Im Test: Outlast 2 (PC, PS4, XBOX One)

Mit Outlast ist dem jungen Independent-Studio Red Barrels ein großer Wurf gelungen. Als nervenaufreibender First-Person-Horror-Schocker begeisterte das Spiel gleichermaßen Gamer und Presse. Jetzt kommt der langersehnte Nachfolger für PC, PS4 und Xbox One, und wir nahmen all unseren Mut zusammen und servieren euch im Test unsere Erfahrungen.

Outlast 2 nimmt sich wenig Zeit für Vorgeplänkel. Nach dem Start dauert es nur einige wenige entspannte Augenblicke bis der Helikopter, in dem wir sitzen, abstürzt und in Supai bruchlandet, einer isolierten Gemeinde im Grand Canyon. Glück im Unglück, wir wollten hier sowieso hin. Als investigativer Journalist sollten wir den mysteriösen Mord an einer unbekannten Schwangeren untersuchen. Viel geblieben ist uns nach dem Crash aber nicht. Unsere Kollegin und Ehefrau ist verschwunden und retten konnten wir nur den Camcorder.

Als wäre das nicht genug, finden wir uns schnell in einem Dorf voller aggressiver Rednecks, religiöser Fanatiker und verunstalteter Mutanten wieder. Während wir uns also auf der Suche nach unserer Frau unbewaffnet vor all den Gefahren verstecken, an ihnen vorbeischleichen und immer wieder die Beine in die Hand nehmen müssen, holt uns ständig unsere Berufskrankheit ein und wir halten mit der Kamera drauf, wenn sich uns verstörende Bilder und Geheimnisse offenbaren.

Die Videokamera ist dabei ein zentrales Gameplayelement. Sie hilft uns nicht nur dabei die scheinbar unerklärlichen Ereignisse zu ergründen, sie ist auch mit einer Nachtsicht ausgestattet und erleichtert uns die Navigation bei Dunkelheit. Das aktuelle Modell hat als Neuerung gegenüber dem Vorgänger noch einen Sound Detector spendiert bekommen. Damit können wir Gegner durch Wände orten und ihren Dialogen auf Distanz lauschen. Aufpassen müssen wir allerdings auf die Akkuanzeige. Batterien sind in der Spielwelt begrenzt und ohne Saft müssen wir auf das Spielzeug verzichten.

Mit genug Strom bereichern diese Funktionen das Katz-und-Maus-Spiel erheblich. Zusätzlich tragen die größeren und verwinkelten Areale dazu bei, ein dynamischeres Spielerlebnis zu schaffen. Der Vorgänger war in der Hinsicht noch sehr begrenzt und vorhersehbar, spielte sich höchst mechanisch. Outlast 2 ist da fühlbar offener, authentischer und weckt das Gefühl hier wirklich einen sonderbaren Schauplatz zu erkunden.

Die Größe der einzelnen Bereiche, die Vielzahl an Gebäuden, Räumen, Unterschlüpfen, Höhlen, Gassen und Kanälen und nicht zu vergessen besessenen Dorfbewohnern hat aber seine Schattenseite. Selbst mit den hilfreichen Kamerafunktionen ist das Spiel frustrierend unübersichtlich. Anstatt sich also vorsichtig zu orientieren, provoziert es – spätestens nachdem Alarm geschlagen wurde – dazu, wie ein verrücktes Huhn mit einer Horde Gegnern im Nacken durch die Gegend zu rennen und dabei den nächsten Checkpoint zu suchen. Das ist nicht nur stupide, es reißt einen auch schnell aus der sonst tollen ländlichen, bedrohlichen Atmosphäre.

Adrenalinjunkies müssen sich aber dennoch keine Sorgen machen. Wie schon der Erstling ist auch Outlast 2 eine unermüdliche Nervenprobe. Es wechseln sich ständig atmosphärisch dichte Erkundungspassagen mit panischen Fluchtsequenzen, kranken Visionen und brutalen Szenen und schockierenden Jumpscares ab. Durchatmen kann man in dem Spiel nicht. Horrorfans kommen hier voll auf ihre Kosten.

Dazu trägt auch die saubere Technik bei. Graphisch können sich die originellen, abwechslungsreichen Schauplätze durchaus sehen lassen und die Klangkulisse, mit ihrer mal ruhigen, mal hektischen Musik, mit all den natürlichen und unnatürlichen Geräuschen, den Schreien und den winselnden Klagelauten, lässt uns dauerhaft einen Schauer über den Rücken laufen.

Fazit:
Outlast 2 baut stark auf seinem Vorgänger auf, erweitert die Erfahrung allerdings in allen Bereichen und hat damit Erfolg. Die originelle Geschichte reizt zur Erkundung der etwas unübersichtlichen, doch grauenhaft detailverliebt gestalteten Welt, eine Flut an kreativen Ideen ertränkt den Frust des Stealth-Gameplays und übrig bleibt ein so abstoßendes wie anziehendes, reizvolles Gefühl, – die pure Angst.

(getestet von Wladyslaw Oswiecimski)