Im Test: Little Nightmares (PS4, XBOX One, Steam)

Die Tarsier Studios konnten sich mit Little Big Planet 3 und Tearaway Unfolded bereits einen Namen unter Fans knuffiger Jump’n’Run-Spiele machen. Zusammen mit Bandai Namco erschien jetzt ihr erstes Multiplattformprojekt Little Nightmares, das sich stark von ihren kinderlieben Wurzeln entfernt und mit makabrem Horror reizt. Im Test erzählen wir euch mehr von unseren kleinen Alpträumen.

Der knallgelbe Regenmantel unserer kindlichen Protagonistin ist der einzige Kontrast zu dieser düsteren Welt. Selbst das schwache Licht des Feuerzeugs, das sie in ihrer Hand hält, kann das Grauen, in dem sie gefangen ist, nicht aufhellen. Jeder Stuhl erscheint ihr riesig, eine Türklinke unerreichbar, und dunkle Gestalten huschen von Schatten zu Schatten, verstecken sich vor den tödlichen Gefahren, die hinter jeder Ecke lauern.

Little Nightmares ist ein naher geistiger Verwandter vom aktuellen (und absolut empfehlenswerten) Inside. In einer surrealen, feindlichen 2.5D-Umgebung rätseln, schleichen und flüchten wir uns durch eine mysteriöse, augenscheinlich ziellose Spielwelt. Dabei ist das Gameplay so intuitiv wie es limitiert ist. Im Großen und Ganzen können wir lediglich springen, uns ducken und Dinge festhalten. Das Leveldesign erhebt die simple Steuerung erst zu einem spielerisch interessanten Titel.

Um Voranzuschreiten inspizieren wir die Umgebung genau. Die einzelnen Aufgaben sind offensichtlich. Komm zum nächsten Bildschirm, öffne eine verschlossene Tür. Weniger offensichtlich kann aber die Position des Schlüssels sein oder der Weg zum nächsten Lüftungsschacht. Dafür lösen wir simple Rätsel, die aber auch erst durchschaut werden müssen, oder klettern über die für uns überdimensionierte Einrichtung durch bedrückend gestaltete Gänge und Zimmer.

Es dauert auch nicht lang bis wir die ersten heimischen Bewohner dieser obskuren Welt kennenlernen. Wenig überraschend sind diese missgestalteten Kreaturen uns nicht gerade wohlgesonnen und wollen nichts sehnlicher als unseren raschen Tod. Es folgt ein regelmäßiges Katz-und-Maus-Spiel, bei dem wir uns von einem Versteck zum nächsten kämpfen.

Dabei vermischen sich Gefühle von Horror und Panik, aber auch Stress und Frust. Nicht immer gelingt es dem Spiel die nötige Präzision in der Steuerung zu liefern. Es ist ärgerlich, wenn sich zu den üblichen Trial-and-Error-Stellen des Genres noch unnötige Fehlversuche aufgrund von steuerlichen Ungenauigkeiten gesellen. Die Rücksetzpunkte sind glücklicherweise vernünftig und die Ladezeiten annehmbar, in der Quantität aber doch wieder nervend.

Glücklicherweise können die makabre, schaurige Inszenierung, gepaart mit der dichten Atmosphäre, die das Art Design und der gruselig-melancholische Soundtrack erzeugen, dauerhaft motivieren und das reduzierte Gameplay bietet genug Abwechslung, um den Spieler bis zum Ende am Haken zu halten. Die drei bis vier Stunden Spielzeit lassen sich darüber hinaus dann mit recht einfallslosen Sammelobjekten weiter strecken.

Es ist aber nicht allein der souveräne Stil, der hier heraussticht, das Spiel überzeugt technisch auf ganzer Linie. Das Bild ist in ständiger Bewegung und jede Animation sitzt. Das vorsichtige Licht lässt uns im dämmrigen Schein liebevolle Details erhaschen und ein bedachtes Sounddesign regt nicht nur unsere Fantasie an, sondern kündigt die grotesken Widersacher mit blankem Horror an.

Fazit:
Wer hätte es gedacht? Die Entwickler, die für ihre sonst so farbenfrohen und knuddeligen Hüpfspiele bekannt sind, jagen uns jetzt mit Little Nightmares einen Schauer über den Rücken. Nicht ganz gefeit vor den Genrekrankheiten wie Trial-and-Error, überzeugt das Spiel mit einer beklemmenden Stimmung und einer polierten Spielerfahrung. Wer Spiele wie Limbo und Inside verschlingt, sollte auch unbedingt hier zuschlagen und einen kleinen Alptraum über sich ergehen lassen.

(getestet von Wladyslaw Oswiecimski)

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