Im Test: Ash of Gods: Redemption (PC)

Im Mai letzten Jahres finanzierte das Indie-Studio AurumDust ihren ersten Titel Ash of Gods: Redemption erfolgreich über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter. Sie versprachen dabei ein Rollenspiel mit rundenbasierenden Kämpfen und tief greifenden Entscheidungen, die jeden Durchgang einzigartig machen sollen. Gerade mal zehn Monate später feiert der Titel schon seine Veröffentlichung auf dem PC. Ob die Entwickler dabei ihre Versprechen halten konnten oder den Mund doch zu voll genommen haben, erfahrt ihr bei uns im Test.

Als vor fast 700 Jahren die Ernte mit ihren Schnittern großes Leid über die Königreiche von Terminum brachte, konnten sie nur durch das Opfer einiger Halbgötter aufgehalten werden. Seit diesem Tag herrscht Frieden und Wohlstand in den meisten Regionen. Als jedoch an dem ersten Frühlingsmorgen des Jahres die Glocken in der Stadt Alibus ungewohnt geläutet werden, scheint die Ernte mit ihren Kriegstreibern wieder zurück zu sein, um ihre alten Göttern erneut mit dem Blut der Völker von Terminum zu erwecken.

In Ash of Gods erleben wir die Geschichte aus den Blickwinkeln von drei verschiedenen Protagonisten und ihren Begleitern. Da hätten wir zuerst den Gelehrten Hopper Rouley, einem der Halbgötter, die schon damals die letzte Ernte verhinderten und sich nun erneut wieder aufhalten will. Thorn Brenin, Hauptmann der Stadt Alibus, der direkt zu Beginn seine Frau verliert und zusammen mit seiner Tochter und den restlichen Wachmännern der Stadt auf der Flucht vor der Ernte ist. Und zu guter Letzt Lo Pheng, einen Krieger des Schatten-Klans, der durch politische Machenschaften zwischen die Fronten gerät und dabei den Kodex seines Ordens bewahren muss.

Auf den ersten Blick erinnert der Titel stark an die Banner Saga-Reihe von Entwickler Stoic. Rundenbasierende Kämpfe, Rollenspiel-Elemente und das Artdesign sowie die Geschichte weißen starke Parallelen auf und man könnte sogar von einer 1:1-Kopie reden. Doch bietet Ash of Gods auch genug eigene Identität und damit wären wir bei dem „Rogue-like Storytelling“, welches AurumDust damals auf ihrer Kickstarter-Kampagne besonders hervorgehoben haben.

Aber was soll das überhaupt genau bedeuten? Kurz gesagt: jeder Charakter, der mit uns reist, kann theoretisch sterben und nach dem ersten Durchgang zu urteilen, haben hier die Entwickler nicht zu viel versprochen. Der Tod wartet an jeder Ecke auf uns und sorgt dafür, dass selbst kleine Entscheidungen schwerwiegende Konsequenzen für uns haben können.

So können sich unsere Truppen während den unzähligen Kämpfen Verletzungen zu ziehen, die immer schlimmer werden, wenn wir sie nicht versorgen. Um diese zu kurieren, haben wir keine andere Wahl, als für einen Tag zu ruhen und verbrauchen damit auch notwendige Ressourcen, mit denen wir eh schon genug haushalten müssen. Warten wir jedoch und die betroffene Person zieht sich noch weitere Verletzungen zu, kann dies schnell den sicheren Tod bedeutet. Dies kann nicht nur kleinere Nebencharakter treffen, sondern auch die Hauptcharaktere. Auch können zunächst kleine Entscheidungen Schicksale ganzer Charaktere besiegeln. Ermutigen wir z. B. in einem Dialog einen unserer Mitstreiter mehr auf sein Herz zu hören, könnte dies zu einer unvorsichtigen Aktion führen, die ihm vielleicht sein Leben kostet.

Die Ernte bringt dazu auch noch eine Seuche mit sich, die wir nur durch ein wichtiges Erz namens Strixes eindämmen können. Das Erz verliert aber mit der Zeit seine Wirkung, weswegen unser Vorrat förmlich mit den Tagen wegschmilzt. Zwar bringen uns erfolgreiche Kämpfe weiteres Erz und Händler bieten meistens auch eine gewisse Summe des Steins an, doch reicht dies fast nie wirklich aus, um uns völlig für die Reise abzudecken. Neigt sich unser Vorrat dem Ende, müssen wir mit dem Rationieren anfangen und damit , einige Mitstreiter von der heilenden Wirkung der Strixes ausschließen, um den Rest zu retten.

Zwar waren die Entwickler nicht immer konsequent und es gibt Kämpfe, die wir bei einer Niederlage nochmal von vorne beginnen können, doch sollte man deswegen nicht unvorsichtig werden.

Mir selber ist es passiert, dass einer der drei Gruppen kurz vor dem Ende in eine Falle geraten ist und somit dieser Teil der Geschichte noch vor dem Finale beendet war. Nicht aufgrund von Verletzungen oder durch die Seuche, sondern durch falsche Entscheidungen, die ich persönlich über den Verlauf der Reise getroffen hab. Die Bezeichnung „Rogue-like Storytelling“ ist hier also wirklich passend gewählt und macht jeden Durchgang dadurch auf seiner Weise einzigartig.

Die Reise im Spiel findet dabei auf der einer recht großen Weltkarte statt, auf der wir uns Story-bedingt immer zu unserem nächsten Ziel bewegen. Die Richtung ist dabei vorbestimmt, welche Wege und Straßen wir jedoch nehmen, liegt völlig in unserer Hand und führt zu etlichen verschiedenen Situationen, die uns mal Glück, aber auch einfach nur Pech bringen können.

Kommt es zum Kampf fangen wir immer erst mit ein bisschen Vorbereitung an. Wir wählen bis zu sechs Streiter aus, ebenso dürfen wir bis zu fünf Karten mit in die Schlacht nehmen. Die Karten dienen dabei als Magie-Ersatz und decken von Heilsprüchen bis Schadenszauber so gut wie alle Wünsche ab. Nachdem wir unsere Truppen platziert haben geht es auch schon los. Runde für Runde bewegen wir unsere Mitstreiter abwechselnd über das Schlachtfeld, bis der letzte Feind gefallen ist. Dabei verfügt jeder Charakter neben einer Gesundheitsleiste auch über eine Ausdauerleiste, die durch bestimmte Aktionen in Mitleidenschaft gezogen wird und sogar gezielt angegriffen werden kann. Erreicht die Ausdauer nämlich ihren Nullpunkt, verursachen Angriffe doppelt so viel Schaden, was selbst die widerspenstigsten Gegner schnell in die Knie zwingt.

Wem das alles zu herausfordernd ist und wer nur die spannende Geschichte genießen will, kann sich am Anfang für einen speziellen Story-Modus entscheiden, der zu einem mehr Ressourcen und dazu auch noch deutlich stärkere Charaktere von Anfang an bereitstellt. Ebenso lassen sich die Kämpfe komplett automatisch durchlaufen. Somit kommen selbst Strategiemuffel auf ihre Kosten, die sonst von den taktischen Kämpfen abgeschreckt wären.

Wer auf der anderen Seite nicht genug von dem Kampfsystem bekommen kann, kann sich im Multiplayer gegen andere Spieler messen. Hier schalten wir alle wichtigen Krieger der Kampagne frei und verbessern nach und nach unsere Streitmacht. In den Kämpfen verdienen wir dabei Erfahrungen und Gold, welches wir beim Händler für neue Einheiten und Magiekarten ausgeben können. In naher Zukunft soll dazu auch noch ein Clan-System und PVE-Kämpfe ihren Weg ins Spiel finden.

Optisch besticht der Titel durch einen handgezeichneten Look, der an europäische Zeichentrickfilme und Comics der 80er angelehnt ist, während man im Design etliche Einflüsse aus slawischen und ostasiatischen Mythen findet. Die Charaktere hingegen sind nicht selten an moderne Schauspieler angelehnt. So ist Hopper Rouley eindeutig Hollywood Star Lance Henriksen nachempfunden und sogar Klaus Kinski treffen wir auf unserer Reise durch Terminum! Einzig die immer gleichen Porträts in den Gesprächen fallen negativ auf und gerade mal Thron Bardin besitzt zwei verschiedene, die dazu nicht immer zu den Situationen passen. So sieht man den Hauptmann mit Schwert und Schild in einem Gespräch, in dem er eigentlich völlig unbewaffnet sein sollte.

Positiv hervorzuheben ist der Soundtrack aus der Feder von Adam Skorupa und Krzysztof Wierzynkiewicz, die zusammen bereits an der The Witcher- und Shadow Warrior-Reihe gearbeitet haben.

Fazit:
Ash of Gods: Redemption verdient sicherlich keinen Innovationspreis, dafür sind die Einflüsse von anderen Titeln wie The Banner Saga zu direkt und stets präsent. Wer aber über diesen Makel hinwegsehen kann und schon die erwähnten Vorbilder durchgespielt und immer noch Lust auf mehr hat, den erwartet ein 15 stündiges Abenteuer, welches bis zur letzten Entscheidung nichts an seiner Spannung verliert und einige Überraschungen bereit hält.

Ash of Gods: Redemption ist seit dem 23. März für PC via Steam und Humble Shop erhältlich. Konsolen-Ports für Playstation 4, Nintendo Switch und Xbox One sollen dieses Jahr noch folgen.

(getestet von Dr. Para)

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