Im Test: Past Cure (PC, PS4, XBOX One)

Das Berliner Studio Phantom 8 veröffentlicht mit Past Cure seinen ersten Titel und möchte damit direkt zu den Sternen greifen: ein hochpoliertes Third-Person-Action-Stealth Adventure zum halben Preis eine normalen Tripple-A Spiels soll es werden. Ein Konzept, bei dem Ninja Theory im letzten Jahr mit Hellblade: Senua’s Sacrifice eindrucksvoll bewiesen hat, dass kleinere Studios schon lange nicht mehr nur an 16-Bit Pixel Optik bemessen werden sollten. Ob Phantom 8 mit Past Cure einen ähnlichen Kracher abgeliefert hat oder man sich aber doch damit übernommen hat, erfahrt ihr bei uns im Test.

Als unser Hauptcharakter Ian nach seinem letzten Militär-Einsatz entführt wird und drei Jahre später irgendwo auf einer englischen Landstraße wieder aufwacht, ist er ein anderer Mensch. Nicht nur besitzt er keine Erinnerungen mehr daran, was in den letzten Jahren mit ihm passiert ist, sondern verfügt er nun über übermenschliche Fähigkeiten. Geplagt von unerklärlichen Albträumen und Halluzinationen, die ihn immer mehr in den Wahnsinn treiben, versucht er mit seinem Bruder Marcus die Strippenzieher hinter seiner Entführung ausfindig zu machen und damit die Wahrheit ans Licht zu bringen.

Past Cure versteht sich selbst als Hybrid aus Action, Stealth, Thriller und Horror und versucht dies mit unterschiedlichen Gameplay-Mechaniken und Einflüssen unter einen Hut zu bringen.

So kämpfen und schleichen wir uns durch menschliche und auch nicht-menschliche Gegner, lösen Rätsel und sehen vor allem recht viele Cutscenes, die uns in regelmäßigen Abständen immer wieder aus dem Spiel reißen. Dabei scheint die Geschichte in den ersten Minuten voller Mysterien zu stecken und wirft einige interessante Fragen auf. Gerade im Bezug auf die jeweiligen Charaktere und ihre Motivationen. Nur wird diese mit jedem Kapitel immer verwirrender und statt dringende Antworten zu liefern, entgleist die Story im Laufe der gut fünf Stunden Spielzeit nur noch weiter, bis uns ein Ende präsentiert wird, welches uns mit noch mehr offenen Fragen zurücklässt. Dazu ist die Präsentation für die Fülle an Zwischensequenzen recht amateurhaft und wirkt durch die teils fragwürdigen Animationen der Charaktere und den stark auf cool getrimmten Dialogen mehr belustigend statt zu fesseln. Auch der übermäßige Einsatz von Filtern und schwarzen Balken am oberen und unteren Bildschirmrand retten nicht die Ansprüche an einer filmreifen Präsentation, die Past Cure gerne erfüllt hätte.

Diese Schwächen erstrecken sich nicht nur inhaltlich, sondern leider auch, wenn wir uns mit dem Gameplay beschäftigen. Egal ob wir schleichen oder uns ins mitten in einer Schießerei befinden, alles wirkt undynamisch und veraltet. Nehmen wir zum Beispiel die Third-Person-Shooter-Mechanik. Wir bewegen uns von Deckung zu Deckung, warten auf unsere Chance und töten unsere Gegner mit gezielten Schüssen. Zwar verfügen wir auch noch über einen Nahkampfangriff, doch ist dieser in einem Quick-Time-Event verpackt, welcher gleichzeitig nutzlos wird, wenn wir die Tastenfolge nicht korrekt eingeben. Zudem kommen wir für den Faustkampf meistens aus unserer Deckung heraus, was bedeutet, dass wir in den meisten Fällen innerhalb von paar Sekunden zusammengeschossen werden. Kurz gesagt: Nahkampf ist nutzlos, Kopftreffer sind das Ziel zum Erfolg. Damit diese leichter von der Hand gehen, sollten wir ständig eine von Ian’s übernatürlichen Fähigkeiten nutzen, nämlich die Zeitmanipulation, mit der wir in Ruhe unsere Treffer verteilen können. Die zweite Fähigkeit ist dabei weniger im Kampf nützlich, lässt uns aber unseren Körper verlassen, um in einer astralen Form durch die Level zu schweben. Weit kommen wir damit nicht, es reicht aber um die eine oder andere Ecke vorher auszukundschaften. Zwar können wir im Verlaufe des Spiels damit noch einige Schalter aus der Ferne aktiveren, Kameras ausschalten oder sogar in andere Körper schlüpfen, doch handelt es sich dabei um vom Spiel vorgegebene Stellen, die keine wirklichen Auswirkungen auf das eigentliche Gameplay haben.

Wenn wir uns mal nicht durch Gänge ballern, sind wir die meiste Zeit in der Hocke und schleichen uns an unsere Gegner vorbei. Anfangs wird uns als Spieler dies noch als wirkliche Alternative angeboten, für die wir uns entscheiden können, wenn wir wollen. Kurz darauf erzwingt uns das Spiel aber immer dazu und man nimmt uns diese Entscheidungsfreiheit wieder. In diesen Momenten haben wir keine große Wahl außer den wachsamen Augen aus dem Weg zu gehen und auf unsere Chance für einen Angriff aus dem Hinterhalt zu warten. Das Ablenken durch Geräusche oder sonstige Möglichkeiten lässt uns man hier nicht zu, weswegen die Stealth-Passagen eher an die steifen Anfänge des Genres zur Playstation 2-Ära erinnern, als an einen modernen Titel aus dem Jahre 2018.

Das Gefühl einen Titel der vorletzten Generation zu spielen, zieht sich auch durch das Level-Design. Beginnen wir das Spiel noch in einem von Ian’s Albträumen, geht es sehr schnell in eine Mischung aus lieblosen Parkdecks eines Parkhauses und sterilen Hotelzimmern über, die dazu komplett linear aufgebaut sind und nichts abseits des Hauptpfads bieten.

Verschenktes Potenzial, welches man vor allem in einem der letzten Kapitel merkt. Als wir nämlich im späteren Verlauf in einem verlassenen Gefängnis feststecken, verzichtet das Spiel komplett auf feindliche Auseinandersetzungen und rückt Rätsel und Schleichpassagen in den Mittelpunkt. Auch wenn letzteres absolut keinen Segen darstellt und die Rätsel auch nicht unbedingt einen Innovationspreis verdient haben, gelingt es den Entwicklern hier wenigstens eine Atmosphäre zu erschaffen, die dem Versprechen eines Spiels mit Horror-Elementen nahe kommt. Leider bleibt dieses Kapitel eine Ausnahme und wir stürzen uns kurz darauf wieder in sterile Innenräume und damit gleichzeitig wieder in die Monotonie von Past Cure.

Fazit:
Ich hatte Hoffnungen für Past Cure. Zwar keine hohen, aber realistische, die es locker hätte erfüllen können. Doch nach dem ersten Durchgang fällt es mir schwer überhaupt etwas Positives über die erlebten Stunden zu sagen, während sich die negativen Punkte nur so stapeln lassen. Angefangen bei den mehr belustigenden Animationen und Dialogen, bis hin zum komplett veralteten Gameplay, verfehlen die Entwickler ihr selbst gestecktes Ziel nicht nur knapp, sondern um einige Kilometer. Manchmal ist weniger eben mehr und für das nächste Mal sollte sich Phantom 8  vielleicht an einem kleineren und dafür fokussierten Titel versuchen, statt mehre Genres direkt in einen Topf zu werfen, denn Talent für etwas Besseres schlummert sicherlich noch in dem jungen Team. Past Cure war einfach nur der erste, aber falsche Schritt in eine sonst richtige Richtung.

Past Cure ist seit dem 23. Februar für PC, Playstation 4 und Xbox One erhältlich. Getestet wurde die PC Version.

(getestet von Dr. Para)

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