Im Test: Battle Chasers: Nightwar (PC, XBOX One, PS4)

Bevor Joe Madureira mit seinem inzwischen geschlossenen Studio Vigil Games mit der Darksiders-Reihe für Furore sorgte, machte er sich als erfolgreicher Comiczeichner einen Namen. Mit Battle Chasers: Nightwar haben er und sein neu gegründetes Studio Airship Syndicate nun die Spieleumsetzung zu einem seiner früheren Comic-Werke veröffentlicht. Wieso es sich dabei um einen absoluten Rollenspiel-Geheimtipp handelt, könnt ihr in unserer Review nachlesen!

Eigentlich wollte sich die Protagonistin Gully gemeinsam mit ihrem Heldentrupp, bestehend aus dem Kriegsgolem Calibretto, dem Krieger Garrison, dem Magier Knolan sowie der Schurkin Monika, auf die Suche nach ihrem verschollenen Vater Aramus begeben. Doch als ihr Luftschiff nach einem Angriff abstürzt, wird die gesamte Gruppe voneinander getrennt und Gully findet sich auf einer mysteriösen Insel wider. Von nun an gilt es für Gully, die restlichen Gruppenmitglieder wieder zu finden und das gemeinsame Ziel wieder zu verfolgen.

Auch wenn das Spiel auf der gleichnamigen Comic-Reihe basiert, sind Vorkenntnisse zwar von Vorteil, insgesamt aber wirklich nicht erforderlich. Die Story, die ohnehin nicht allzu tiefgründig ist, wird in den gut geschriebenen Dialogen, den Zwischensequenzen und einigen Texten spannend erzählt. Einige Gut-und-Böse-Entscheidungen bringen sogar etwas Würze in die Handlung, wobei die Charaktere, die mir persönlich schnell ans Herz gewachsen sind, die eigentlichen Stars des Spiels sind.

Mit unserer Gruppe bewegen wir uns über eine riesige Weltkarte und erledigen unterschiedliche Quests, reisen in verschiedene Dörfer, absolvieren viele rundenbasierte Kämpfe und erforschen die zufällig generierten Dungeons. Diese bieten nicht nur jede Menge Beute und viele Gegner, sondern auch gerne mal das eine oder andere Schalter- bzw. Logik-Rätsel oder einen packenden Bosskampf zur Auflockerung.

Das Kampfsystem des Spiels erinnert ganz bewusst an die vielen JRPG-Klassiker aus der Playstation-Ära. Wer einige Final Fantasy-Teile gespielt hat, was ziemlich genau, was einen in den rundenbasierten Kämpfen erwartet. Unsere Gruppe steht einer Gruppe von Gegnern gegenüber und wir müssen normale Angriffe, defensive Manöver, den Einsatz von Tränken oder Spezialattacken entsprechend planen. Die Reihenfolge der Züge wird dabei immer von einer kleinen Leiste angezeigt, damit man den Ablauf der Kämpfe besser einschätzen kann. Während normale Angriffe schnell ausgeführt werden und kein Mana verbrauchen, sind Spezialattacken deutlich effektiver, werden jedoch etwas später ausgeführt und verbrauchen zudem Mana. Praktischerweise gibt es jedoch einige Angriffe, die uns innerhalb des Kampfs zusätzliches Mana bescheren. Für jede erfolgreich ausgeführte Attacke füllt sich außerdem unsere Overload-Leiste, mit der wir eine Art Ultimate-Move ausführen können. Damit können wir zum Beispiel einem Gegner besonders viel Schaden zufügen oder aber auch die gesamte Gruppe heilen. Jedes Gruppenmitglied verfügt über einen unterschiedlichen Overload-Move. Mit gewonnen Kämpfen, erfüllten Quests und gemeisterten Rätseln erhält unsere Gruppe dann Erfahrungspunkte, die unseren Leveln steigern. Mit jedem Level-Up erhalten wir Punkte, die wir in neue Fähigkeiten investieren können.

Neben dem Kampfsystem kann aber auch das Craftingsystem im Spiel überzeugen. Wir können hier nämlich nicht nur per Knopfdruck neue Tränke herstellen und unsere Ausrüstung verbessern, sondern müssen nicht mal alle geforderten Zutaten besitzen. Fehlt beispielsweise eine Zutat, kann der Herstellungsprozess nämlich trotzdem erfolgreich sein. Wenn nicht, verliert man allerdings alle restlichen Zutaten. Beute findet man im gesamten Spiel, also sowohl in den Dungeons als auch auf der Weltkarte. Auch Gegner droppen Beute, wenn sie im Kampf besiegt wurden.

Battle Chasers: Nightwar wird zum fairen Preis von knapp 30 Euro angeboten. Die Kampagne mit der riesigen Weltkarte, zahlreichen Nebenquests und den acht Dungeons bietet eine Spielzeit von circa 30 Stunden. Wer alles im Spiel entdecken und erledigen will, kann aber auch locker 50 Stunden investieren. Die Dungeons können zudem in drei verschiedenen Schwierigkeitsgraden gemeistert werden. Je höher der Schwierigkeitsgrad, desto stärker sind die Gegner und desto wertvoller wird die Belohnung. Der perfekte Anreiz für einen weiteren Spieldurchgang!

Die gesamte Präsentation von Battle Chasers: Nightwar ist erstklassig gelungen, was eigentlich auch kein Wunder ist, schließlich ist der Firmengründer Joe Madureira gleichzeitig auch Schöpfer der gleichnamigen Comic-Vorlage. Daher hat man sich in Sachen Charakter- und Welten-Design auch sehr genau an die Vorlage gehalten. Die Welten, Umgebungen und Dungeons begeistern mit einem sehr malerischen Look, während der gesamte Stil düstere Fantasy mit Steampunk vereint. Abgerundet wird alles mit toll animierten (und überraschend langen) Zwischensequenzen, einem großartigen Soundtrack sowie guten deutschen Synchronsprechern. Einzig die manchmal etwas zu langen Ladezeiten sind mir in Sachen Technik etwas negativ aufgefallen.

Fazit:
Battle Chasers: Nightwar ist ein echter Geheimtipp für alle Rollenspielfans geworden, der die Kampfmechanik aus JRPG-Klassikern mit dem düsteren Fantasylook der westlichen Comic-Vorlage vereint und zudem mit einem cleveren Welten- und Dungeondesign sowie einem tollen Crafting-System begeistern kann. Für mich zählt die Mischung aus Final Fantasy, Darksiders und Diablo definitiv zu den größten Überraschungen des Jahres. Gerade wegen des fairen Preises von nur 29,99 Euro sollte jeder RPG-Liebhaber einen Blick darauf werfen!

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