Im Test: Greedfall (PC, One, PS4)

RPG-Freunde aufgepasst: Focus Home Interactive und die kleine französische Entwicklerschmiede Spiders haben nach Bound by Flame und The Technomancer mit Greedfall ein neues, viel versprechendes Rollenspielabenteuer veröffentlicht. Wieso es sich hierbei um die bislang beste Arbeit der Franzosen handelt, klärt unser Test auf!

Greedfall ist im Barockzeitalter angesiedelt und startet in der fiktiven Hafenstadt Serene. Dort plagt das Volk die sogenannte Malichor-Pest und in der Rolle von De Sardet (unser selbsterstellter Hauptcharakter) begeben wir uns auf die mysteriöse Insel Teer Fradee, um ein Heilmittel für die Pest zu finden.

In typischer Rollenspiel-Manier erkunden wir die Insel, lernen die verschiedenen Fraktionen im Spiel kennen, nehmen zahlreiche Quests auf und versuchen letztlich, das Mysterium hinter dieser Insel zu lösen. Das Gameplay besteht zum Großteil aus der Erkundung der Umgebung, den zahlreichen Dialogen mit den Fraktionen und Questgebern sowie den vielen Kämpfen. Nebenbei können wir aber auch Heiltränke oder Waffenupgrades herstellen und uns natürlich nach Level-Ups in unserem umfangreichen Skill-Baum austoben, um unseren Charakter zu stärken.

Auch inhaltlich hat Greedfall einiges zu bieten. Die Hauptstory flacht zwar leider im fortschreitenden Spielverlauf immer mehr ab, dafür bietet das Spiel aber spannende Nebenmissionen, sehr interessante Hintergrundgeschichten unsere Gefährten und ebenfalls sehr interessante Fraktionen, die man meist schwer als gut oder böse einstufen kann, weil sie allesamt nachvollziehbare Beweggründe besitzen. Der Umgebung mit eben diesen Fraktionen übt im Spiel auch den vermutlich größten Reiz aus.

Das Spiel punktet mit einem vielfältigen, aber auch schnell zu verstehenden Kampfsystem. Je nachdem, wie wir unseren Charakter skillen, können wir im Kampf einhändige oder zweihändige Schwerter, Schusswaffen oder Magie einsetzen. Alternativ können wir uns im Kampf aber auch durch das geschickte Platzieren einen Vorteil verschaffen. Das Kampfsystem selbst läuft in Echtzeit ab, jedoch können wir den Kampf jederzeit pausieren, um uns einen besseren Überblick zu verschaffen und die weiteren Schritte zu planen. Während letzteres bei normalen Gegnern eigentlich kaum notwendig ist, verlangen uns die Bossgegner doch einiges ab, weshalb speziell dort die Pause-Funktion Sinn ergibt.

Wir müssen in Greedfall übrigens nicht alleine ins Abenteuer ziehen, sondern werden von bis zu drei Gefährten begleitet. Diese besitzen nicht nur unterschiedliche Kampfstile und Hintergrundgeschichten, sondern bestehen aus jeweils einem Vertreter der sechs Fraktionen im Spiel. Dies hat auch positiven Einfluss auf die größte Stärke des Spiels: die Entscheidungsfreiheit. Zum einen sind die meisten Quests über verschiedene Wege lösbar, zum anderen haben unsere Taten, Entscheidungen und auch die Wahl der Gefährten großen Einfluss auf die Handlung des Spiels. Insgesamt bietet das Spiel vier verschiedene Endings, was für einen gewissen Wiederspielwert sorgt.

Verglichen mit anderen Rollenspiel-Titeln zählt Greedfall eher zu den kürzeren Genrevertretern. Die Hauptstory ist nämlich nach 25 bis 30 Spielstunden beendet. Wer hingegen auch alle Sidequests beenden will und wirklich alles im Spiel entdecken will, kann um die 50 Spielstunden in das Spiel investieren. Eine Spieldauer, die den Preis von rund 50 Euro definitiv rechtfertigt, für waschechte Rollenspielfans aber vielleicht zu kurz erscheinen mag.

Grafisch präsentiert sich Greedfall von einer guten und einer schlechten Seite. Stilistisch ist die Mischung aus Bloodborne, Assassins Creed: Black Flag und The Witcher 3 sehr ansprechend und viele Schauplätze sind sehr stimmig umgesetzt worden. Auf anderen Seite merkt man dem Spiel hier aber am meisten sein geringes Budget an, denn vor allem in den großen Städten wird optisch viel Recycling betrieben, weshalb sich viele Schauplätze kaum voneinander unterscheiden. Auch die Gesichtsanimationen sind absolut nicht zeitgemäßg. In Sachen Sound gibt es dagegen weniger zu beanstanden. Die meisten Charaktere sind überdurchschnittlich gut synchronisiert worden, der Soundtrack weiß zu gefallen und auch die Soundeffekte sind ausgesprochen stimmig.

Fazit:
Letzten Endes erreicht Greedfall leider doch nicht ganz die Qualität der ganz großen Rollenspiel-Hits. Man merkt dem Spiel nämlich an vielen Stellen sein geringes Budget und das kleine Team an. Das tolle Worldbuilding durch die interessanten Fraktionen, die enorme Entscheidungsfreiheit sowie das spaßige Kampfsystem machen aus dem Spiel aber dennoch einen Geheimtipp für alle Rollenspielfans. In meinen Augen das bislang beste Werk von Spiders!