Im Test: Need for Speed (PS4, XBOX One)

Ohne Frage, die Need for Speed Underground-Teile zählen bei Gamern zu den beliebtesten Teilen der gesamten Reihe. Kein Wunder, dass EA nun mit Need for Speed einen Reboot wagt und an die alten Erfolge anknüpfen will. Ob dies gelungen ist, zeigt der Test.

Im Mittelpunkt von Need for Speed steht ein Story-Modus, der mit zahlreiches echten Filmsequenzen erzählt wird. Als Neuling in der LA nachempfundenen Stadt Ventura Bay steigen wir in die illegale Rennszene ein, treffen jede Menge „coole“ Leute und fahren natürlich schnelle Boliden. Allerdings darf man die Zwischensequenzen nicht ernst nehmen, denn sowohl die Dialoge an sich als auch die Leistung der Schauspieler sind teilweise unfreiwillig komisch, was bei mir persönlich aber zum Unterhaltungswert beigetragen hat. Gewissermaßen bleibt das Spiel damit ja auch seiner Herkunft treu, den bereits der aller erste Need for Speed-Teil enthielt kultige FMV-Sequenzen, an die ich mich gerne zurückerinnere.

In Need for Speed können wir von Beginn an fast die gesamte, offene Karte von Ventura Bay erkunden und uns die Rennevents unserer Wahl aussuchen. Wenn es schnell gehen soll, können wir natürlich eine Teleport-Funktion nutzen, andernfalls fahren wir einfach zum gewünschten Ort/Event. Zwischendurch werden wir auch regelmäßig von unseren Leuten angerufen und zum Beispiel zu neuen Events gelotst. Auf die Dauer gingen mir all diese Anrufe aber eher auf die Nerven.

Spielerisch weiß Need for Speed zu gefallen. Das arcadelastige Fahrverhalten benötigt zwar etwas Eingewöhnung, funktioniert nach einigen Rennen aber super, während es mir vor allem die Tuningoptionen angetan haben. Ähnlich wie in den Underground-Teilen können wir unseren Fuhrpark sowohl in Sachen Optik als auch Leistung nach Belieben tunen. Letzterer ist übrigens ziemlich abwechslungsreich. Von einem alten Golf, über typische asiatische Tuningwagen bis hin zu teuren Ferraris ist hier fast alles dabei, was man sich als illegaler Rennfahrer wünschen würde.

Um Need for Speed spielen zu können, benötigt man leider permanent eine Onlineverbindung. Selbst die Savegames werden auf den Servern gespeichert. Einen klassischen Offline-Modus gibt es also nicht, das gleiche gilt aber leider auch für einen Splitscreen-Modus. Stattdessen werden lediglich Online-Rennen mit bis zu acht Leuten ermöglicht.

Grafisch zählt Need for Speed dank Einsatz der Frostbyte-Engine zu den schönsten Rennspielen. Speziell die Fahrzeuge wurden unglaublich detailliert modelliert und texturiert, aber auch die Umgebung weist einen enormen Detailgrad auf. Schade nur, dass man die Grafikpracht nur bei Nacht (und Regen) genießen kann. Zwar sorgen hier die beeindruckenden Lichteffekte und Reflektionen für einen weiteren Wow-Effekt, aber bei Tag hätte ich mir die Gegend auch liebend gerne angeschaut. Ein weiteres Problem: Ganz Ventura Bay wirkt extrem leblos. Der Verkehr hält sich in Grenzen und abseits der Straße geschieht einfach nichts. Akustisch gibt es dagegen weniger zu kritisieren. Zwar ist der Soundtrack nicht so perfekt ausgewählt, wie eins in Need for Speed Underground, trotzdem passt er aber wunderbar zum Spielgeschehen.

Fazit:
Wer quasi ein Need for Speed Underground 3 erwartet hat, wird bei Need for Speed leider enttäuscht sein. Zwar sind viele Elemente aus den Klassikern vorhanden, aber es wurden einfach zu viele Fehlentscheidungen getroffen, die sich negativ auf den Spielspaß auswirken. Angefangen beim Onlinezwang, der stets düsteren und leblosen Stadt bis hin zur Gummiband-KI gibt es leider viel zu beanstanden. Im Kern verbirgt sich dahinter aber ein gutes Rennspiel, welches vor allem technisch wenig falsch macht. Wer weiß, vielleicht wird EA einige dieser Mankos in kommenden Update beheben? Dann würde ich nämlich zu einer Anschaffung im Angebot raten, falls man der Serie nicht abgeneigt ist.