Im Test: Assetto Corsa (PS4 / One)

Auf dem PC ist die Rennsportsimulation Assetto Corsa bereits seit Dezember 2014 erhältlich und begeisterte dort schon zahlreiche Rennsportenthusiasten. Mit der Unterstützung von Publisher 505 Games schafft es das Rennspiel nun auch auf die Playstation 4 und XBOX One. Wie gut die Konsolenumsetzung geworden ist, zeigt dieser Test.

Assetto Corsa ist durch und durch eine knallharte Rennsimulation, die sich voll und ganz auf das Fahren auf der Piste konzentriert. Demnach präsentiert sich das Spiel in Sachen Spielmodi ziemlich puristisch. Wer eine spektakulär inszenierte und sehr umfangreiche Karriere erwartet, wird hier nicht fündig werden. Stattdessen ist die Karriere ziemlich einfach aufgebaut und kommt ohne irgendwelche Zwischensequenzen und andere Highlights daher. Der Ablauf ist hier ziemlich simple: Durch das Erringen von Bronze-, Silber- und Gold-Medaillen schreiten wir hier immer weiter voran und schalten neue Rennevents frei. Neben der Karriere gibt es außerdem noch den Special Events-Modus, welcher verschiedene Herausforderungen enthält. Außerdem warten Modi wie Time Attack, Hotlap und Drift darauf, von Euch gespielt zu werden. Letztlich also alles ziemlich überschaubar und absolut nicht spektakulär.

Die Entwickler selbst empfehlen, dass man Assetto Corsa am besten mit dem Lenkrad spielt. In Verbindung mit Force Feedback entsteht hier tatsächlich ein meiner Meinung nach noch nie dagewesenes Fahrgefühl, das Spiele wie Project Cars und Forza deutlich in den Schatten stellt und eine neue Stufe des Realismus erreicht. Alle Wagen fahren sich merkbar unterschiedlich, jede noch so kleine Änderung am Setup – und da gibt es VIELE Möglichkeiten – wirkt sich auf das Fahrgefühl aus und selbst mit allen eingeschalteten Fahrhilfen stellt das Spiel eine enorme Herausforderung dar. Aber selbst wenn man alle Fahrhilfen deaktiviert, lässt sich das Spiel mit etwas Übung und Geduld auch mit dem Controller steuern.

Trotzdem kann man hier nicht oft genug betonen, dass sich das Spiel nur an erfahrene Rennspieler richtet. Anfänger werden hieran verzweifeln und keine einzige fehlerfreie Runde zustande bekommen. Die Rennen gegen den Computer sind aufgrund einer nahezu fehlerfreien und äußerst aggressiven KI auch alles andere als ein Zuckerschlecken.

In Sachen Umfang kann Assetto Corsa zwar nicht mit einem Forza Motorsport 6 mithalten, die Auswahl an verfügbaren Wagen und Strecken kann sich für eine Simulation aber dennoch mehr als sehen lassen! Der Fuhrpark kommt mit über 100 Fahrzeugen von 21 verschiedenen Herstellern daher. Darunter sind namhafte Hersteller wie Ferrari, Lamborghini, McLaren, Mercedes Benz oder auch RUF. Das Tolle: Jedes Fahrzeug fährt sich merklich anders und hört sich auch unterschiedlich an! Die Streckenauswahl lässt mit berühmten Kursen wie Monza, Brands Hatch, Spa-Francochamps, Silverstone oder dem Nürburgring (inkl. der Nordschleife) kaum Wünsche offen. Wobei ich persönlich mich noch über Strecken wie Laguna Seca oder Suzuka gefreut hätte.

In puncto Präsentation kann Assetto Corsa mit großen Titeln wie Forza Motorsport 6 oder einem Gran Turismo nicht mithalten. Man muss aber auch bedenken, dass das Budget hier weitaus geringer war und hinter der Entwicklung ein nur 30 Mann großes Team (Kunos Simulazioni) steckt. Die gesamte Menüführung gibt sich sehr puristisch und abseits der Strecken vermisst man die Liebe zum Detail. Man hat sich hier speziell auf eine möglichst detailreiche Darstellung der Fahrzeuge konzentriert und genau diese sehen in Assetto Corsa wirklich klasse aus! Die Fahrzeugmodelle können sich im Vergleich zu anderen Rennsimulationen sehen lassen und die extrem detailgenauen Cockpits sind meines Erachtens sogar referenzwürdig. Störend sind allerdings die gelegentlichen Framerateeinbrüche sowie ein leichtes Tearing, was stark von der Strecke und dem Gegneraufkommen abhängig ist.

Assetto Corsa bietet leider keinen lokalen Mehrspieler-Modus. Dafür geht es aber online so richtig rund und Rennen für bis zu 16 Spieler sind hier möglich. Dank vielen verschiedenen Einstellungsmöglichkeiten kann man sich hier richtig austoben und mit Ausnahme einiger kleinen Verbindungsfehler konnte auch die Performance überzeugen. Richtig störend ist hingegen das Fehlen von privaten Lobbys. Man kann also nicht privat mit Freunden spielen, sondern ist immer auf öffentliche Sitzungen mit fremden Spielern angewiesen. Auch Online-Leaderboards mit den schnellsten Zeiten auf den verschiedenen Strecken sind nicht enthalten.

Fazit:
Assetto Corsa ist eine fantastische Rennsimulation, die durch das realistische Fahrgefühl, den vielen Setup-Möglichkeiten, den großartigen Sound sowie den gut ausgewählten Fuhrpark für Begeisterung bei allen Simulationsfreaks sorgen wird. Vor allem wenn man Assetto Corsa mit einem Lenkrad spielt, ist es in puncto Fahrgefühl jedem anderen Konkurrenztitel überlegen! Aber Vorsicht: Der Titel richtet sich wirklich nur an Fans von Rennsimulationen und wird Casualspieler trotz der Fahrhilfen verzweifeln lassen, zumal die Karriere für einen Otto-Normal-Spieler nicht viel hergibt und Spiele wie Forza Motorsport 6 in Sachen Benutzerfreundlichkeit, Umfang und Präsentation viel mehr zu bieten haben.