Im Test: Masquerada: Songs and Shadows (Steam, PS4)

Nach diversen mobilen Strategietiteln präsentierten uns die in Singapur ansässigen „Witching Hour Studios“ Ende letzten Jahres mit Masquerada: Songs and Shadows ihr erstes größeres Projekt. Ein stark auf Story fokussiertes Taktik-RPG in einem frischen Setting mit 3D-Charakteren vor handgezeichneten Hintergründen. Mittlerweile ist nun auch die PS4-Version eingetroffen. Lohnt es sich, dafür unseren Degen aus dem Schrank zu holen?

Magische Masken, mit denen ihre Träger die Macht der Elemente kontrollieren können, haben dem Stadtstaat Ombre (eindeutig inspiriert vom Venedig der Renaissance) die Unabhängigkeit und den Respekt der benachbarten Nationen eingebracht. So eine spontan beschworene Wand aus Feuer schindet eben mächtig Eindruck. Dass die Masken dabei aber nur der herrschenden Oberschicht, der Masquerada, zugänglich waren, kam beim Rest der Bevölkerung nicht gut an. Im spielbaren Prolog ändern wir das also und sind der zündende Funke, der den unvermeidlichen Bürgerkrieg auslöst.

Fünf Jahre später wird unser Protagonist Cicero Gavar, ein ehemaliger „Inspettore“, zurück in die Stadt gerufen, die er einst im Stich gelassen hat. Für eine stattliche Summe soll er einen entführten Gelehrten und alten Freund finden. Dabei trifft er praktischerweise nach und nach vier Partymitglieder – eines für jedes der vier Elemente, deckt eine stadtumspannende Verschwörung auf und erfährt mehr über die Hintergründe der mysteriösen Masken und deren Erschaffer.

Großer Pluspunkt ist dabei die toll ausgearbeitete Spielwelt und deren Geschichte(n). Ein umfangreicher und sich ständig aktualisierender Codex bringt uns Charaktere, Fraktionen und Orte näher. Cicero notiert darin auch regelmäßig seine persönlichen Gedanken zu den Geschehnissen. Gerade zu Beginn übertreibt es das Spiel aber etwas und bombardiert uns im Minutentakt mit italienisch klingenden Fachbegriffen, die wir bei Bedarf nachschlagen können. Wer waren nochmal die Cacciatore?

Die umfangreiche Story führt uns durch die vielen verschiedenen Stadtteile, den Untergrund und diverse Ruinen in und um Ombre. Masquerada ist komplett linear. Wir bewegen unsere Party immer nur zur nächsten gut sichtbaren Markierung und bekommen dann mehr Story in Form von Standbildern und exzellent vertonten Dialogen präsentiert. Erfahrene Voice-Acting-Veteranen wie Matthew Mercer, Jennifer Hale und Robbie Daymond leihen den Charakteren dabei ihre Stimmen. Musik und Gesang spielen eine wichtige Rolle und ersetzen in Ombre sogar die Religion. Der atmosphärische Soundtrack unterstreicht diesen Aspekt zu jeder Zeit passend.

Aber manchmal hilft alles Reden nichts und wir finden uns regelmäßig in pausierbaren Echtzeitkämpfen wieder. Dabei steuern wir einen Charakter direkt. Der Rest wird von der mäßig brauchbaren KI übernommen. Im Pausenmodus können wir aber allen Charakteren in Ruhe Befehle erteilen. Befehlsketten gibt es leider nicht, so dass längere Kämpfe gerne mal in Mikromanagement ausarten können. Über ein simples Taktik-Menü können wir außerdem festlegen, wann bestimmte Attacken automatisch ausgeführt werden sollen. Die wichtigsten Fähigkeiten lösen wir aber trotzdem lieber selbst aus.

Das leicht zugängliche Kampfsystem bietet uns dabei einige Möglichkeiten. Positionierung spielt eine wichtige Rolle und Angriffe von den Seiten oder im Rücken verursachen deutlich mehr Schaden. Außerdem können wir Gegner durch bestimmte Angriffe mit einem Element markieren und dieses dann mit einem zweiten Element auslösen. Widersacher erleiden durch diese Kombinationen zum Beispiel extra Schaden, werden zum Schweigen gebracht oder können sich für ein paar Sekunden nicht bewegen. Der RPG Anteil ist insgesamt aber eher gering ausgefallen. Jeder Charakter kann aus einer Handvoll Fähigkeiten und Masken wählen, die man dann noch mit ein paar Aufwertungen versehen kann.

Fazit:
Wer großen Wert auf eine interessante Story sowie ein detailliertes und unverbrauchtes Spieluniversum legt, bekommt mit Masquerada: Songs and Shadows eine Menge geboten. Die handgezeichneten Hintergründe sind wunderschön. Aufbau und Design des Spiels erinnern stark an den Indie-Darling Transistor – gepaart mit klassischen Bioware-Einflüssen. Der Umfang ist mit ca. 15 Stunden sehr ordentlich, die hochwertige (englische) Vertonung ist bei einem Projekt dieser Größe fast schon Referenz und die Kämpfe sind kurz und heftig. Der RPG-Anteil dürfte aber gerne noch etwas höher sein. Und dem einen oder anderen Genrefan werden die extreme Linearität und das Fehlen jeglicher Entscheidungen sicherlich etwas aufstoßen. Die knapp 18 Euro sind aber ein mehr als fairer Eintrittspreis für diesen faszinierenden Maskenball.

Masquerada: Songs and Shadows ist Ende 2016 für den PC erschienen und seit dem 8. August 2017 auch auf Playstation 4 erhältlich. Switch und Xbox One sollen in naher Zukunft folgen. Getestet wurde die Playstation 4 Version.

(getestet von drizzt)

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