Im Test: BattleTech (PC)

Vor gut drei Jahren nutzte Entwickler Harebrained Schemes wieder einmal die Crowdfunding-Plattform Kickstarter, um ihr nächstes Projekt zu finanzieren. Nach der erfolgreichen Rückkehr von Shadowrun, war es nun an der Zeit ein weiteres Franchise von Studio-Mitbegründer Jordan Weisman zurück auf den Bildschirm zu bringen: BattleTech. Wer BattleTech nicht kennt, dem wird vielleicht M6echWarrior oder MechCommander etwas sagen, die zum gleichen Universum gehören und gerade in den 90ern äußert beliebt waren. Wem das auch nichts sagt: stellt euch einfach Game of Thrones mit haushohen und schwerbewaffneten Robotern vor! Verpackt wird das Ganze von Harebrained Schemes als tundenbasiertes Strategiespiel, welches dem Spieler mit herausfordernden Tiefgang konfrontieren will, ohne ihn dabei zu überfordern. Ob diese Verneigung vor der Vorlage geklappt hat oder wir hier ein Totalausfall aller Systeme haben, erfährt ihr bei uns im Test.

Wir schreiben das Jahr 3025. Irgendwo auf einem trockenen Planeten, in irgendeinem verlassenen Sonnensystem, beschützt unsere Söldnerfirma Farmer vor angreifenden Piraten. Dabei sah es vor paar Jahren noch ganz anders aus. Wir waren Loyalist des Königreichs von Aurigan und sollten Herrin Kamea vom Haus Arano zu ihrer Krönung als neue Herrscherin begleiten. Es hätte ein schöner Tag werden sollen, doch nutze ihr Onkel die Feierlichkeiten, um eine blutige Rebellion anzuzetteln. Herrin Kamea, unsere Kameraden sowe der komplette Palast fielen innerhalb von wenigen Stunden und nur wir blieben übrig. Doch ist dies wie gesagt längst vergangen und wir leben nun das Leben eines Söldners, der einzig mit der Feuerkraft seines Mechs für Essen auf den Tisch sorgen kann. Als wir jedoch einen äußerst gut bezahlten Job angeboten bekommen, wartet eine Überraschung auf uns, die die Galaxie erschüttern sollte.

Unser Raumschiff dient uns dabei als mobile Kommandozentrale unserer Söldnerfirma. Hier heuern wir neue Piloten an, trainieren unsere Veteranen, lassen unsere Mechs reparieren und umrüsten, überwachen unsere Finanzen und nehmen Aufträge an, damit frisches Geld in die Kasse gespült wird. Denn abgesehen von Zeit, ist in der Welt von BattleTech nichts wichtiger als C-Bills. Die universelle Währung nutzen wir nicht nur um neue Waffen und Piloten anzuschaffen, sondern auch um die monatlichen Kosten zu decken. Verpflegung und Gehalt für jedes Crewmitglied, Unterbringung der Mechs, alles zieht ein größeres Loch in der Kasse und je größer unsere Firma wird, desto mehr Ausgaben müssen wir mit einberechnen. Was also machen? Genau, jeder Auftrag, egal wie gefährlich er auch sein mag, wird angenommen!

Diese decken vom simplen „Seek & Destroy“ bis hin zum Schützen von Stützpunkten und Konvois eine Handvoll Varianten ab, die niemanden überraschen sollten und dabei auch leider nicht immer gut gelöst sind. Bei Attentatsmissionen müssen wir so z. B. einen ganz speziellen Mech ausschalten, der aber auch beim ersten Kontakt die stählenden Beine in die Hand nimmt, um in die rettende Landezone zu fliehen. So passiert es nicht gerade selten, dass sich ausgerechnet dieser Bereich nur wenige Meter vom Ziel entfernt befindet, was das erfolgreiche Abschließen teilweise fast unmöglich macht.

Am Anfang jeder Mission setzen wir erstmal unsere „Lance“ ab. Dieser Verbund aus bis zu vier Mechs ist unsere Feuerkraft für die komplette Schlacht. Unterstützung oder gar Nachschub mitten in den Missionen sind nicht möglich. Haben wir die Karte ein bisschen unter die Lupe genommen, bewegen wir uns und unsere Kameraden Richtung Auftragsziel. Kommt es zum Feindkontakt, geht das Spiel in einen rundenbasierten Strategie-Modus über, in dem das Positionieren unserer Einheit so wichtig, wie die Luft zum Atmen ist. Deckungen sollten genutzt werden, Erhöhungen gehören via Jumpjets erklimmt und in Flüssen kühlen sich die Reaktoren unserer Mechs deutlich schneller ab. All diese kleinen Faktoren fließen in das Kampfgeschehen ein und bestimmen, wie gut wir treffen und getroffen werden. Wer hier Angst hat von all den Regeln und Anzeigen erschlagen zu werden, kann aber beruhigt sein: Harebrained Schemes haben es nämlich wunderbar geschafft, jede Kleinigkeit dank einfach zu verstehenden Symbolen darzustellen und falls dies nicht ausreicht, verfügt so gut wie alles über ein automatisches Pop-up Fenster, welche kurz und knapp die jeweiligen Aspekte des Gameplays erklären.

Ist alles erklärt, geht es dann in die gut inszenierten, wenn auch etwas trägen Kämpfe, in denen wir uns Runde für Runde gegenseitig die Rüstungen von der Fassade kratzen. Hier ist es vor allem wichtig, die richtigen Stellen anzugreifen, da jeder Mech über eine eigene Anatomie verfügt. Im Torso versteckt sich der lebenswichtige Reaktor, in den Armen befinden sich meistens Projektil- und Laserwaffen, in den Schultern lagern nicht selten die Munitionsvorräte und Raketenbatterien, im Kopf sitzt der Pilot und ein Mech wäre natürlich nichts ohne seine beiden Beine. So gesehen ist also jeder Bereich eine Schwachstelle, sobald die Panzerungen entfernt worden ist. Ohne Waffen und Munition kann sich der Gegner nicht mehr wehren und wenn der Reaktor, Pilot oder sogar die Beine hinüber sind, ist eh Schicht im Schacht und schon steht ein Mech weniger auf dem Feld.

Vorsicht ist dabei besser als Nachsicht, weswegen wir nie einer unserer Einheiten einfach kopflos in den Kampf schicken sollten, selbst wenn der Sieg so gut wie sicher scheint. Nicht nur kosten uns Schäden Zeit und Geld, sondern ziehen sich unsere Piloten auch Verletzungen zu, die automatisch einen Besuch auf der Krankenstation zur Folge haben. Je stärker die Wunden dabei ausfallen, desto länger der Aufenthalt und damit der Ausfall für den Piloten. Wen es noch schlimmer erwischt, für den ist jede Rettung zu spät und wir dürfen uns komplett von den Kameraden verabschieden.

Aber egal wie gut und vorsichtig wir auch spielen, wochenlange Ausfällen beim Personal oder sogar den Tod wird man in BattleTech nie komplett verhindern können. Das gleiche gilt auch für die tonnenschweren Blechbüchsen, die nach Kämpfen in der Werkstatt repariert werden.

Wer in so welchen Situationen nicht den kompletten Betrieb pausieren will, braucht auf beiden Seiten Ersatz. Frische Piloten können wir in den Systemen anheuern, während Händler komplette Mechs anbieten. Diese sind aber nicht nur teuer, sondern decken vor allem eher nur die Einsteiger-Modelle ab. An die wirklichen guten Varianten kommen wir durch Kriegsbeute, die wir als Belohnung für gewonnene Schlachten erhalten. Fällt ein gegnerischer Mech im Kampf, können wir nämlich nach der Mission mindestens einen Teil für unsere eigene Sammlung sichern. Haben wir insgesamt drei Teile von derselben Variante zusammen, baut unser Techniker diesen ohne Mehrkosten für uns zusammen.

Dies sorgt bei jedem neu gesehenen Mech für einen regelrechten Sammelwahn, den man sonst eher aus RPGs mit Loot-System kennt. Das Gefühl seinen ersten Mech der Heavy oder Assault Klasse zusammen zu haben, haben die Entwickler hierdurch jedenfalls zu einem echten Highlight gemacht und jeder neue Mech fühlt sich dadurch alleine schon wie hart erarbeitet an. Die Sammlung zu komplettieren wird jedenfalls bei den über 30 verschiedenen Exemplaren kein leichtes Unterfangen.

Fazit:
BattleTech hat seine Ecken und Kanten, gerade wenn es um den Schwierigkeitsgrad geht. Beißt man sich aber durch einige frustrierende Momente, steckt in dem Spiel der wahr gewordene Traum eines jeden BattleTech-Fans! Aber auch Anhänger des Strategie-Genres, die mit dem Franchise eher nichts am Hut haben, kommen um den Titel nicht herum. Das Gameplay bietet Tiefe, die Motivation seine Firma und vor allem die Sammlung an Mechs zu vergrößern ist ein Selbstläufer, die Geschichte rund um Intrigen und Verrat ist spannend erzählt und der Umfang alleine dürfte jeden Spieler von 50 bis 100 Stunden bei Laune halten. Wer von der KI genug hat, kann sich dazu noch im Multiplayer mit menschlichen Spieler messen. Außerdem hat Harebrained Schemes schon bestätigt, den Titel in Zukunft weiterhin mit regelmäßigen Updates zu versorgen, die dann wahrscheinlich die bis jetzt bestehenden Ecken und Kanten entfernen werden.

BattleTech ist seit dem 24. April 2018 für PC über Steam, Humble Bundle und GOG erhältlich.

(getestet von Dr. Para)

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