Im Test: Tokyo Tattoo Girls (Steam, Vita)

Tattoos haben eine schwierige Geschichte in Japan. Und das macht auch ihre Sogwirkung aus. Besonders wenn die Körperkunst japanische Frauen schmückt. Tokyo Tattoo Girls ist sich dem bewusst und transferiert das Ganze in ein Strategiespiel für Playstation Vita und den PC. In unserem Test erfahrt ihr, ob die Mädels nicht nur Tokyo, sondern auch unser Herz erobern können.

Machen wir uns nichts vor. Hört man den Titel Tokyo Tattoo Girls, hat das bereits seinen Reiz. Und bevor man auch nur daran denkt, welche abgefahrenen Gameplayideen aus dem Pazifik hinter diesem Spiel stecken, sind es sexy japanische Animecharaktere mit Badass-Tattoos, die unser Interesse wecken.

Und die gibt es hier auch. Japan ist zerrüttet und die 23 Stadtteile werden von unterschiedlichen Clans regiert, die für Ordnung sorgen. Wir wählen eins von sechs leicht bekleideten Mädels aus, das dazu bestimmt wurde, die Distrikte einzunehmen und Tokyo wieder zu vereinen. Dafür suchen wir Unterstützung im Volk und nutzen die verborgene Kraft der Tattoos, um unseren Machteinfluss zu steigern.

Klingt abstrus und ist es auch. Und zusätzlich enttäuscht, dass diese an den Haaren herbeigezogene Geschichte lediglich unterirdischen Gameplay rechtfertigt. Wir beobachten auf einer Karte wie die Stadtteile erst gelb und dann rot werden. Dieser Zustand gibt die Stabilität des Distrikts wieder. Wird er zu hoch, kommt es zu Konflikten, die uns Ehre kosten. Haben wir keine Ehre mehr, ist das Spiel verloren. Um dagegen anzukämpfen erobern wir das Land langsam und kaufen Punks und Clan-Frauen, die die jetzigen Herrscher stürzen.

Das alles passiert überwiegend automatisch. Wir sind die meiste Zeit damit beschäftigt auf die Bezirke zu klicken, bei denen ein Symbol aufleuchtet, um Geld einzusacken oder einen Konflikt zu lösen. Ansonsten nutzen wir im Menü unsere Fähigkeiten, um mehr Punks und Clanfrauen einzusetzen oder den Alarmierungszustand zu senken. Ab und an kommt es zu Clankriegen oder die Bosse des jeweiligen Bezirks fordern uns zum Duell heraus. Letztere haben sogar einen kurzen, schwachsinnigen Dialog zwischen den tätowierten Damen. Der Ausgang dieser Konflikte bedient den Zufall, wobei ich mir nicht sicher bin, ob man die Duelle überhaupt verlieren kann.

Ach, die Tattoos? Wir können gegen Geld auch unsere gewählte Protagonistin tätowieren. Das verleiht ihr mehr Fähigkeiten und mehr Einfluss auf die Bevölkerung. Das alles soll wohl ein Strategiespiel formen. Letztendlich ist es stumpfes, planloses, redundantes Geklicke ohne jeglichen Anspruch. Es wirkt mehr wie ein schlecht programmiertes Smartphonespielchen als ein professionell veröffentlichter Titel.

Dafür sorgt nicht nur das schlecht durchdachte Gameplay, sondern auch die schwache Technik, die kurzum billig wirkt. Es hilft auch nicht, dass ein Durchgang nach ca. einer Stunde bereits die Credits abspult und die Langzeitmotivation darin liegen soll, das Spiel immer und immer wieder durchzuspielen, um Boni für den nächsten Durchgang zu erhalten. Leider stürzte das Spiel auch regelmäßig ab ohne den Fortschritt zu speichern. Und um jede Lust am Spiel verschwinden zu lassen: Die freispielbaren Bilder sind den Aufwand nicht wert.

Fazit:
Ich bin für jeden japanischen Nischentitel in unseren Breitengraden dankbar. Und ich mag tätowierte Frauen wie der nächste Mann. Aber Tokyo Tattoo Girls ist seinen verheißungsvollen Titel nicht wert. Es ist ein anspruchsloses, wirres, laienhaft programmiertes menübasiertes Strategiespiel, das in der Form leider nicht empfehlenswert ist. Wer nicht gerade verzweifelt einen dummen Zeitvertreib für die einstündige Bahnfahrt sucht, wird mit den draufgängerischen Mädels vermutlich nicht glücklich werden.

(getestet von eape)

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