Im Test: BATTLETECH: Urban Warfare (PC)

Als Entwickler Harebrained Schemes und Publisher Paradox Interactive letztes Jahr Battletech veröffentlichten, konnten sie die Fans der Vorlage im Sturm erobern. Das taktische Gameplay war auf den Punkt gebracht, der Sammelwahn um das ständig anwachsende Arsenal an Mechs und Piloten motivierte und dank der spannenden Kampagne, hatte man Futter für über Hundert Stunden am Start. Knapp zwölf Monate später, erscheint nun mit Urban Warfare die zweite von drei Erweiterungen, die das Spiel nochmal um einige Facetten bereichern soll. Wir haben den Reaktor und die Systeme wieder hochgefahren und beantworten euch im Test, ob sich der Wiedereinstieg ins intergalaktische Söldnerleben lohnt.

Mit Urban Warfare bringt Entwickler Harebrained Schemes die Kämpfe der Inneren Sphäre endlich in die Straßenschluchten der Kolonien und erweitert den Karriere-Modus mit weiteren Flashpoint-Kampagnen, zwei neuen Mechs, mehr taktischen Möglichkeiten und einem brandneuen Missionstypen. Der Star der Erweiterung ist dabei ohne Frage das neue urbane Setting, welches nicht nur gut aussieht, sondern sich auch stark von den bisherigen Kriegsschauplätzen unterscheidet. Von den kalten Eissteppen und der reichhaltigen Flora und Fauna des Dschungels, geht es nun in den Großstadtdschungel. Gebäudekomplexe, Straßenzüge, Kreuzungen, Parkanlagen, Feierabendverkehr, all dies findet nun seinen Weg ins Spiel und wirft einiges an bewährten Taktiken um. Die offensichtlichste Neuerung sind dabei die großen Gebäude, die uns Sichtschutz vor unseren Feinden und damit gleichzeitig Deckung vor direkten Beschuss geben. Aufpassen müssen wir aber trotzdem, da jede Struktur durch Waffeneinsatz eingerissen werden kann, was die Kämpfe deutlich dynamischer macht. Fallen wir in einem Spielzug noch in einer Straße zurück, um kurz danach im nächsten Zug durch brennende Ruinen zu stampfen und somit der gegnerischen Lance in die Flanke zu fallen, haben wir alles richtig gemacht. Frei nach dem Motto „Augen auf beim Straßenverkehr“, sollten wir unsere Umgebung deswegen stets im Auge behalten. So lassen sich auf den Karten verteilt spezielle Objekte finden, die wir zu unserem Vorteil nutzen können. Das Zerstören eines Kühlmittelgebäudes lässt in der Nähe befindliche Mechs schneller abkühlen und explosive Treibstofflaster und Stromtransformatoren eignen sich hervorragend als Fallen für unachtsame Piloten. Doch finden die Kämpfe nicht nur auf dem Boden statt, sondern auch darüber. Jeder Mech mit Jumpsets kann nämlich auf Dächer springen, um dort von der erhöhten Position seine Ziele besser treffen zu können. Nur allzu lange sollte man nicht auf einem Fleck bleiben, denn im Gegensatz zu natürlichen Erhöhungen, kann uns hier der Höhenvorteil wieder so schnell genommen werden und tonnenschwere Panzer auf zwei Beinen fallen eher nicht weich auf dem Boden.

Da sich selbst riesige Stahlkolosse zwischen Wolkenkratzern und Bürokomplexen aus den Augen verlieren können, ist hier neben dem klassischen Nahkampf der Einsatz von Lang- und Kurzstreckenraketen so wichtig wie noch nie. Aus diesem Grund führt Harebrained Schemes mit Urban Warfare endlich elektronische Gegenmaßnahmen (kurz ECM) ein, die es uns erlauben, unsere Lance vor feindlichen Zielsystemen und indirekten Beschuss zu schützen. Gekontert werden kann dies durch das Wiederherstellen des Blickkontakts oder dem Verschießen einer Peilsonde, was das Ganze mehr zu einem Katz- und Mausspiel macht. Als sehr gutes Beispiel, wie man ECM auf dem Feld am effektivsten nutzt, haben wir mit dem experimentellen Raven 1X einen neuen Vertreter der Light-Mech Class im Arsenal, welcher sich als perfekter Scout mit ECM-Support eignet. Wirklich neu ist er jedoch nicht, denn Spieler die bereits in der Alpha und Beta von Battletech unterwegs waren, werden ihn schon aus dem Skirmish-Modus kennen. Als zweiten Neuzugang, der auch wirklich neu ist, gesellt sich Javalin dazu. Ebenso ein leichter Mech, der durch seine vier Missile-Hardpoints hervorragend als Brawler eingesetzt werden kann.

Neben weiteren Flashpoints, die abgeschlossene Mini-Kampagnen darstellen, bekommen wir auch einen komplett neuen Missionstypen mit „Attack and Defend“ spendiert. Hier stehen sich zwei Lances gegenüber, die jeweils im Besitz einer eigenen Basis sind. Wer die gegnerische Basis als Erstes einnimmt, hat gewonnen. Heißt also, dass wir unsere vier Mechs in ein Angriffs- und Verteidigungsteam aufteilen müssen, um einmal in die gegnerische Basis vorzudringen und gleichzeitig unsere vorm Feind zu schützen. Klingt stressig und das ist es auch. Durch das Aufteilen ist unsere Lance im Angriff und in der Verteidigung unterlegen, da die gegnerische Seite in der Regel über mehr Truppen verfügen. Selbst wenn wir also erfolgreich die Mission abschließen, haben wir es auf unserer Seite nicht selten mit verletzten oder gar toten Piloten zu tun, nicht zu vergessen die hohen Reparaturkosten durch die beschädigten Mechs. Somit zahlt sich dieser Modus bis jetzt nicht wirklich aus und wir verdienen mit den klassischen Missionen genau so viel, ohne dabei unsere Piloten unter ein größeres Risiko zu setzen.

Fazit:
Die zweite Erweiterung Urban Warfare ist ein zweischneidiges Schwert geworden. Mehr Inhalte in Battletech sind zwar immer begrüßungswert, die Gefechte in den Städten sehen gut aus und benötigen neue Taktiken, ECM bringt nochmal mehr Tiefe ins Spiel und die neuen Flashpoints werten den Karriere-Modus um weitere Stunden auf. Leider enttäuscht die Erweiterung aber auch mit dem neuen Missionstypen „Attack and Defend“, der aktuell nicht lohnenswert ist und mit den neuen Mechs haben sich die Entwickler auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Statt wie zuletzt drei, sind dieses Mal nur zwei neue Mechs dazugekommen, von denen beide derselben Gewichtsklasse angehören und sogar einer schon im Spiel enthalten war. Somit fällt der Content leider recht mager aus, gerade wenn man dafür 19,99€ verlangt. Absolute Battletech-Fans werden dies verkraften können, da sie wieder ihre Stunden für den Preis herausbekommen, doch kann man nur hoffen, dass die dritte und letzte Erweiterung, die auf dem Namen Heavy Metal hört und diesen Herbst erscheinen soll, nicht nur vom Namen her ein Schwergewicht wird, sondern auch vom Content.

Battletech: Urban Warfare ist seit dem 4. Juni für PC via Steam und GOG erhältlich.

(getestet von Dr. Para)