Im Test: Jurassic World Evolution (PC, PS4, One)

„Das Leben findet einen Weg.“ Ist wohl eines der berühmtesten Zitate der modernen Filmgeschichte. Jeff Goldblum in der Rolle des Dr. Ian Malcolm, im 1993 erschienenen Dino-Kracher Jurassic Park von Steven Spielberg. Jurassic Park war überall. Popkultur vom Feinsten. Mit gerade mal 9 Jahren durfte ich in Begleitung meiner Mutter den Film im Kino sehen, der meine Kindheit und meine Jugend maßgeblich prägte. Das Dinofieber war ausgebrochen. T-Shirts, Poster, Spielzeug und ja, auch Videospiele. Allerdings kann ich mich tatsächlich nur an zwei Spiele so richtig erinnern. Mein erstes Videospiel im Jurassic Park-Universum war Jurassic Park auf Sega’s Mega Drive. Bis auf den miesen Soundtrack und die unpräzise Steuerung ist mir allerdings nicht viel in Erinnerung geblieben. Jahre später, um genau zu sein 2003, erschien allerdings der wahr gewordene Jurassic Park-Traum auf PC, PlayStation 2 und Xbox: Jurassic Park Operation Genesis. Als Parkleiter mussten wir damals zu Originalmusik eigene Parks kreieren und verwalten. Und nun, stattliche 15 Jahre und zwei Filme später, bekommen wir mit Jurassic World Evolution den geistigen Nachfolger zu Operation Genesis!

Die kreativen Köpfe von Frontier Developments, Entwickler hinter der Freizeitparksimulation Planet Coaster, schicken uns ins Muertes-Archipel, um dort die neuen Dino Parks zu bauen. Bereits in den ersten Minuten wird klar, Jurassic Park Evolution ist ein Spiel von JP-Liebhabern für-JP Liebhaber. Direkt wird deutlich, wie detailverliebt man mit der IP umgegangen ist. Die Atmosphäre trifft genau den Punkt der Filme, Optik, Sounds und Designs tun ihr übriges. Wir sind in Jurassic World! Doch genug gestaunt, ab geht’s an die Arbeit. Ein Park errichtet sich immerhin nicht von alleine!

Auf der Tutorial-Insel ist alles noch recht simpel gehalten und in der ersten Stunde bringen die Entwickler uns die ersten Schritte bei. Gehege bauen, Forschungsstation drauf und dann erst mal DNA besorgen. Ein Forschungsteam begibt sich auf die Suche nach wertvollen Fossilien, welche Dino DNA enthalten, an verschiedenen Grabungsstätten auf der Weltkarte. Per Mausklick wählen wir aus, was unser Team als erstes nach Hause bringen darf. Haben wir genug DNA gesammelt, dürfen wir unseren ersten Dino ausbrüten. Nach kurzer Wartezeit schlüpft unser erster Zögling und schreitet durch das Tor in’s Pflanzenfresser-Gehege. Die Dinosaurier sind liebevoll designed und wirken lebendig. Mit der Zeit füllt sich unser DNA-Repertoire und wir dürfen weiter Gattungen mit ins Gehege schicken. Futterstationen nicht vergessen! Wir wollen ja nicht, dass unsere Dinos verhungern.

Im Verlauf der Kampagne müssen wir für drei verschiedene Abteilungen des Parks Quests lösen. Die Wissenschaft, die Sicherheit sowie die Unterhaltungsabteilung. Die Aufgaben setzen sich aus mehreren kleinen Punkten und großen Punkten zusammen, die uns alle Funktionen des Parks näher bringen. Zum Beispiel müssen wir in einer Quest für die Sicherheit die Tore des Pflanzenfresser Geheges offen lassen, damit das Sicherheitsteam den Ernstfall üben kann. Der Dino nimmt die Einladung natürlich an und stürmt raus auf die Parkbewohner zu. Schon darf sich das Team auf den Weg machen, um den ausgebüxten Dinosaurier zu betäuben. Wahlweise dürfen wir hier auch direkt die Kontrolle über Helikopter oder Jeep übernehmen und in Third Person Kamera durch den Park rollen und dann am Zielpunkt wie in einem Third Person Shooter selbst zum Schuss mit dem Betäubungsgewehr ansetzen. Eine durchaus spaßige Auflockerung des Kerngameplays.

Durch die Quests verdienen wir uns nicht nur Geld, sondern auch Forschungspunkte, mit denen sich verschiedene Boni erforschen lassen können. So können wir beispielsweise unsere Zäune unter Strom setzen oder unseren Dinosauriern spezielle Eigenschaften aneignen, die sie resistenter gegen Wind und Wetter machen, oder sogar aggressiver….

Einziger Wermutstropfen sind leider die Parkbesucher. Diese geben sich mit recht wenig zufrieden, ein T-Shirt-Stand hier, ein Schnellimbiss da und schon fühlen sie sich pudelwohl. Hier wäre etwas mehr Tiefe wünschenswert gewesen. Gerne hätte wir unseren Park verziert, für Müllrouten gesorgt oder mehr Attraktionen gebaut als nur Zuschauertribünen. Allgemein fällt der Simulationsaspekt des Spiels leider etwas mager aus. Der Fokus liegt klar auf den Dinosauriern und deren Zucht und Verwaltung. Das fällt allerdings nicht weiter ins Gewicht, denn Spaß macht der Titel jede Menge!

Technisch weiß Jurassic World Evolution zu überzeugen. Bei moderaten Hardwareanforderungen sieht das Spiel auf maximalen Details wunderschön aus. Die dichten Wälder werden überzeugend dargestellt und hin und wieder muss man genau schauen, wo sich der Dino im Gestrüpp versteckt. Sehr schön anzusehen sind auch sämtliche Wettereffekte. Regen, Sturm oder gar Tornados wirken bedrohlich und zaubern einen schönen Kontrast zum sonst eher sonnigen Gesamtbild auf den Schirm.

Fazit:
Dinofans und Jurassic Park-Begeisterten ist Jurassic World Evolution wärmstens zu empfehlen. Die motivierende Dinosaurierzucht, die toll eingefangene Atmosphäre der Insel, die stimmigen Sounds und die Optik lassen wahres Jurassic Park/World-Feeling aufkommen und überzeugen am Ende des Tages trotz der simplen Simulationsaspekte. Wer auf Park Builder und Simulationen steht und nicht zu viel Tiefgang fordert, darf sich mit Jurassic World Evolution auf ein schönes Sommerspiel freuen, welches vielleicht nicht immer anspruchsvoll ist, aber zumindest immer unterhält. Da die Filme aber auch nicht immer die anspruchsvollsten waren, bleibt man sich somit der Linie treu. Jurassic World Evolution bietet viel fürs Auge, wie ein guter Sommerblockbuster.

Jurassic World Evolution ist für Playstation 4, XBOX One und PC erhältlich. Getestet wurde die Steam-Version des Spiels.

(getestet von Frank Johann)