Im Test: Kill la Kill: The Game IF (PC / PS4 / Switch)

Es gibt wohl kein anderes Studio, das Animes in der Qualität auf die heimischen Konsolen presst wie Arc System Works. Jetzt nehmen sie sich dem großen Erfolg des Studios Trigger an und veröffentlichen zusammen mit dem Entwickler A+ Games und dem Publisher PQube Kill la Kill: The Game IF für PC, PS4 und Switch. Wir stürzten uns für euch in diesen verrückten 3D-Fighter und im Test lest ihr nach, ob das Spiel seiner Vorlage gerecht wird.

Es mag einleuchten, aber in dieser Form ist es doch recht einzigartig: Kill la Kill funktioniert kaum als eigenständiges Spiel. Wer also Interesse am umfänglichen Design hat, dem sei die gleichnamige Animeserie ans Herz gelegt. Es lohnt sich. Nichtsdestotrotz und im Sinne eines kleinen Recaps, lässt sich die Story schnell zusammenfassen.

Auf der Suche nach den Mörder ihres Vaters kreuzt die wutentbrannte Ryuko in der Honnouji Akademie auf. Der Empfang lässt auf Hinweise hoffen, das Problem ist, dass die Schule von der tyrannischen Vorsitzenden der Schülerversammlung Satsuki Kiryuin praktisch zu einer Militärfestung umstrukturiert wurde. Hier tragen die Schüler gemäß ihren Leistungen magische Uniformen, die sie zu schier unbezwingbaren Kriegern macht. Glücklicherweise ist Ryuko mit einer tödlichen Scherenklinge und ebenfalls einer magischen, zudem sprechenden Uniform ausgestattet. In typischer Animemanier eskaliert diese etwas absurde Story zu einem Wahnsinn komischer Ausmaße.

Und hier erst setzt auch das Spiel an, schwenkt die Kamera aber weg von Ryuko in Richtung Satsuki als Protagonistin und präsentiert uns einen alternativen Verlauf der Geschichte, der den Zusatz IF verantwortet. Und obwohl sich das Spiel alle Zeit der Welt nimmt in hochwertig animierten Sequenzen die Handlung abzuspulen, werden sich Neulinge im Kill la Kill-Universum kaum zurechtfinden. Fans hingegen dürfen sich über die zusätzlichen Inhalte, die vom Schöpfer, Kazuki Nakashima, betreut wurden, freuen. Als jemand, der am Anime sehr viel Spaß hatte, sich aber kaum als Fan betiteln würde, hätte ich mir aber deutlich mehr Substanz gewünscht. Hier hat mich die Ästhetik besser unterhalten als die Story.

Wer das Studio hinter dem Spiel kennt, weiß aber dass es nicht nur für seine referenzwürdige Comicgrafik bekannt ist, sondern auch für anspruchsvolles Kampfgameplay. Arc System Works hat jetzt nach BlazBlue und Dragonball FighterZ aber das Genre etwas alteriert und ist vom 2D-Fighter zum 3D-Arena-Brawler gewechselt und hat dafür Unterstützung von A+ Games erhalten. In Kill la Kill bekämpfen wir mit unserem Schwert in einem abgeschlossenen Kolosseum meist ein, manchmal auch mehrere Gegner. Dabei verketten wir Combos, gehen in die Defensive und weichen aus und lösen spektakuläre Angriffe aus. Was hier aber fulminant aussieht, ist spielerisch sehr limitiert. Das macht das Spiel sehr zugänglich, verschwendet aber die Expertise des Studios.

Das überträgt sich auch auf ein weiteres Fundament des Spiels, den PvP-Modus. Hier treten wir im Arcade-Stil gegen computergesteuerte oder menschliche Gegner online an. Es mangelt hier an Spieltiefe, um ernsthaft kompetitive Sphären zu erreichen. Für einen entspannten Kampf zwischendurch wird das Spiel aber dem ein oder anderem taugen.

Glücklicherweise war es das nicht mit dem Content. Nachdem wir mit Satsuki die erste Kampagne durchgespielt haben, schalten wir einen Storymodus für die eigentliche Heldin Ryuko frei. Viel ändert sich hier nicht, und auch die Animesequenzen werden überwiegend wiederverwertet, aber es streckt die sonst sehr kurze Kampagne auf gut gemeinte zehn Stunden. Wer dann noch nicht genug hat, überbietet seine Rekorde im Survival-Modus oder jagt den besten Rankings nach. Fans werden im Glossar detaillierte Informationen zu Charakteren und Schauplätzen finden und können hier auch die unterschiedlichen Modelle in allerlei Posen betrachten.

Trotz des etwas mageren Inhalts können die Schauwerte durchgehend überzeugen. Ob ingame oder in den Videosequenzen, die Grafik ist tadellos und wird musikalisch würdig untermalt. Beispielhaft ist es auch, dass sowohl englische als auch japanische Tonspur verfügbar sind. Der Anime wurde hier ohne Abstriche exzellent eingefangen.

Fazit:
Kill la Kill: The Game IF ist nicht mehr oder weniger als ein Produkt für Fans der populären Animeserie. Sie erhalten hier eine leider etwas dünne alternative Story und eine absolut überzeugende Visualisierung der Vorlage. Was aber optisch jederzeit Spaß macht, schmeckt spielerisch fad. Hier reduzieren sich die Entwickler zu sehr zugunsten der Zugänglichkeit, und verlieren ambitionierte Spieler sowohl in den Einzelspieler- als auch Multiplayerinhalten. Fans werden an dem Spiel trotzdem kaum vorbeifinden, und der Rest sollte sich zumindest erst vom Anime überreden lassen zuzuschlagen.

(getestet von eape)