Im Test: This is the Police 2 (Steam)

Im Sommer 2016 veröffentlichten Weappy Studio und Publisher THQ Nordic den Titel This is the Police. Eine Polizei-Simulation, in der wir die Balance zwischen dem Gesetz und der Mafia schaffen mussten. Zwar fand der Titel sein Publikum, doch scheiterte es bei den meisten am eher trockenen Spieldesign und einer Story, die mit altbekannten Krimi-Klischees durchzogen war. Mit dem Nachfolger This is the Police 2 will der Entwickler nun dieses Publikum erweitern, dank einer interessanteren Story, die sich mehr wie Fargo als Law & Order anfühlt und frischen und vor allem interaktiven Gameplay-Elementen. Ob sie dabei erfolgreich waren oder ihr weiterhin vor dem Titel auf der Flucht sein solltet, erfahrt ihr bei uns im Test.

Fast ein Jahr ist nun vergangen, seit der ehemalige Polizeichef Jack Boyd aus seiner Heimatstadt Freeburg fliehen musste. Das Gesetz, für welches er einst Kopf und Kragen riskiert hatte, wie auch die kriminelle Unterwelt, waren ihm gleichermaßen auf den Fersen und das alles nur, weil er einen alten Freund aus einer aussichtslosen Situation helfen wollte.

Die Flucht hat ihn unter neuer Identität nach Sharpwood verschlagen. Eine auf den ersten Blick verschneite Kleinstadtidylle, die ihn als fremden Einsiedler sicherlich in Ruhe lassen würde. Doch kommt eines Abends natürlich alles anderes als geplant und durch einen schicksalshaften Zufall landet Jack schließlich in einer Zelle des Polizeipräsidiums von Sharpwood, welches unter der Leitung von Sheriff Lily Reed steht, die selber erst vor kurzem in diese Position gerutscht und mit allem noch überfordert ist. Beide schließen einen Deal ab: Jack greift Lily als erfahrender Polizeichef unter die Arme und dafür übergibt Lily Jack nicht den Behörden.

Willkommen in Sharpwood, einer Stadt, die weitaus mehr zu bieten hat, als nur Wälder und Schwarzbrennerei.

Wie schon im Vorgänger übernehmen wir in This is the Police 2 die Kontrolle über ein Polizeirevier und haben dabei freie Hand, wie wir das Gesetz vertreten wollen.

Statt der amerikanischen Großstadt Freeburg verschlägt es uns mit Sharpwood eher in die ländliche Gegend. Wer aber nun denkt, dass es hier außer ein paar betrunkenenen Hinterwäldlern oder randalierenden Jugendlichen nichts zu verhaften gibt, irrt sich gewaltig. In den meisten Tagen haben wir es mit mehr Verbrechen zu tun, als wir Polizisten zur Verfügung stehen haben. Wer hier eine saubere Kriminalstatistik führen will, muss sich entscheiden, welcher Notruf unsere Beachtung verdient hat und welcher nicht.

Zwar sind es meistens alles Verbrechen, doch steckt hinter jedem ein kleineres oder größeres Problem, welches von uns berücksichtigt werden muss. Kleinere Delikte, wie zum Beispiel Ruhestörungen oder das unerlaubte Betreten von Privatgelände sind zwar eindeutig illegal, aber stehen hier in der Regel keine Menschenleben auf dem Spiel. Morddrohungen, Geiselnahmen oder Misshandlungen hingegen können schnell tödlich enden und sollten immer vorderste Priorität haben. Hier abzuwägen, ob sich der Einsatz lohnt oder wir unsere Polizisten doch lieber für das nächste Verbrechen aufsparen sollten, ist der beste Weg, um eine lange und anstrengende Schicht zu überstehen.

Das zweite Problem, mit welchen wir uns ständig auseinandersetzen müssen, sind unsere eigenen Polizisten. Dieser buntgemischte Haufen trägt zwar dieselbe Uniform, doch stecken dahinter unterschiedliche Charaktere.

Der eine ist Alkoholiker und kommt jeden Tag vollgetankt zur Arbeit, ein Kollege kann dank eines Traumas in aus Kindheit keinen Schlagstock benutzen und dann hätten wir natürlich noch die Rassisten und Sexisten in der Truppe, die absolut nicht mit einer Person auf Streife gehen wollen, die gegen ihr Weltbild verstoßen. Während wir im Vorgänger noch so schwierige Personen einfach feuern konnten, steht uns diese Möglichkeit im Nachfolger nicht mehr zur Verfügung. Wer jedoch die Charaktereigenschaften besser in den Dienst einbinden kann, verdient sich den Respekt der jeweiligen Beamten, die dafür nach und nach ihre negativen Macken ablegen und sich sogar von ihren Vorurteilen und Ängsten trennen können.

Doch kann dieser Respekt auch schnell wieder verloren gehen, wenn wir sie doppelte Schichten einlegen oder Arbeiten verrichten lassen, die in ihren Augen keinen Wert hat. Vor allem, wenn um es die Freizeit geht, stellen unsere Mitarbeiter hohe Anforderungen und bitten regelmäßig um einen Urlaubstag. Wie bei den Notrufen müssen wir hier entscheiden, ob der Ausfall notwendig ist oder nicht. Nicht jeder Polizist braucht mal einen Tag, um Zeit für seinen Lieblingsroman zu haben, doch sollte man sie auch nicht von der geliebten Großmutter im Sterbebett abhalten.

Haben wir unsere Polizisten unter Kontrolle und unsere Prioritäten im Bezug auf die Kriminalität im Auge, können wir nicht mehr viel falsch machen. Notruf annehmen, Anforderungen checken und die passenden Beamten auf den Weg schicken. Vor Ort entscheiden wir dann per Textfenster über das nähere Vorgehen. Sollen wir die wütende Hausfrau im Supermarkt eher versuchen mit Worten zu beschwichtigen oder direkt die Lage mit einem gezielten Taserschuss beenden? Der Weg zur erfolgreichen Verhaftung ist mehr wie ein Puzzle aufgebaut, welches in erster Linie logisches Denken erfordert. Eine ältere Person wird einen Angriff mit einem Elektroschocker eher nicht überstehen und schwerbewaffnete Räuber werden sich nicht von einem einfachen „Freeze!“ beeindrucken lassen. Jede Aktion führt dabei einen Skill-Check aus, der herausfindet, ob unsere Polizisten für die jeweilige Entscheidung überhaupt gut genug ist. Ein Deputy mit einem hohen Wert bei Verhandlungen kann einen Verdächtigen schnell zur Vernunft bringen, flieht aber dieser kurz darauf, sollten wir auch einen guten Läufer oder notfalls Schützen dabei haben.

Bei größeren Einsätzen verzichtet das Spiel auf Textfelder und wechselt zu einem XCOM-artigen Spielmodus, der uns direkte Kontrolle über das Geschehen gibt. In diesem schicken wir Runde für Runde unsere verfügbaren Polizisten über Felder, lassen sie hinter Deckung gehen, knacken Schlösser, überrumpeln Verbrecher oder setzen, wenn es gar nicht mehr anders geht, tödlichen Mitteln ein. Wer hier nun aber die direkte Konfrontation erhofft, wird recht schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Schleichen statt Schießen heißt die Devise, wenn wir nicht einen großen Teil unserer Mannschaft in Leichensäcken sehen wollen. Zusätzlich zum leiseren Vorgehen müssen wir die einzelnen Fähigkeiten unserer Beamten auch clever einsetzen und kombinieren. Nicht jeder kann ein Schloss knacken oder einen Zaun hochklettern, weswegen wir uns erst einmal einen Überblick über das Gelände verschaffen sollten, bevor wir Türen auftreten. Nichtsdestotrotz, egal wie gut wir vorbereitet sind, hier und da werden uns diese Einsätze neben Menschenleben auch einige Nerven kosten. Scheinbar ist sich der Entwickler auch darüber selber bewusst, weswegen wir fehlgeschlagene Missionen ohne Strafen wiederholen dürfen. Wer jedoch mit den Konsequenzen leben will, kann dies auch tun.

Am Ende jeden Tages verdienen wir durch unsere Leistungen Dosenringe, diese dienen symbolisch als Währung, mit der wir neue Beamte und Ausrüstung für das Präsidium erwerben können. Diese Ringe können aber genauso schnell wieder verloren gehen, wenn wir zu viele Notrufe ignorieren, Verbrecher ziehen lassen oder vor allem wenn Polizisten und Zivilisten während unserer Schicht sterben.

Schaffen wir es, drei Tage hintereinander nicht mehr Ringe zu gewinnen, als zu verlieren, übergibt uns Sheriff Reed den Behörden und Jack Boyd’s Ausflug nach Sharpwood endet im Knast. Doch hängt nicht nur Reed uns im Nacken, sondern auch alte Bekannte aus Freeburg, die ohne ihr wöchentliches Schweigegeld uns ebenso ans Messer liefern. Neben der Polizeiarbeit muss also auch Kohle her und das nicht in geringen Mengen.

Landen wir mal in einer Sackgasse ohne Auswege, müssen wir nicht komplett verzweifeln, da wir die Geschichte an jedem vergangenen Tag noch einmal wiederholen können. Alle Ereignisse und Notrufe finden dabei immer fest an bestimmten Tagen und Uhrzeiten statt, weswegen wir dies zu unserem Vorteil nutzen können. Einzig unsere Polizisten bleiben die große Unbekannte in der Rechnung, deren Zustände und Schicksalsschläge werden nämlich immer wieder zufällig ausgewürfelt.

Fazit:
This is the Police 2 macht im direkten Vergleich zum Vorgänger nicht viel anders, aber einiges besser. Gerade wenn es um die Spieltiefe geht, haben die Entwickler von Weappy Studio ein hohes Maß an Feinarbeit abgeliefert, welches gerade Veteranen zu schätzen wissen werden. Gleichzeitig bringen diese Freiheiten aber leider auch mehr Frustration mit sich. Gerade das Respektieren unserer Person und all den kleinen Wehwehchen, unter denen unser Personal leidet, fühlt sich manchmal etwas zu viel an und kann über die Spielzeit von ca. 20 Stunden zu einigen Situationen führen, bei denen wir völlig machtlos einen herben Schlag nach dem anderen schlucken müssen. Während dies für einige als neue Herausforderung angesehen werden kann, wird es alle anderen schnell abschrecken. Ein Jammer, denn die spannende Story, mitsamt den interessanten Charakteren und dem großartigen Low Poly Vector-Artstil, hätten den Titel sonst zu einem erstklassigen Noir Crime Drama-Erlebnis gemacht. Fans des Vorgängers werden trotzdem ihren Spaß haben, Neulinge brauchen sich jedoch erstmal keine Gedanken über den Titel machen.

This is the Police 2 ist seit dem 31. Juli 2018 für PC via Steam und GOG erhältlich. Portierungen für Playstation 4, Switch und Xbox One sind noch für dieses Jahr geplant.

(getestet von Dr. Para)