Im Test: Rainswept (PC)

Tiefe Wälder, nebelige Straßen, skurrile Kleinstadtbewohner und ein mysteriöser Mordfall irgendwo im pazifischen Nordwesten. Mit dem Twin-Peaks-esken Mysteryadventure Rainswept veröffentlicht das Ein-Mann-Studio Frostwood Interactive aus Indien ihren ersten Titel und hat dabei unsere volle Aufmerksamkeit. Wir haben uns Trenchcoat und Kirschkuchen geschnappt und haben die Reise ins verschlafene Pineview angetreten. Was wir dabei alles aufgedeckt haben, erfahrt ihr natürlich bei uns im Test.

Die beschauliche Kleinstadtidylle Pineview könnte direkt aus einem Postkartenmotiv entsprungen sein. Majestätische Bergketten charakterisieren das Panorama, dunkelgrüne Wälder bedecken die tiefen Täler und die wilden Flüsse führen direkt in den weiten Pazifik. Der perfekte Ort also, um sein altes Leben hinter sich zu lassen und einen Neubeginn zu starten. Auch Diane und Chris wollten ihrer gemeinsamen Zukunft in Pineview eine Chance geben, doch beendete eine Tragödie all dies in wenigen Sekunden. Im Streit erschießt Chris seine Freundin Diane und richtet danach die Waffe auf sich selbst. Für die örtliche Polizei ein klarer Fall von Ehedrama und auch die Bewohner sind nicht überrascht über die schreckliche Tat, denn schließlich gab es seit der Ankunft des jungen Paares immer wieder Gerüchte um die Außenseiter, die nicht so richtig in die Gemeinde passen wollten. Als jedoch Detective Michael Stone nach Pineview kommt, um den Ermittlern unter die Arme zu greifen, fallen ihm schnell Widersprüche am Tatort auf. Mehr als nur zwei Kugeln wurden abgefeuert und scheinbar war eine dritte Person anwesend. Gemeinsam mit der noch unerfahrenen Polizistin Amy Blunt versucht er das Geheimnis von Diane und Chris zu lüften. Doch während den Ermittlungen holt ihn seine eigene Vergangenheit ein, die ein tiefes Trauma beherbergt.

In Rainswept schlüpfen wir in die Rolle von Detective Stone und haben knapp eine Woche Zeit, um die Wahrheit hinter dem Mordfall aufzudecken. Natürlich gehen wir dabei wie ein richtiger Detective vor. Wir befragen die Bewohner der Kleinstadt, sammeln und kombinieren Beweise und manchmal begehen wir kleine, vielleicht nicht ganz so legale Taten, um an die notwendigen Informationen zu kommen. Dafür stehen uns die Straßen von Pineview komplett offen und wir entscheiden jeden Morgen, mit was wir den Tag starten wollen. Befragen wir Zeugen, nehmen wir den Termin im Leichenschauhaus wahr oder besuchen wir noch einmal den Tatort, um übersehene Spuren zu finden? Dies gibt uns im Verlaufe der Geschichte das Gefühl, dass wir die Ermittlungen wirklich selber steuern können, auch wenn die Entscheidungen hier nicht so tief greifend sind, wie man vielleicht nun denken könnte. Trotzdem verpasst es unserem Vorgehen und damit Stone’s Rolle als Ermittler mehr Gewicht und wirkt somit glaubhafter.

Gameplay-technisch lässt sich der Titel mit klassischen 2D-Point’n’Click-Adventures vergleichen, wenn auch hier mehr der Fokus auf den Dialogoptionen, statt auf den Rätseln liegt. Die geführten Dialoge und gerade die Charakterentwicklungen im Verlaufe der Geschichte sind aber dabei auch direkt der große Pluspunkt von Rainswept. Keiner der Bewohner wirkt eindimensional oder gar direkt durchschaubar, die Dialoge sind spannend und teils sogar recht unterhaltsam geschrieben und durch die überschaubare Spielzeit von drei bis vier Stunden bietet der Titel keine unnötigen Längen.

Etwas abschreckend hingegen wirkt zugegeben die Präsentation, gerade in den ersten Minuten, was aber vor allem an den Flash-Games-artigen Animationen in Verbindung mit den eher unnatürlichen Körperproportionen liegt. Doch verschwindet dieser Eindruck auch relativ schnell wieder, wenn man einmal die dafür teils wunderschönen Hintergründe betrachtet, welche die Kleinstadtidyll-Atmosphäre von Pineview perfekt mit wenigen Mitteln unterstreicht. Ein zusätzliches Lob verdient sich Komponist Micamic, der schon für das 2012 erschienene The Cat Lady einen hervorragenden Job ablieferte und auch hier einen ausgezeichneten und variantenreichen Soundtrack komponiert hat. Egal ob wir durch die nebligen Straßen streifen oder uns gerade in einem Albtraum gefangen finden, die musikalische Untermalung ist in Rainswept auf den Punkt gebracht.

Fazit:
Rainswept ist ein kleines, aber ausgesprochen gutes Mysteryadventure, welches einen von Anfang bis Ende mit Fragen konfrontiert und dabei dem Spieler nie eine offensichtliche Antwort vorkaut. Was wahr ist und was nicht, müssen wir dabei selber herausfinden, was dank des tollen Writings die ganze Geschichte bis zum Schluss spannend macht. Spieler mit Vorlieben für Krimis und ähnlichen Werken werden mit dem Titel ihre Freude haben!

Rainswept ist seit dem 1. Februar 2019 für 9,99 Euro auf Steam erhältlich.

(getestet von Dr. Para)