Im Test: The Town of Light (PC, PS4, XBOX One)

Die schrecklichsten Geschichten sind immer noch die, die nicht fiktiv sind. Ende des 19. Jahrhunderts eröffnete das Ospedale Psichiatrico di Volterra, eine Nervenheilanstalt mitten im Herzen der Toskana. Was zu Beginn noch ein Paradies für die moderne Medizin war, entwickelte sich mit den Jahren immer mehr zu einem Gefängnis für die Patienten. Knapp hundert Jahre später schloss die italienische Regierung die Anstalt und beendete damit ein dunkles Kapitel. The Town of Light basiert auf wahren Ereignissen, die sich in Volterra zugetragen haben. Hier gab es keine Monster, nur Menschen, die anderen Menschen großes Leid zugefügt haben.

The Town of Light erzählt die Leidensgeschichte von Renée, einem jungen Mädchen, die mit sechzehn Jahren von ihrer Mutter in Volterra eingewiesen wird. Die Ärzte sind ratlos, Schizophrenie, Angst- und Schuldzustände plagen sie. Aus Tage werden Jahre, Demütigungen, sexuelle Übergriffe und die unmenschlichen Zustände der Klinik berauben ihr nicht nur ihrer Jugend, sondern auch den letzten Verstand. Jahrzehnte später, aus Renée ist mittlerweile eine alte Frau geworden, stellt sie sich ihrer Vergangenheit und besucht die mittlerweile geschlossene und zerfallende Anstalt, um Antworten auf die Fragen zu finden, die sie damals so stark verdrängt hat.

In den folgenden drei Stunden erkunden wir Volterra ausgiebig und erleben in spielbaren Rückblenden hautnah, was unsere Hauptfigur alles über sich ergehen lassen musste. Wie auch bei anderen Vertretern des Walking-Simulator-Genres, fallen hier die Gameplay-Mechaniken eher flach aus. Wir bewegen uns im Schritttempo von Raum zu Raum, interagieren mit Türen und Schubladen, sammeln Fotos auf und lesen uns Dokumente, Briefe und Notizen durch. An besonderen Momenten, gerade wenn Renée etwas über ihre Vergangenheit erfährt, nehmen wir durch verschiedene Antwortmöglichkeiten Einfluss auf ihre geistige Verfassung. Je nachdem wie wir ihr dabei antworten, nimmt dies auch Einfluss auf den Verlauf der Kapitel, was wiederum andere Geheimnisse lüftet. Wer also die ganze Wahrheit erfahren will, wird das Spiel öfters durchspielen müssen.

Technisch reißt The Town of Light keine Bäume aus, liefert aber einen soliden Gesamteindruck ab, der gerade durch die glaubwürdige Architektur der Räumlichkeiten getragen wird. Farbe blättert von den Wänden, Bauschutt liegt überall verteilt und Fenster und Türen sind befallen von Rost. Untermalt wird dies mit einer atmosphärischen Soundkulisse, die sich Anfangs noch stark zurück hält, aber mit jeder Erinnerung mehr in den Vordergrund rückt.

Fazit:
The Town of Light ist wahrlich kein einfacher Titel zum Spielen. Die Erlebnisse von Renée sind erschreckend intim und beschäftigen einen auch außerhalb des eigentlich Spielerlebnisses. Hier steht, wie bei so vielen Walking-Simulatoren, die Geschichte im Fokus und trotzdem schafft es das italienische Indie Studio LKA, dem Spieler mit einigen Verzweigungen im Spiel einen überraschenden Wiederspielwert zu bieten. Freunde des Genres mit einem starken Magen haben mit The Town of Light einen Titel vor sich, der sich gleichzeitig so bekannt, aber auch so neu anfühlt.

The Town of Light ist seit dem 06. Juni 2017 für PC, Playstation 4 und Xbox One erhältlich. Getestet wurde die PC Version.

(getestet von Dr. Para)

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