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Im Test: Deathloop (PS5 / PC)

Nach einigen Verschiebungen ist es so weit: Der neueste Titel von Entwickler Arkane Studios und Publisher Bethesda ist endlich da! Eigentlich als Launch Titel für die Playstation 5 geplant, hat es nun fast ein dreiviertel Jahr gedauert, bis wir selber Hand an die neueste Immersiv-Sim der Dishonored-Schöpfer anlegen durften. Deathloop ist aber nicht nur irgend eine Immersiv-Sim, sondern der mittlerweile zweite Versuch von Arkane, das Genre mit Roguelite-Elementen zu kreuzen. Ob dieses Experiment gelungen ist, erfahrt ihr bei uns im ausführlichen Test.

In Deathloop schlüpfen wir in die Rolle des Lederjacken-tragenden Colt, der auf der mysteriösen Insel Blackreef in einer endlosen Zeitschleife feststeckt, aus die er nur entkommen kann, wenn er es schafft, die acht Visionäre der Insel innerhalb eines Tages auszuschalten. Eine Aufgabe, die im ersten Moment gar nicht mal so schwierig klingt, doch gibt es da für Colt nicht nur ein Problem. Neben den hunderten fanatischen Gefolgsleuten und dem ausgeklügelten Sicherheitssystem, haben wir es noch mit einer wortgewandten Assassinen zu tun, die den Spieß umdreht und mit aller Waffengewalt den Loop vor unserem Vorhaben beschützt. Neben den direkten Gefahren des eigenen Todes, stellt aber noch die Zeit an sich ein großes Hindernis dar. Jeder Loop ist dabei aufgeteilt in vier festen Tageszeiten. Morgen, Mittag, Nachmittag und Abend. Wollen wir ein bestimmtes Gebiet der Insel besuchen, kostet uns dies eine Tageszeit. Vier Gebiete, vier Tageszeiten, was auf dem Papier noch recht vereinbar klingt, ist in der Praxis doch nicht so leicht umsetzbar, denn jeder Abschnitt verändert sich auch mit der Zeit. Wichtige Räume stehen uns nur zu bestimmten Tageszeiten offen, was sich auch gerne mal überschneidet. So sind die beiden Ziele Fia und Charlie zwar über den Mittag für uns erreichbar, aber eben auf unterschiedlichen Teilen der Insel. Heißt wir können immer nur einen von beiden pro Loop ausschalten, aber nicht beide zusammen. Tja, so langsam entpuppt sich das wahre Problem, welches Colt vom durchbrechen des Loops abhält: Er hat keine Ahnung, wie er acht Visionäre, verteilt über vier verschiedene Gebiete und Tageszeiten ausschalten soll. Nicht umsonst sagte schon der englische Philosoph Francis Bacon „Wissen ist Macht“ und damit wir erfolgreich in unserem Unterfangen sind, müssen wir jedes dreckige Geheimnis über Blackreef und ihre Herrscher herausfinden und sie zu unserem Vorteil nutzen. Bleiben wir zum Beispiel direkt bei Fia und Charlie, denn die beiden befinden sich eigentlich in einer romantischen Beziehung, die aber zum Zeitpunkt eher etwas bröckelt. Damit sich die beiden Turteltauben wieder gemeinsam in den Armen liegen und wir somit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen können, müssen wir erstmal an die richtigen Informationen herankommen. Das können Dokumente, zusammengeknüllte Zettel, Gespräche zwischen NPCs oder Tonbänder sein, die wir alle verteilt in den jeweiligen Gebieten zu verschiedenen Uhrzeiten finden. Damit wir bei all der Informationsflut nicht die Übersicht verlieren, wird alles fein säuberlich in einer gedanklichen Pinnwand zu verschiedenen Strängen geführt und auch in der Levelübersicht erhalten wir immer einen guten Überblick darüber, was wir nun als Nächstes erledigen können.

Blackreef als Schauplatz ist einer der heimlichen Stars von Deathloop, denn wie gewohnt von Arkane Studios leben die Areale durch ihr großartiges Level-Design. Jeder der vier Abschnitte ist für sich genommen einzigartig und bietet verschiedene Charakteristiken. Zugegeben, diese Unterschiede können leicht verschwimmen, wenn man sie dutzende Male durchstreift, was gerade Feinden von Backtracking sauer aufstoßen könnte. Entwickler Arkane war sich darüber auch bewusst und hat dafür gesorgt, dass sich jedes Gebiet je nach Tageszeit leicht verändert und wir reden jetzt nicht nur von der Beleuchtung. Während jedes Level zur Morgenstunde noch recht aufgeräumt und funktionell wirkt, verschlimmert sich das Bild mit jeder weiteren Tageszeit. Automaten sind eingeschlagen, aus Autos wurden Wracks, Geschäfte sind abgebrannt und wilde Graffitis zieren die Fassaden. Sicherlich nichts, was nun die Areale komplett auf den Kopf stellt, dennoch bleibt so eine gewisse Frische vorhanden, die für die eine oder andere Überrsachung gut ist.

Information und Timing sind wichtige Grundpfeiler für unseren Erfolg, aber natürlich kann Colt die Visionäre nicht immer alleine damit zur Strecke bringen, weswegen wir an jeder Ecke eine Vielzahl an unterschiedlichen Schusswaffen finden. Da hätten wir Maschinenpistolen, Schrotflinten, Revolver, Gewehre, Maschinengewehre und sogar Nagelpistolen, die in verschiedenen Qualitätsstufen daher kommen. Je höher die Stufe, desto zuverlässiger ist das Schießeisen und bieten sogar Perks, die dann auf das gute Stück zufällig ausgewürfelt werden. Diese können recht simple sein, wie schnelleres Nachladen, aber auch sehr speziell, die für den einen oder anderen Twist sorgen. So markiert die Munition der Nagelpistole plötzlich in der Nähe befindliche Gegner automatisch oder im Revolver stecken Gaskugeln, die beim Einschlag eine giftige Wolke ausstoßen, die sich auch noch entzünden lassen. Zusätzlich zu den Perks lassen sich auch bis zu drei Trinkets an jeder Waffe und bis zu vier an Colt anbringen, die auch mit ihren eigenen Vorteilen daherkommen. Gerade die für Colt sind da besonders spannend, da sich damit teilweise richtige Build für unseren Helden zusammenstellen lassen. Ihr bleibt lieber im Hintergrund und hackt alles an Kameras und Geschützen? Dank den passenden Schmuckstücken können wir die Reichweite und die Geschwindigkeit unseres Hackamajig deutlich verbessern und sogar die Effizienz der übernommenen Selbstschussanlagen erhöhen. Ihr wollt lieber mitten in der Action als Nahkampfexperte sein und eure Feinde mit Händen und Füßen ins Nirwana schicken? Auch das lässt sich mit den richtigen Schmuckstücken bewerkstelligen.

Ein weiteres wichtiges Bestandteil des Arsenals sind die sogenannten Slabs, die man mit den übernatürlichen Fähigkeiten aus der Dishonored-Reihe und den Neuromods aus Prey vergleichen kann. Gerade der Vergleich mit Dishonored ist allzu eindeutig, denn mancher Slab ist eigentlich nichts anderes, als einer der vielen Fähigkeiten von Corvo & Co. So teleportieren wir uns mit Shift statt Blink von Dach zu Dach und mit Nexus haben wir das Deathloop Gegenstück zu Domino, mit dem wir eine Anzahl an Gegner miteinander verbinden, um sie danach mit einem gezielten Kopftreffer alle gleichzeitig auszuschalten. Weitere Slabs sind Havoc, Aether, Karnesis und Reprise. Letztere ist Colt’s ganz eigener Slab, den wir auch nicht ablegen können, da er es uns erlaubt innerhalb einer Mission zweimal das Zeitliche zu segnen, bevor wir dann endgültig den Loop wiederholen müssen. Abseits davon können wir bis zu zwei andere Fähigkeiten mit uns nehmen und diese auch mit Verbesserungen ausstatten und spezialisieren.

Unzählige Waffen, Schmuckstücke, Slabs, alles schön und gut, aber wieso alles sorgfältig sammeln, wenn man durch die Roguelite-Mechaniken des Spiels am Ende eines Loops eh alles wieder verliert? Zugegeben, ich hatte mir in den ersten Stunden auch etwas darüber den Kopf zerbrochen, aber Deathloop hat dafür eine Lösung, die sich Ubiquity nennt. Nach dem ersten richtigen Loop erfährt Colt davon, dass es der Wissenschaftlerin und Visionärin Wenjie gelungen ist, Gegenstände theoretisch von einem Loop zum nächsten zu transportieren. Ein kurze Questreihe später erhalten wir ebenso Zugriff auf diese Technologie und können im Tausch mit Residuum, einer Ressource, die wir auf verschiedene Wege erhalten, ebenso alles an Ausrüstungen und Gegenstände für spätere Loops sichern. Eine Chance, die wir unbedingt jedes Mal nutzen sollten, denn angespartes Residuum erlischt mit jedem Morgen auf neue, weswegen wir alles in der Richtung spätestens zum Abend auf den Kopf hauen sollten. Das Sichern erleichtert nicht nur den frischen Start in den Tag, sondern sorgte für mich persönlich auch für einen unglaublichen Motivationsschub, die ich bei anderen Roguelite Genre-Vertretern in letzter Zeit eher vermisst habe. Plötzlich wurde jede Ecke nach Residuum oder interessanten Waffen und Trinkets abgesucht, die ich unbedingt in mein immer wachsendes Sammlung aufnehmen wollte. Egal, ob ich es nun am Ende gebraucht habe oder nicht.

Während wir mit Colt den Loop brechen müssen, können wir auch in die Rolle von Julianna wechseln und ihn genauso gut beschützen. Deathloop verfügt nämlich über ein optionales PVP-Element, welches es uns ermöglicht, als Julianna andere Spieler einen Besuch abzustatten und auszuschalten. Dies ist aber wie gesagt rein optional und lässt sich auch komplett ausschalten. Julianna schaut zwar selber immer noch hier und da mal bei euch vorbei, aber steckt dann dahinter die künstliche Intelligenz des Spiels, die in den meisten Fällen deutlich harmloser als jeder richtiger Spieler ist. Dass nicht gerade die Klügsten auf Blackreef gelandet sind, merkt ihr dann vor allem schnell, wenn ihr mal Feinde auf längerer Strecke mit einem ordentlich Gewehr dezimiert. Zwar hören sie die Schüsse und bekommen es auch mit, dass ihre Kollegen nach und nach wie die Fligen fallen, doch Deckungen zu suchen oder in eure Richtung zu laufen, ist dann eher eine Frage des Glückes. Man kann vermuten, dass hier einfach noch vieles aus Dishonored im Spiel steckt und man dort einfach nicht die Problematiken hatte, dass der Spieler mit einer Sniper ausgerüstet ist. In kleineren Räumen sieht es jedenfalls schon ganz anders aus und ihr solltet euch ja nie von einer Gruppe einkreisen lassen, denn Colt ist sonst doch recht zügig übermannt.

Auf der technischen Seite ist man ebenso Dishonored treu geblieben, denn nach dem kurzen Ausflug mit der CryEngine bei Prey, setzt man bei Deathloop wieder auf die eigene Void Engine, die bekanntlich eine stark modifizierte Version der id Tech 6 Engine ist. Leider muss man da sagen, denn die technische Umsetzung ist wie bei Dishonored 2 nicht so lupenrein, wie man es sich wünschen könnte. Nicht nur sind die Anforderungen gerade auf dem PC erstaunlich hoch, sondern gab es auch einige Abstürze, was gerade bei einem Roguelite-Spiel nicht passieren darf. Weniger Abstürze, aber auch mit ihren eigenen Problemen ist die Playstation 5-Version ausgestattet. Zwar bietet der Titel hier drei verschiedene Grafik Modi, doch nach einem genaueren Vergleich ist eigentlich nur der Performance Modus empfehlenswert, da es im Visual Modus kaum einen Mehrwert gibt und der Ray-tracing Modus ordentliche Einbußen in der Performance mit sich bringt. Was auch in allen drei Varianten aufgefallen ist, waren einige flackernde Texturen. Gerade bei kleineren Texturen, wie Aufschriften oder undynamische Schatten, hatten hier und da öfters mit diesem Problem zu kämpfen. Nichts was den Gesamteindruck großartig beeinträchtigt, aber dann doch irgendwie ein unruhiges Gefühl auslöst. Wenn wir jedoch vom Art-Design sprechen, bleibt nur Lob übrig. Die surreale Retro-Future Ästhetik wirkt in jeder Ecke von Blackreef wie ein frischer Anstrich in der sonst einfallslosen First-Person Wüste. Ausgefallen ist ebenso der Soundtrack aus der Feder von Komponist Tom Salta, der zum ersten Mal mit dem Studio zusammen gearbeitet und direkt ein gutes Händchen bewiesen hat. Egal ob es sich dabei um die musikalische Untermalung für eins der Gebiete oder eins der Themes für die Visionäre geht, alles spiegelt wunderbar die eigene Persönlichkeit von Deathloop wider. Obendrauf gibt es dazu noch die besten James Bond Songs, die eigentlich keine James Bond Songs sind, seit Metal Gear Solid 3: Snake Eater, für die u.a. talentierte Sängerinnen wie Fjøra und Lady Blackbird ins Studio geladen wurden. Auch abseits des Spiels eine Empfehlung wert.

Fazit
Deathloop ist wirklich kein perfektes Spiel. Es gibt einige technische Mängel, die KI ist nicht immer auf dem Punkt und dann wäre da noch das Ende, welches mich ehrlich gesagt unzufrieden zurückgelassen hat. Abseits davon ist Deathloop aber einer der besten Titel des Jahres für mich. Das Writing alleine ist so großartig, dass ich jeden Dialog zwischen Julianna und Colt regelrecht aufgesaugt habe. Der Gameplay Loop (*zwinker*) hat mich so motiviert, dass ich es erst weglegen konnte, als ich die Platin Trophäe auf meiner Playstation 5 freigeschaltet hatte. Und dann alles drumherum, die den Titel so einzigartig machen. Das Design, die Charaktere, die Musik, die Jagd nach Informationen und neuer Ausrüstung. Ich weiß nicht, wohin die Reise für Arkane Studios nun geht, da sie unter Microsoft stehen und ihr nächster Titel in die Multiplayer Richtung gehen wird, aber solange sie weiterhin auch noch Spiele wie Deathloop veröffentlichen, werden sie auch weiterhin zu meinen Lieblingsstudios gehören. Spielt Deathloop.

Deathloop ist seit dem 14. September für PC via Steam und Playstation 5 erhältlich.

(getestet von Para)

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