Im Test: Supraland (PC)

Revolte im Sandkasten! Die Blauen haben den Brunnen sabotiert! In diesem Mix aus Portal, Zelda und Metroid lösen wir allerlei Rätsel, stärken unseren Charakter durch Upgrades und verkloppen Monster. Ob sich ein Besuch im Sandkasten lohnt, klärt unser Test.

Wie ein finsterer Overlord überblickt der aus unserer Sicht fast hochhaushohe Junge den Sandkasten, sein Reich. Das von ihm erstellte, verteufelte Labyrinth gespickt mit allerlei Rätseln, Schaltern und Geheimnissen. Zwischen seinen Finger hält er ein rotes Strichmännchen, welches er behutsam auf seinen angedachten Platz setzt. Uns.

Als Held einer Rasse von roten Strichmännchen ist es an uns, den bösartigen blauen Strichmännchen einen Strich durch die Rechnung zu machen. Nach einem Sabotageakt der Blauen werden wir damit beauftragt, die Prinzessin der Roten auf ihrem Weg zum Dorf der Blauen zu begleiten. Aber es ist nicht einfach nur eine Reise von Punkt A nach Punkt B. Zwischen uns und unserem Ziel liegen Rätsel und Geheimnisse an jeder Ecke, um neue Bereiche zu erreichen, benötigen wir neue Fähigkeiten, neue Fähigkeiten bekommen wir entweder direkt vom Händler für Münzen, die wir praktisch an jeder Ecke im Sandkasten finden, oder aus Truhen nach erfolgreich abgeschlossenen Rätseln.

Viele der freigeschalteten Upgrades dienen dazu, weitere Rätsel in der Welt von Supraland zu lösen. So ist zum Beispiel der Lila Kubus, den wir recht früh im Spiel freischalten, ein steter Begleiter auf der rund 20 stündigen Reise. Kurz darauf finden wir auch schon eine Waffe, die Samus‘ Blaster ähnelt. So bietet Supraland immer massig Abwechslung im Spielablauf und im Rätseldesign.

Die Rätsel sind clever durchdacht und abwechslungsreich und reichen vom Finden eines bestimmten Schalters bis hin zu leichten Geschicklichkeitspassagen, in denen wir den Lila Block auf einer bestimmten Stelle positionieren, nur um ihn dann mit unserer Pistole in einen Abgrund zu schicken, wo er dann den nächsten Schalter trifft. Gefühlt vergehen keine 5 Meter, ohne dass man etwas zum Knobeln findet. Sollte man mal nicht weiterkommen, ist das nicht weiter schlimm. Der Sandkasten ist komplett frei begehbar und manche Dinge lasse sich nunmal erst mit dem richtigen Upgrade lösen.

Die Welt von Supraland schlägt gekonnt eine gute Balance aus Exploration und dem Lösen von Rätseln. Abseits der Wege gibt es eine ganze Menge zu entdecken. So finden wir mehr als einmal Popkultur-Referenzen, die uns zum Schmunzeln bringen sowie Upgrades an Orten, die wir vielleicht so nicht erwartet hätten. Witzig auch, dass wir von vielen dieser Begegnungen kleine Souvenirs mit nach Hause bringen können, die wir dann im heimischen Regal ausstellen. Wer wollte nicht schon immer mal Indiana Jones‘ Hut sein Eigen nennen?

Grafisch präsentiert sich Supraland stark dank Einsatz der Unreal Engine. Mit clever eingesetzten Effekten entsteht immer ein „kleiner“ Look, sprich alles um einen herum wirkt überdimensioniert groß, und dank gut eingesetzter Schärfentiefe, kommen wir uns manchmal noch kleiner vor, als wir ohnehin schon sind. Technisch ist Supraland, abgesehen von dem eigenwilligen Artdesign, absolut tadellos umgesetzt. Der Soundtrack ist unaufdringlich und angenehm, fällt aber leider zu selten wirklich positiv auf, um herauszustechen. Im Gesamtbild wirkt Supraland rund, durchdacht und stimmig.

Fazit:
Supraland ist ein Kleinod unter den Indie-Rätselgames. Das Rätseldesign ist pfiffig, das Leveldesign clever und das Gameplay facetten- und abwechslungsreich. Jedem geneigten Spieler legen wir diesen Geheimtipp direkt ans Herz. Wir werden mit Sicherheit noch mehr als einmal zu diesem Spiel zurückkommen. Spätestens zur diesjährigen Game of the Year-Wahl werden wir wohl noch einmal auf einen Besuch im Sandkasten vorbeischauen.

(getestet von Frank Johann)