Im Test: Marvel vs. Capcom Infinite (PS4, XBOX One, PC)

In Marvel vs. Capcom Infinite steigen die Helden und Bösewichte aus dem Capcom- und Marvel-Universum endlich wieder in den virtuellen Ring. Mit dabei sind unter anderem ein brandneuer Story-Modus, ein neuer Grafikstil sowie einige neue Kämpfer. Wie gut sich der neue Capcom-Prügler insgesamt schlägt, soll unsere Review aufdecken.

Die größte Neuerung von Marvel vs. Capcom Infinite ist sicherlich der Story-Modus. In dieser rund fünf Stunden langen Kampagne wird erzählt, wie es zur Verschmelzung dieser beiden Universen kommt. Die Helden (und Schurken) aus beiden Universen müssen gemeinsam gegen den Ultra-Bösewicht Ultron Sigma kämpfen, um die Welt zu retten. Auch wenn der Story-Modus eine willkommene Abwechslung darstellt, kann er aufgrund der langen Ladezeiten, teils nervigen Onelinern sowie einer lahmen Inszenierung nicht komplett überzeugen. Im Gegensatz zur Kampagne von Injustice 2 mangelt es zudem an echten Wow-Momenten.

Spielerisch hat sich im Vergleich zum Original auch eine Menge verändert, das meiste zum Glück zum positiven. Anders als in den Vorgängern, kämpft man nun nicht mehr in 3-gegen-3-Teams, sondern in 2-gegen-2-Teams. Mit einem einfachen Knopfdruck können wir immer zwischen den beiden Kämpfern hin und her wechseln und es macht riesigen Spaß, bei der Zusammenstellung des Teams herum zu experimentieren. Neu sind auch die so genannten Infinity Stones. Insgesamt gibt es davon sechs verschiedene und jeder besitzt eine andere Fähigkeit. So kann man damit seine Kämpfer schneller machen, die Angriffskraft erhöhen, den Schaden der Gegner reduzieren oder auch Gegner in eine Art Käfig einsperren. Auch hier macht das herum experimentieren viel Spaß und es wird für einen gewissen taktischen Tiefgang gesorgt.

Marvel vs. Capcom Infinite punktet vor allem mit einer extremen Einsteigerfreundlichkeit. Während Gelegenheitsspieler bei vielen anderen Beat’em’Ups mit einem schweren Einstieg zu kämpfen haben, benötigt man hier selbst für aufwändigere Angriffe nur wenige Buttons, wodurch man sehr schnell Erfolge feiert und spektakuläre Combos aneinanderreiht. Natürlich kommen aber auch Experten auf höheren Schwierigkeitsgraden oder eben in den Online-Matches auf ihre Kosten.

Verglichen mit Spielen wie Injustice 2 oder Tekken 7 zählt Marvel vs. Capcom Infinite leider nicht zu den umfangreicheren Genre-Vertretern. Neben der rund 5-stündigen Story-Kampagne stehen noch ein Trainings-Modus, ein Arcade-Modus sowie ein Missions-Modus zur Auswahl. Außerdem gibt es noch einen gut umgesetzten Online-Modus mit Lobby- und Turnier-Funktion. Die Anzahl der Kämpfer wurde leider von 50 Kämpfer auf nur noch 30 Kämpfer reduziert und bekannte Charaktere wie Viewtiful Joe, Deadpool oder Phoenix Wright sind nun nicht mehr im Spiel vertreten. Insgesamt gibt es auch nur sieben brandneuen Charaktere, darunter Gamora, Captain Marvel oder Mega Man X. Immerhin sollen zukünftig weitere Charaktere als DLC folgen und ganz große Namen wie Dante, Ryu, Chris Redfield, Iron Man, Thor oder Spider-Man sind von Anfang an spielbar. Die Tatsache, dass bekannte Marvel- und Capcom-Charaktere hier mit- und gegeneinander antreten, übt auch nach wie vor einen großen Reiz aus!

Hier die komplette Liste:
Capcom
• Strider
• Arthur
• Spencer
• Zero
• Mega Man X
• Jedah
• Chris Redfield
• Dante
• Ryu
• Chun-Li
• Morrigan
• Frank West
• Haggar
• Nemesis
• Firebrand

Marvel
• Rocket Raccoon
• Dr. Strange
• Hawkeye
• Gamora
• Ultron
• Captain America
• Iron Man
• Thanos
• Nova
• Hulk
• Captain Marvel
• Thor
• Spider-Man
• Dormammu
• Ghost Rider

Bei der Präsentation haben die Entwickler vor allem einen Fehler gemacht: Sie haben auf einen Grafikstil gesetzt, der einen Comic-Stil mit einem realistischeren Look vereint. Dieser Stil mag zwar zu einigen Charakteren gut passen, viele Charaktere unterschieden sich dadurch aber optisch enorm von der Vorlage. Zudem mangelt es den Stages an der nötigen Detailverliebtheit, mit der ein Injustice 2 eben zu glänzen vermag. Dafür ist die Performance jedoch stets flüssig und musikalisch wird man auch immer sehr passend vom Soundtrack begleitet. Man kann nur hoffen, dass man beim nächsten Teil wieder verstärkt auf einen Comic-Stil setzt, weil dieser die Reihe auch immer ausgezeichnet hat.

Fazit:
Im direkten Vergleich mit dem Genre-Primus Injustice 2 hat Marvel vs. Capcom Infinite zwar aufgrund des geringeren Umfangs, der schwächeren Präsentation und der lahmer inszenierten Story das Nachsehen, insgesamt ist das Aufeinandertreffen der beiden namhaften Universen wegen der tollen Spielbarkeit, der Einsteigerfreundlichkeit und den vielen bekannten Charakteren aber dennoch als gut gelungen zu bezeichnen. Fans der beiden Universen, die mit dem Genre nicht allzu sehr vertraut sind, werden sich hier auch schneller zurechtfinden und ihren Spaß haben, als es in anderen Beat’em’Ups der Fall ist. 

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