu immer wieder in die surreale Postmoderne findet, versprüht es durchgängig eine heimische Bodenständigkeit. Die Dramen dieser Geschichte sind überwiegend persönlicher Natur, drehen sich um Liebesbeziehungen, Freundschaft, Verlust und unsere Gesellschaft. YIIK gibt sich sehr direkt und menschlich, oftmals nachdenklich und philosophisch. Das könnte manchmal etwas subtiler in die Geschichte eingebettet werden, aber gleichzeitig profitiert YIIK auch von diesem forcierten Charme der Hipster-Kultur, die das Spiel nicht zu leugnen versucht.

Auf der Bühne des bizarren Szenarios spielt sich mechanisch ein konventionelles Rollenspiel alter Schule ab. Wir formen eine Party aus vier Charakteren, hauptsächlich College-Studenten und anderen jungen Erwachsenen, jeder von ihnen mit einzigartigen Fähigkeiten. Alex nutzt beispielweise einen Plattenspieler als Waffe, mit dem er seine Gegner einschlafen lassen kann, sein alter Schulfreund Michael hingegen eine analoge Kamera, die mit verwackelten Fotos das Selbstbewusstsein seiner Feinde erschüttert und ihnen so kontinuierlich Schaden zufügt.

Die Kämpfe laufen rundenbasiert ab, aber jede Aktion wird von einem Reaktionsspiel begleitet. Letztendlich drücken wir zur rechten Zeit die richtige Taste und erhöhen so unsere Defensive oder verketten Angriffe zu Combos. Es ist zwar möglich im begrenzten Rahmen die Zeit zu verlangsamen, um diese Echtzeitaktionen zu vereinfachen, generell hatte ich aber selten das Gefühl das Kampfsystem ausreichend zu kontrollieren. Einige Quick Time Events sind lächerlich einfach und haben großen Einfluss, andere sind frustrierend schwer und haben wenig Auswirkung. Und leider wirkt auch der rundenbasierte Teil schlecht ausbalanciert. Für einige Charaktere habe ich keinerlei Nutzen gefunden, während andere mit Standardangriffen im Alleingang zum Sieg verhelfen.

Es hilft auch nicht, dass man sich schnell in der Situation finden kann, unterlevelt zu sein und dann erst einmal Erfahrungspunkte grinden muss. Ein Relikt aus der Vergangenheit, das keine Nostalgie retten kann. Ganz besonders nicht, wenn auch unbedeutende Gegner zäh sind und anspruchslose Kämpfe gerne in die Länge ziehen. Und selbst das Levelsystem, bei dem man in einen sogenannten Mind Dungeon gehen muss, um seine Attribute zu erhöhen, ist unnötig sperrig und wenig intuitiv. Fans klassischer JRPGs werden trotzdem ihren Spaß haben. Die Präsentation der Gefechte ist schräg und unterhaltsam, das Gegnerdesign bringt einen mit aggressiven Hillbillys und schlagfertigen Ninjakröten schnell zum Schmunzeln, und kritische Treffer nach geglückten Comboketten erhöhen nicht nur den zugefügten Schaden, sondern auch den Spielspaß wie eh und je.

Was aber das Spiel herausstechen lässt, ist das ungewöhnliche Art Design, das das Bekannte, Herkömmliche mit dem Fantastischen, Surrealen verbindet. Wir erkunden eine vorörtliche Wohnwagensiedlung, während am Himmel eine unförmige Gottheit auf uns herabsieht. In einem Moment stehen wir vor einer verlassenen Fabrik, im nächsten erschlägt uns mit ihrer überwältigenden Opulenz eine mystische Pyramide. Begleitet wird das alles von einem stimmigen Soundtrack unterschiedlicher Künstler von renommierten, traditionsreichen japanischen Komponisten bis hin zu progressiven, modernen Produzenten elektronischer Musik.

Es ist nicht immer klar, ob die Schwächen in der Technik beabsichtigt sind, um die Cheesiness der 90er besser einzufangen oder ob sie einem geringen Budget geschuldet sind. Es ist jedenfalls ein Auf und Ab zwischen erinnerungswürdigen, interessant inszenierten Momenten und amateurhaften Szenen. Nicht jeder wird etwas mit dem Stil des Spiels anfangen können, aber als Kind der 90er traf YIIK bei mir oft den richtigen Nerv in diesem über 20-stündigen Abenteuer.

Fazit:
Auf den Pfaden von Mother bzw. Earthbound strahlt auch YIIK – A Post-Modern RPG eine Faszination aus, die sich nicht von einem offensichtlich makelhaften rundenbasierten Kampfsystem brechen lässt. Dafür ist das Szenario audiovisuell und inhaltlich mit seiner Mischung aus bodenständigen, persönlichen Schicksalen und surrealer, postmoderner Mystery viel zu frisch und fesselnd. Wer mit dem geistigen Vater Earthbound und der spirituellen Cousine Undertale etwas anfangen kann, sollte auch hier trotz einiger Schwächen einen Blick auf dieses sehr unjapanische JRPG werfen.

(getestet von eape)