Im Test: World War Z (PC, PS4, One)

Vor fast zehn Jahren veröffentlichte Valve den letzten Left 4 Dead-Teil. Seitdem warten Zombies-Fans in aller Welt vergeblich auf einen neuen Ableger der Reihe. Zum Glück veröffentlichten Focus Home Interactive und Saber Interactive mit World War Z nun eine ernstzunehmende Alternative auf Basis der gleichnamigen Film- und Buchvorlage. Wir haben diesen Überraschungshit für euch getestet.

Im Mittelpunkt von World War Z steht der Story-Modus, welcher die Geschichte von vier verschiedenen Gruppen in vier unterschiedlichen Städten (New York, Jerusalem, Moskau und Tokio) erzählt. Während die New Yorker-Gruppe einfach nur aus der Stadt fliehen will, gilt es in Jerusalem einen Wissenschaftler zu retten, in Moskau einen geheimen Kreml-Bunker zu finden und in Tokio als freiwilliger Such- und Rettungsdienst bei der Evakuierung der Bevölkerung zu helfen.

Spielerisch haben sich die Entwickler dabei zum Großteil an der Left 4 Dead-Reihe bedient. Statt aus der First-Person-Sicht ballert man sich hier jedoch aus der Third-Person-Sicht durch die Levels. Jede Gruppe besteht aus vier Mitgliedern, die wahlweise aus Bots oder eben menschlichen Mitspielern im Online-Koop besteht. Die Zombiehorden stehen in World War Z aber ähnlich wie im gleichnamigen Film deutlicher im Fokus und stellen auch eine weitaus größere Gefahr dar. Dank der Swarm-Engine bekommt man es mit mehreren Hundert Zombies gleichzeitig zu tun, die nicht nur rennen können, sondern auch gegenseitig aneinander hoch klettern, um höhere Ebenen zu erreichen. Zudem gibt es auch hier einige Spezial-Zombies, die uns zusätzlich zu den riesigen Horden das Leben erschweren. Bullen sind gut gepanzert und richten viel Schaden an, Schreier locken noch mehr Zombies an, Creeper überraschen uns aus dem Hinterhalt und Hazmats hinterlassen eine gefährliche Giftwolke. Glücklicherweise können wir im Kampf gegen die Zombies nicht nur auf unser Waffenarsenal, sondern auch Geschütztürme, Stacheldraht, Elektrofallen oder Minen zurückgreifen. Mit C4-Sprengstoff können wir geheime Türen öffnen, die uns mit Waffen, Munition, Healthpacks oder weiteren Items belohnen.

Im Gegensatz zu Left 4 Dead bietet World War Z ein sehr motivierendes Klassen- und Upgrade-System. Im Spiel stehen uns die Klassen Revolverheld, Höllenfürst, Schlitzer, Arzt, Bastler und Schädlingsbekämpfer zur Verfügung. Während der Revolverheld auf Schusswaffen und der Schlitzer auf Nahkampfwaffen spezialisiert ist, kennt sich der Höllenfürst natürlich mit Sprengstoff aus und der Arzt ist besonders gut darin, seine Mitspieler wiederzubeleben bzw. zu heilen. Alle Klassen können im Spiel zudem im Level aufsteigen, wodurch sich nützliche Perks freischalten lassen. Gleichzeitig kann aber auch jede Waffe aus dem ohnehin schon sehr umfangreichen Waffenarsenal aufgelevelt werden. Hier kann man mit den gesammelten Erfahrungspunkten dann bessere Modelle der jeweiligen Waffen freischalten, die über mehr Präzision, Schaden oder Handling verfügen. Insgesamt eine wirklich tolle Bereicherung, die für wesentlich mehr Motivation sorgt.

Die Spieldauer des Story-Modus stellt den größten Schwachpunkt von World War Z dar. Die vier Kapitel sind bereits nach rund fünf Stunden absolviert und man wird mit dem Verlangen nach mehr Inhalten zurückgelassen. Glücklicherweise laden das Level- und Upgrade-System sowie mehrere Schwierigkeitsgrade aber zu vielen weiteren Durchgängen ein. Ebenso haben die Entwickler bereits einen kostenlosen DLC mit neuem Content angekündigt. Außerdem wird das Spiel zum geringen Preis von knapp 40 Euro angeboten, was letztlich ein mehr als fairer Preis ist.

Neben dem kooperativen Story-Modus bietet World War Z aber auch noch einen sogenannten PvPvZ-Modus. Zwei Gruppen kämpfen in bekannten Modi wie beispielsweise Capture the Flag gegeneinander, werden aber beide zusätzlich auch von den Zombie-Horden bedroht. Diese sind zwar nicht so bedrohlich wie in der Kampagne, stellen aber dennoch eine Gefahr dar, die Einfluss auf den Sieg der Partie hat.

Technisch kann sich World War Z wirklich sehen lassen. Speziell die Darstellung der Zombiehorden mit mehreren Hundert Gegnern ist beeindruckend und glücklicherweise muss auch nie die Framerate darunter leiden. Auch die abwechslungsreichen Schauplätze zählen zu den optischen Hightlights des Spiels und sowohl was die Animationen, Texturqualität, Spezialeffekte oder auch die Soundeffekte betrifft, macht das Spiel einen ordentlichen Job. Die Qualität eines Tripple-A-Titels wird hier zwar nicht erreicht, für einen Budget-Titel kann man sich hier aber nicht beschweren. Störend waren hingegen nur einige Fehler in der getesteten PS4-Version. Einige Male kam es zu Abstürzen oder nicht korrekten Abschlüssen der Missionen, wodurch man diese wiederholen musste, um die begehrten Trophäen zu erhalten. Inzwischen wurden die Fehler aber dank der Updates weitestgehend behoben.

Fazit:
Ich habe ehrlich gesagt von Anfang an mit einer unterdurchschnittlichen Lizenzversoftung gerechnet und wurde letztlich so positiv überrascht, wie schon lange nicht mehr. World War Z ist ein sehr spaßiger Zombie-Shooter aus der Third-Person-Sicht geworden, der mit seinen riesigen Zombiehorden, einem motivierenden Klassen/Upgrade-System sowie abwechslungsreichen Schauplätzen und einer soliden Präsentation punkten kann. Lediglich die geringe Spieldauer des Story-Modus und die geringe Abwechslung bei den Spezial-Zombies trüben den positiven Gesamteindruck ein wenig. Trotzdem: Wer auf der Suche nach einer Alternative zu Left 4 Dead ist, kommt eigentlich um einen Kauf des Spiels nicht herum!