Im Test: Heavy Fire: Red Shadow (PC, PS4, PSVR, One)

Die Heavy Fire-Serie von Publisher Mastiff konzentrierte sich auf militärische Railshooter-Erfahrungen. Mit dem neusten Ableger Red Shadow kommt die Reihe allerdings etwas zur Ruhe und versetzt uns in ein stationäres MG-Nest, um eine feindliche Invasion abzuwehren. Kein Problem, sagen wir uns, und berichten von unseren Kriegsgeschichten in unserem Test.

Ich wünschte, ich könnte die Story für das Review auf der offiziellen Seite nachlesen, aber so tief hat sich dann anscheinend auch das PR-Team nicht mit Heavy Fire: Red Shadow beschäftigt. Also alle Angaben ohne Gewähr. Man spielt einen amerikanischen Maschinengewehrschützen, der anscheinend als einziger Soldat die nordkoreanische Invasion aufhalten soll. Skip.

Schon sind wir in unserem stationären MG-Nest und ein Offizier warnt vor der ersten Gegnerwelle. Los geht’s! Wir schwenken die Waffe auf das Meer gerichtet hin und her, erwarten hoffnungsvoll die ersten Landungsschiffe, aber nichts. Wir drehen uns um 360 Grad um die eigene Achse, aber es passiert nichts. Erst als wir die Augen ungläubig zusammenkneifen, entdecken wir die Miniatursoldaten am unteren Bildschirmrand, die in die Leere ballern.

Die Grafik erinnert sowieso an kostenlose Handyspiele, aber dort stimmen für gewöhnlich zumindest die Proportionen, und wenn nicht, dann sind sie zumindest zugunsten der Spielbarkeit verändert worden. Hier kämpft man gegen winzige Minigegner und ihre Minischiffe und Miniautos. Glücklicherweise ist die Zielerfassung sehr freundlich und es reicht in die grobe Richtung zu feuern, damit die Winzlinge umfallen. Das ist auch bitter nötig, denn abgesehen von der absurd kleinen Größe der Gegner, ist die Steuerung auch ultraträge und lässt sich nicht anpassen. Die Drehung des Geschützes erfolgt mit vernünftiger Geschwindigkeit, das eigentliche Bewegen des Fadenkreuzes ist eine einzige, unglaublich zähe, Qual.

Wem das simple Abwehren von Gegnerwellen zu öde wird, der kann sich nebenher mit ausgeklügelten Nebenmissionen die Zeit vertreiben. Regelmäßig ploppen optionale Aufgaben im Stile von „Töte 8 Gegner mit AK“ oder „Töte 3 Kamikaze-Gegner“ auf. Ärgerlich, wenn gerade kein Koreaner Lust hat sich für Amerikas Tod in Serious Sam-Manier schreiend, auf das MG zulaufend in die Luft zu sprengen bevor die Zeit abläuft. Schafft man es trotzdem, regnet es Erfahrungspunkte.

Sammeln wir genug Erfahrungspunkte, werden wir befördert und dürfen uns neue Skills kaufen. Mehr Gesundheit, mehr Schaden, kein Nachladen, so macht das Spiel schon fast Spaß. Glücklicherweise behalten wir trotz der Arcade-Aufmachung alle Fähigkeiten auch nach einem Tod und dürfen beim letzten Checkpoint weitermachen. Das Frustpotenzial sinkt also mit der Zeit stetig, weil das Spiel entgegen aller Regeln immer leichter wird.

Ganz allein müssen wir die Invasion übrigens doch nicht aufhalten. Mit genügend Punkten können wir Unterstützung anfordern. So erhalten wir per Luftpost mehr Raketen für unser Maschinengewehr oder ein Miniatur-Elitetrupp gibt uns Rückendeckung. Als Höhepunkt fordern wir einen Helikopter an, der die feindliche Armee dezimiert.

Abwechslung wird wie der Rest des Spiels klein geschrieben. Es gibt lediglich vier verschiedene Level, mit jeweils einer Tag- und einer Nachtvariante und sie spielen sich alle gleich. Trotz des geringen Umfangs zieht sich das Spiel wie Kaugummi. Einzelne Level sind gefühlt dreißigminütiges Dauergeballer.

Und die Bugs machen das nicht besser. Während der Testsession passierte es regelmäßig, dass ein Gegner hinter einem Berg oder Baum hängenblieb und nicht mehr angreifbar war und das Spiel neugeladen werden musste.

Wer davon trotzdem nicht genug bekommt, stürzt sich in den Endlosmodus um Highscores nachzujagen. Dank PSVR-Unterstützung kann man das Ganze auch in VR erleben. Hier profitiert das Spiel stark von der raschen Rundumsicht, so dass die Gegnerabwehr deutlich intuitiver vonstattengeht.

Fazit:
Es fällt schwer eine Empfehlung für Heavy Fire: Red Shadow auszusprechen. Das simple Defense-Spielprinzip leidet unter einer ungenauen, trägen Steuerung, schlechtem Balancing, einer visuellen Darstellung, die der Spielbarkeit schadet und unter unnötigen Bugs. Allenfalls in VR kann sich für Genrefans dank intuitiverem Gameplay Spielspaß einstellen, wenn man die Augen soweit zusammenkneifen muss, um die Gegner zu erkennen, dass man sie zudrückt.

(getestet von eape)