Im Test: Gwent – The Witcher Card Game (PC, PS4, One)

Mit Homecoming erschien am 23.10.2018 das finale Beta-Update für den beliebten Free-to-Play-Tavernenhit „Gwent“ und das Spiel verlies die Early Access-Phase. Wir haben der Release Version auf den Zahn gefühlt und verraten in unserem Test, was den geneigten Spieler bei CD Projekt REDs Trading Card Game erwartet.

Ziemlich genau vor zwei Jahren, dem 25. Oktober 2016 startete Gwent in die Closed Beta Phase. Damals noch als alleinstehende Multiplayer-Version des Erfolgminispielchens Gwent aus dem Rollenspielgiganten „The Witcher 3“ bekannt, hat Gwent nach nunmehr zwei Jahren Early Access und mehreren großen Updates eine interessante Wandlung durchlebt. Das Spiel ist nach wie vor kostenfrei beziehbar über GOG.com, den Windows 10 Store sowie auf Xbox One und PlayStation 4, wobei die Releaseversion und somit das Homecoming Update auf Konsolen erst am 04.12.2018 erscheinen.

Mit einer von fünf verschiedenen Fraktionen ziehen wir in die Schlacht, wobei wir unser Kartendeck selbst zusammenstellen müssen. Keine Sorge, jede der fünf Fraktionen kommt mit einem vorbereiteten Starterdeck daher, sodass sich neue Spieler direkt in die Schlacht stürzen können. Doch gerade Neulinge können schon mal ins Schwitzen geraten, nach dem gut inszenierten Tutorial hat man zwar die Grundlagen gelernt und ist bereit die ersten Partien zu spielen, steht jedoch vor der Herkulesaufgabe, Gwent wirklich zu verstehen. Was einst ein simpler Zeitverteib in Velen war, ist mittlerweile ein taktisches Schwergewicht, trotz des Verlustes einer ganzen Linie beim Spielbrett.

In Gwent geht es darum, als eine von fünf Fraktionen mit seiner Armee die gegnerische Armee zu schlagen, respektive als Spieler mehr Punkte auf dem Feld zu haben, als der Gegenspieler. Jede Spielkarte in unserem Deck stellt eine Einheit dar. Es gibt Heldenkarten, Nah- sowie Fernkampfeinheiten, Zauber, Tränke sowie Effektkarten, die ganze Reihen der Gegner oder nur einzelne Karten mit Effekten belegen. Die Auswahl der Karten scheint schier endlos zu sein, umso schwieriger ist es, sich auf das perfekte Deck festzulegen, da unser Deck maximal 25 Karten umfassen darf. Auch auf den maximalen Energiebedarf muss geachtet werden. Jede Karte hat einen Energiewert, welcher das Vollstopfen des Decks mit den mächtigsten Karten verhindert. So ist es ein taktischer Balanceakt, das perfekte Deck zu finden.

Mittlerweile befinden sich mehr als 600 Karten im Gwent-Sortiment, die genauen Beschreibungen zu lesen und zu verstehen ist essentiell. Wobei manche Karten schonmal Beschreibungen mit sich bringen, die mehr Verwirrung stiften, als aufklären. Dies ist bei einem so großen Kartenpool kaum zu vermeiden, außerdem besteht doch ein Großteil des Spaßes bei einem Sammelkartenspiel darin, Synergien zwischen Karten herauszufinden und so das perfekte Deck zu erstellen. Jedoch hat man nicht direkt von Beginn an Zugriff auf sämtliche Karten. Wie für Sammelkartenspiele üblich, verdient man sich Karten mühsam über das Ingame-Erfolgssystem, stellt sie direkt mit Rohstoffen her oder geht den Weg in den Shop, um sich Kartenfässer mit Echtgeld zu kaufen.

Wer nicht sein hart erarbeitetes Geld für Karten ausgeben möchte, der kann Karten auch im Spiel herstellen oder Kartenfässer über ein Ingame-Achievement-System verdienen. Außerdem hat man die Möglichkeit, seine liebsten Karten mithilfe von Meteoritenstaub, welchen man auch im Spiel verdient, besonders zu animieren, um dann auf dem Spielbrett damit anzugeben.

Die optische Gestaltung des Spielbrettes, der Karten und der Fähigkeiten ist mehr als gelungen. Der gemütliche Tavernen-Look der Betaversion des Spiels musste leider für animierte, Schlachtfeld-artige Spielbretter weichen, auf denen wir unsere gewählten Anführer neben unseren Einheitenkarten sehen können. Das gibt ordentliches Schlachtgefühl und bietet etwas fürs Auge, dürfte nur leider nicht jedem gefallen, der das Spiel bereits in der Beta-Fassung gespielt hat.

Fazit:
Gwent bietet jetzt in seiner Version 1.0 genug Umfang, um mehrere Wochen darin zu versinken. Wer ein Sammelkartenspiel abseits der Genregrößen wie Hearthstone und Elder Scrolls Legends sucht, der ist hier gut aufgehoben. Durch ordentliche Vielfalt in den Decks entstehen abwechslungsreiche Spielstile, die man über lange Zeiträume perfektionieren kann. Da Gwent free to play ist, kann man bedenkenlos einen Blick wagen.

(getestet von Frank Johann)