Im Test: Semblance (PC, Switch)

Wo andere Platformer einen konkreten Weg durch das Level vorgeben und genau zu befolgende Wege und Aktionen vom Spieler verlangen, stellt Semblance den Spieler vor neue Herausforderungen. Seine Welt sowie den Protagonisten kann und muss man verformen, um diese zauberhafte Welt von der Korruption zu befreien, die sie befallen hat. Man quetscht, verformt und deformiert Spielwelt und Spielfigur in diesem Knobelspaß der Extraklasse.

Das Ziel von Semblance ist schnell erklärt: Als kleiner Blob-artiger Knetball mit Augen ist es an euch, in verschiedenen Leveln Orbs zu sammeln, welche die Welt von der Korruption befreien. Jedes Level verfügt über mehrere Orbs, die nur durch das Lösen kleinerer Rätsel einsammelbar sind. Der Kniff hierbei: Die Welt lässt sich fast vollständig nach eurem Geschmack deformieren. Seht ihr eine dunkle Stelle, könnt ihr mit einem Stampfsprung in alle Richtungen das Terrain anpassen. Ausbeulen, ein Treppchen bauen, Laserstrahlen blockieren, hochgelegene Punkte schaffen, um so tödliche Fallen zu überspringen – das Rästeldesign ist clever und vielseitig, bietet meist allerdings nur einen Weg, wie man die Rätsel lösen kann. Oftmals ist die Lösung aber nicht klar ersichtlich und man knobelt mehrere Minuten, um des Rätsels Lösung zu finden.

So limitiert das Bewegungsrepertoire des Knetballs auch ist, so vielseitig lässt es sich einsetzen. Im Grunde beherrscht die Spielfigur nur vier Manöver. Springen, einen Dash in alle Richtungen, mit dem sich die Welt verformen lässt sowie die Möglichkeit, sich durch schmale Ritzen zu pressen. Zu guter Letzt kann man per Tastendruck die Welt in näherer Umgebung zurücksetzen. Auch das muss in den Rätseln bedacht werden. Das Rätselkonzept ist unheimlich gut durchdacht und bringt frischen Wind ins Genre, da man zu jeder Zeit vor und zurück denken muss.

Ähnlich wie beim Knobelprimus The Witness ist es am Spieler, den eigenen Weg durch die Welt zu finden. Jedes Rätsel kann von Beginn an angegangen werden, es gibt keine Beschränkungen. Das macht es allerdings leicht, sich in der Welt verloren zu fühlen. Da Semblance weder über Kompass noch Karte verfügt, kann die Orientierung ab und an schon schwierig fallen, da die Welt selbst meist recht gleich aussieht.

Technisch bietet Semblance einen stimmigen 2D-Look. Die Geschichte wird größtenteils durch Höhlenmalerei-artige Bilder auf Wänden erzählt und präsentiert sich minimalistisch. Vorder- und Hintergründe sind teilweise animiert und wirken lebendig. Die Soundkulisse sowie die Musik sind passend und begleiten das Spielgeschehen gut, ohne im Knobelalltag zu irritieren.

Fazit:
Die südafrikanischen Entwickler von Nyamakop haben ganz klar eine tolle Idee gehabt und beweisen mit Semblance, dass sie auch das Talent haben, die Idee entsprechend umzusetzen. Semblance ist ein Kleinod unter den vielen Indiespielen, die heutzutage erscheinen. Die Idee hinter dem Spielkonzept ist frisch, die technische Umsetzung stimmig und das Gameplay so eingängig und simpel, wie auch fordernd. Nach ein paar Stunden hat man den Abspann gesehen und ein kurzes, knackiges und einprägsames Abenteuer erlebt. Wir sind gespannt, was Nyamakop als nächstes aus dem Hut zaubern werden. Nach Semblance sollte man das Studio gut im Auge behalten, denn Talent und frische Ideen haben sie definitiv.

(getestet von Frank Johann)