Im Test: Battletech: Heavy Metal (PC)

Mit der Battletech-Erweiterung Heavy Metal bittet Entwickler Harebrained Schemes ein letztes Mal zum intergalaktischen Tango der Stahlkolosse auf. Zeit also, wieder in die Rolle des Mech Commanders zu schlüpfen und unsere tapferen Piloten erneut durch die Galaxie zu schicken, um Ruhm, Ehre und vor allem C-Bills zu verdienen. Ob das großartige Runden-Strategiespiel mit Heavy Metal seinen würdigen Abschluss findet oder man hier nur versucht nochmal kurz die Lizenz zu melken, erfahrt ihr im Test.

Schwer, schwerer, Heavy Metal! In der brandneuen Erweiterung von Battletech liegt der Fokus ganz klar auf die Newcomer im Arsenal, statt auf frische Gameplay-Mechaniken oder gar eine neue Story-Kampagne. Mit Heavy Metal finden jeweils acht neue Mechs und Waffensysteme ihren Weg ins Spiel und wollen von euch erstmal wieder Stück für Stück eingesammelt werden. Wie der Name der Erweiterung dabei schon erahnen lässt, haben wir es mit größtenteils Mechs aus den Heavy- und Assault-Klassen zutun. Da hätten wir die beiden Fernkämpfer Archer und Rifleman, die mit ihren Raketenbatterien und Auto-Cannons feindliche Lances aus sicherer Entfernung dezimieren. Warhammer und Annihilator dienen als hervorragende Verteidiger, an vorderster Front sollte der Marauder stehen und dann wäre da noch Bull Shark, der extra für das Spiel erschaffen wurde und dessen Besonderheit die sogenannte Thumper Cannon ist. Dieses Geschütz ist einer der neuen Waffensysteme und verfügt nicht nur über einzigartige Feuerkraft, sondern ist auch die erste AOE (Area of Effect) Waffe im Spiel und kann somit mehre Ziele gleichzeitig beschädigen. Neben den schweren Neuzugängen, erwarten uns mit Flea ein Light- und mit Assassin, Phoenix Hawk und Vulcan drei Medium-Mechs, die natürlich alle mit ihren verschiedenen Vor- und Nachteilen ausgestattet sind und unterschiedlich eingesetzt werden wollen. Wer nun mitgezählt hat, dem wird sicherlich aufgefallen sein, dass wir hier weit mehr als nur acht neue Mechs auf der Hand haben. Das liegt daran, dass zwar mit dem DLC acht Stück ihren Weg ins Spiel gefunden haben, doch dank eines kostenlosen Updates wird diese Anzahl um zwei weitere erweitert, was somit die Gesamtzahl auf zehn aufstockt. Wer also nicht die Erweiterung kauft, kann sich trotzdem auf Warhammer und Marauder freuen. Die brandneuen Waffensystemen hingegen sind DLC exklusiv und neben der Thumper Cannon, ist vor allem die Coil Beam erwähnenswert. Diese Energiewaffe ist für lange Strecken ausgelegt und verursacht mehr Schaden, je weiter das Ziel entfernt steht.

Was also neue Mechs und Waffen angeht, bietet Heavy Metal bis jetzt den größten Sprung in der Geschichte des Spiels. Gerade da die vorigen zwei Erweiterungen Flashpoint und Urban Warfare dies immer recht stiefmütterlich behandelt haben. Wer aber auf neue Missions-Variationen, Umgebungen oder gar eine neue Story-Kampagne hofft, muss leider komplett in die Röhre schauen. Abgesehen von einem neuen Flashpoint, den Mini-Kampagnen des Karriere-Modus, die sich meistens über zwei bis drei Missionen erstrecken, bleibt sonst alles beim alten. Zugegeben, der neue Flashpoint beinhaltet zwar das Treffen mit einem sehr beliebten Charakter aus dem Battletech-Universum, doch ist dieses Zusammentreffen eben leider auch wieder zu schnell vorbei, um eine wirkliche Spannung aufzubauen. Der Karriere-Modus, in dem wir ohne großartige Story unsere Söldner-Firma aufbauen und Aufträge quer durch die Galaxie annehmen, bleibt das Herzstück des Spiels und bis wir alles an neuen Bauteilen und Waffen im Lager stehen haben, vergehen etliche Stunden. Trotzdem muss man von einem klaren Rückschritt sprechen, da Heavy Metal absolut keine einzige neue Erfahrung für den Spieler bereithält, während die ersten beiden Erweiterungen, mit komplett verschiedenen Umgebungen und neuen Missionstypen, uns wenigstens mit Veränderungen im Gameplay konfrontierten hatten. Somit bedient der letzte DLC nur eines und das ist das Sammeln von neuen Spielsachen für unsere Piloten. Sicherlich nichts schlechtes, da dieser Sammeltrieb schon im Hauptspiel hervorragend funktioniert hat, dennoch eine klar verpasste Chance, Battletech würdig in die Content-Rente zu schicken.

Fazit:
Mit Heavy Metal beenden Harebrained Schemes nun nach über einem Jahr den Post-Launch Content Plan für Battletech und leider muss ich als Fan des Hauptspiels von einer klaren Enttäuschung sprechen. Statt neue und vor allem spannende Geschichten zu bieten, hat man jeden DLC nur dazu genutzt, um den Karriere-Modus mit Kleinigkeiten zu erweitern, die in der Form auch teilweise kostenlos von der Mod-Community umgesetzt worden sind. Mit einem Preispunkt von 19,99€ pro Erweiterung (der komplette Season Pass kostet 59,97€) kann man dazu von keinem fairen Preis-Leistungsverhältnis sprechen. Sicherlich werden sich Battletech-Veteranen nicht davon abschrecken lassen, da die Jagd auf neue Mechs und Waffen immer noch motivierend genug ist. Doch hat man hier gleichzeitig riesiges Potenzial verschenkt und man kann nur hoffen, dass sich die Entwickler bei einem möglichen Nachfolger deutlich mehr Gedanken darüber machen, was wirklich in ein Addon für 20€ gehört. Heavy Metal fühlt sich jedenfalls mehr wie ein kostenloses Update an und nicht wie der Abschluss eines sonst hervorragenden Runden-Strategiespiels.

Battletech: Heavy Metal ist seit dem 21. November 2019 auf Steam und GOG erhältlich.

(getestet von Dr. Para)