Im Test: Stygian: Reign of the Old Ones (PC)

Angesiedelt im Chulhu-Cosmos, will Stygian: Reign of the Old Ones den Spieler in die mysteriös groteske Welt von H.P. Lovecraft entführen. Das Point-and-Click-Rollenspiel mit rundenbasierten Kämpfen hat viele Stärken aber auch ebenso viele Schwächen. Was den geneigten Spieler in den rund 15 Stunden Spielzeit erwartet, erfahrt ihr in unserem Test.

Eins sollte vorweggesagt sein: Adrenalin-Junkies werden bei Stygian kaum auf ihre Kosten kommen. Stygian ist gewollt ruhig, es gibt massig Text zu lesen und die Präsentation ist größenteils sehr statisch, was dem hanggezeichneten Stil sehr zu Gute kommt. Bereits in den ersten Minuten wird klar, wie gut Entwickler Cultic Games die Lovecraft’sche Stimmung in Bild und Ton eingefangen hat. Wer schonmal mit dem Cthulhu-Mythos in Kontakt gekommen ist, wird sich hier direkt heimisch fühlen.  Die Atmosphäre stellt gleichzeitig einen der wohl größten Pluspunkte des Titels dar. Stygian schreit geradezu danach, mit einem guten Glas Rotwein oder Tee konsumiert zu werden. Der Ablauf des Titels ist dermaßen gemütlich, dass man sich fast schon in eine Decke einpacken und ein gutes Buch lesen will. Denn fernab davon ist Stygian nicht. Eine Vertonung sucht man vergebens und so liest man sich von Textbox zu Textbox, von Enzyklopädie-Eintrag zu Enzyklopädie-Eintrag. Genreüblich sollte man viel Lust am Lesen mitbringen für diesen Titel. Auch wenn es manchmal so anmutet, ist Stygian jedoch kein interaktives Buch, genügend Gameplay hat es auch im Gepäck.

Die Charakterarchetypen sind angenehm abwechslungsreich, vom alternden Detective hin zum begabten Alchemisten, Stygian verfügt über eine breitgefächerte Bandbreite an Charakteroptionen, die das Rollenspielerherz hüpfen lassen. Gespielt wird in Stygian recht klassisch, mit dem Linksklick bewegen wir uns durch die statischen Kartenabschnitte, sprechen mit allerlei Charakteren, lösen Quests und hin und wieder kommt es zum Kampf. Das Backtracking ist eines der größten Probleme von Stygian. Einen Großteil der Spielzeit schaut man seiner Party zu, wie sie von links nach rechts oder von rechts nach links auf den Kartenabschnitten laufen. Das kann schon mal zur Geduldsprobe werden, wenn wir zum xten Mal denselben Abschnitt in aller Herrgottsruhe durchqueren.

Kommt es mal zum Kampf, bietet Stygian ein recht überschaubares Rundenkampfsystem, wie man es aus den meisten CRPGs kennt. Abwechselnd beharken sich Feind und Partymember, bis eine der beiden Seiten gewinnt. Taktische Optionen sind vorhanden, so kann man zum Beispiel Deckung nehmen hinter verschiedenen Objekten. Schade allerdings, dass das Tutorial zum Kampfsystem so spärlich ausfällt. Viele Aspekte muss man sich selbst zusammenreimen oder dank Vorwissen aus anderen Titeln des Genres anwenden. Man merkt deutlich, dass das Kampfsystem nicht das Hauptaugenmerk bei der Entwicklung war.

Der Kern des Spiels ist eindeutig dessen Geschichte und die Geschichte, der Charaktere, die wir spielen. Rollenspieler dürfen sich auf viele passende Gesprächsoptionen freuen, die selten nur schwarz oder weiss sind. Hier wird nicht offensichtlich, welche Antwort zu welchem Archetypen passt und die Quests können je nach Verlauf der Gespräche unterschiedliche Wendungen nehmen. Interessant wird auch der allgemeine Wahnsinn der Spielwelt dargestellt. Der Spieler kann teils dem Wahnsinn verfallen und so öffnen sich neue Wege.

Fazit:
Stygian: Reign of the Old Ones ist ein Spiel für Fans des Cthulhu-Mythos. Wer von H.P. Lovecraft einfach nicht genug kriegen kann, wird sich hier wohl fühlen. Geneigte Rollenspieler schauen sich jedoch vielleicht nach anderen Alternativen um. Das Kampfsystem ist zweckmäßig und der Spielablauf teilweise haarsträubend langsam und gemütlich. Vielleicht gar etwas zu gemütlich für unseren Geschmack. Schade, denn Story, Atmosphäre und Soundkulisse wissen zu gefallen. Letzten Endes ein im Ansatz gutes, aber unterentwickeltes RPG.

(getestet von Frank Johann)