Im Test: Pyre (PS4, Steam)

Die Entwickler von Supergiant Games haben sich originellen Ideen verschrieben. Nach ihrem postapokalyptischen Action-Game in wolkigen Höhen Bastion und dem Mystery-SciFi-Strategy-RPG Transistor kommt jetzt Pyre, ein Fantasy-Roadtrip, der das Rollenspielgenre mit einer Art Basketball kombiniert. Klingt verrückt? Im Test erfahrt ihr mehr!

Es fühlt sich absolut frisch an. Diese Welt ist noch unerforscht. Im Intro von Pyre sehen wir eine rosa schimmernde Wüste. Seltsame vogelartige Kreaturen schauen auf uns herab, während wir erschöpft im Sand liegen. Ein heiterer Wohnwagen taucht aus dem Nichts auf und drei bedrohliche Gestalten mit archaischen Masken steigen heraus, um uns aufzunehmen. Wir erfahren später, dass es sich um eine Dämonin, einen sprechenden, schnauzbärtigen Hund und einen Grenzsoldaten handelt. Wie wir wurden sie in diese Welt, ins Exil, verbannt. Die Sterne zeigen uns wie wir unsere Freiheit wiedererlangen können. Wir müssen uns bei mystischen Ritualen beweisen.

Diese Rituale sind das Kernelement des Spiels. Hierbei treten zwei Teams à drei Spieler gegeneinander an und versuchen einen Ball ins gegnerische Feuer, den Pyre, zu befördern. Jeder Charakter hat eigene Fähigkeiten, Stärken und Schwächen. Die Dämonin Jodariel ist zwar langsam, hat aber eine besonders mächtige, breite Aura, die sie gegen ihre Gegenspieler feuern kann. Und befördert sie den Ball in den Pyre, macht sie besonders viele Punkte. Der kleine Vogel Ti’zo ist besonders flink und kann kurzzeitig fliegen um gegnerischen Angriffen auszuweichen. Andere Charaktere bauen defensive Schutzobjekte auf, können sich teleportieren oder buffen ihre Mitspieler. Die Teamkomposition kann dann weiter mit Artefakten und erlernbaren Skills optimiert werden.

Interessant ist es, wie es das Spiel durch seinen unkonventionellen Spielaufbau schafft, unsere Experimentierfreudigkeit anzuregen. Zwischen den Matches erkunden wir die geheimnisvolle Welt Downside und erfahren mehr über ihre Bewohner und ihre Taten, die sie ins Exil beförderten. Dabei schafft es das Spiel mit seiner ungewöhnlichen, bunten, aber doch ernsten Art, uns Freund und Feind ins Herz schließen zu lassen. Gewinnen wir ein Finalspiel, dürfen wir als unfreiwilliger Teamchef einem Teammitglied die Freiheit schenken. Dafür muss er als würdig anerkannt werden, also einige Spiele erfolgreich bestritten haben. Es ist also ratsam mit allen verfügbaren Charakteren geübt zu sein, um dann nur noch entscheiden zu müssen, ob man seinen besten Freunden die lang ersehnte Freiheit gewährt oder sie lieber im Team behält.

Wie auch schon die anderen Spiele von Supergiant Games, ist auch Pyre standardmäßig relativ leicht. Wer eine Herausforderung sucht, kann den Schwierigkeitsgrad hochschrauben und Modifikatoren aktivieren, die dem Gegner einen Vorteil geben und uns mehr Erfahrungspunkte spendieren. Wirklich aufblühen kann das Spiel aber trotzdem erst im Versus-Mode. Hier können wir uns mit anderen menschlichen Spielern messen. Großer Wermutstropfen: Bislang beschränkt sich der Modus aber nur auf einen lokalen Multiplayer. Eine Onlineanbindung hat das Spiel nicht.

Es tröstet uns allerdings das fantastische, handgezeichnete Art Design, das dem Exil mit viel Farbe, mit putzigen Animationen, interessanten Kreaturen und nicht zuletzt einem großartigen Soundtrack, bestehend aus Instrumental und Vocal Tracks, Leben schenkt. Diese schön ausgearbeitete Welt mit ihrer gelungenen Inszenierung motiviert auch zu weiteren Durchgängen, die mit unterschiedlichen Storyverläufen und Gameplayoptionen auftrumpfen können.

Fazit:
Pyre ist mutig. Es kombiniert zwei Genres mit einem sehr unterschiedlichen Zielpublikum. Fantasy-Rollenspiel und Mannschaftsballsport stoßen sich für gewöhnlich förmlich ab. Dieser facettenreiche Roadtrip mit seinen einprägsamen Charakteren konnte aber selbst mich Sportspielmuffel fesseln und ebnete mir mit viel Liebe zum Detail, mit einer großen Portion Originalität und bewusstem Gamedesign den Weg zum kompetitiven Interesse. Schade, dass man all seine Strategien und Optimierungen nicht in Online-Matches der Feuerprobe unterziehen kann. Aber auch als reines Singleplayer-Abenteuer beweist Supergiant Games wieder einmal die hohe Klasse des Indie-Studios.

(getestet von eape)

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