Im Test: Animus: Stand Alone (Switch)

Mit Animus findet ein ehemaliger Smartphone-exklusiver Titel seinen Weg auf die Nintendo Switch. Doch statt einem simplen Free-to-Play Aufbauspiel oder weiteren Klicker-Simulatoren haben wir es hier mit einem düsteren Action-RPG zu tun, welches nicht gerade zufälligerweise an die beliebte Dark Souls-Trilogie erinnert. Das südkoreanische Studio Tenbirds will mit Animus ein ähnlich forderndes und vor allem faszinierendes Werk bieten, welches aber komplett für Spiele-Sessions zwischendurch konzipiert ist. Statt langen Laufwegen und Bossen mit mehren Phasen, erwarten uns hier Herausforderungen, die man zwischen zwei S-Bahn-Stationen abhaken kann. Ob sich die Reise lohnt oder man doch lieber einfach Zuhause bleiben sollte, erfahrt ihr bei uns im Test.

Jeder Leser, der schon einmal in seinem Leben einen Titel der Dark Souls-Reihe oder einen der vielen Soulslike-Vertreter gespielt hat, kann die nächsten Zeilen gerne überspringen, denn wenn es um das Kern-Gameplay von Animus geht, erwartet euch nichts Neues oder gar aufregendes. Wir steuern einen einsamen Ritter, der in schwerer Rüstung und mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Waffen durch karges Ödland und verlassene Ruinen streift. Dazu bekommen wir immer wieder kryptische Dialogfetzen vorgesetzt, die eine grobe Rahmenhandlung erahnen lassen und natürlich müssen wir uns ständig mit hungrigen Monstern und mysteriösen Kriegern messen, die uns ohne Gnade attackieren. Besondere Aufmerksamkeit verlangen dabei unser Gesundheits- und Ausdauerbalken. Erstere wird durch Treffer recht schnell reduziert, während unsere Ausdauer durch jede Aktion von unserer Seite in Mitleidenschaft gezogen wird. Egal ob wir blocken, ausweichen, sprinten oder angreifen, alles zerrt an unserer Leiste und muss von uns gut gehaushaltet werden.

Doch stecken in dem Titel auch einige Unterschiede zum großen Vorbild. Während wir in Dark Souls teils verwinkelte Areale erkunden, dabei auf Abkürzungen und Geheimnisse treffen, ist Animus konzentrierter und steht für die Kost für zwischendurch. Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass alle Level nur aus linearen und kurzen Wegen bestehen, an deren Enden uns immer ein Bosskampf erwartet. Unsere Fähigkeiten als Spieler werden nach dem erfolgreichen abschließen in einem Drei-Sterne-System gewertet. Die benötigte Zeit und der Gebrauch von Heilgegenständen fließen dabei in die Wertung ein und bestimmen, wie groß unsere Belohnung ausfällt. Sind wir unter fünf Minuten und verbrauchen keinen einzigen Trank, sind uns die drei Sterne sicher und wir erhalten damit mehr Erfahrungspunkte, Gold, Edelsteine und Ressourcen zum Aufbessern unserer Ausrüstung und natürlich neue Waffen und Rüstungen. Davon gibt es im Spiel nämlich einen ganzen Haufen, die alle mit verschiedenen Resistenzen daherkommen, weswegen sich das Sammeln mancher Sets mehr als lohnt. Anders als in vielen anderen Soulslike-Titeln, setzt Animus hier den Fokus auf das regelmäßige Abarbeiten von bereits abgeschlossenen Content, um für spätere Herausforderungen besser gewappnet zu sein. Diese Loot-Spirale sorgt schnell für eine Motivation und vor allem Faszination, die man nicht abstreiten kann. Dass die Werte unserer Ausrüstung dabei so entscheidend sind, liegt aber auch an der teils hölzernen und schwammigen Steuerung, die den Smartphone-Ursprung des Titels nicht ins beste Licht stellt. Gerade das Ausweichen von Angriffen wird so zum russischen Roulette mit zu vielen Kugeln in der Trommel, weswegen es mehr bringt, unsere Verteidigungswerte so schnell wie möglich aufzubessern.

Die Herkunft von Animus spürt man aber nicht nur an der ehemaligen Touchscreen-Steuerung, sondern sieht man dies vor allem auch an der schlichten Optik. Obwohl die Entwickler auf ein eher überzeichnetes Design setzen, welches hier und da an Produkten aus dem Hause Blizzard erinnert, dominieren größtenteils Grau- und Brauntöne die Welt und ebenso fehlen Effekte teilweise komplett, was die Präsentation unglaublich platt wirken lässt. Auch ein erwähnenswerter Soundtrack darf man hier nicht erwarten und sogar die komplette Soundkulisse bleibt über die Spielzeit von ca. zehn Stunden komplett im Hintergrund. Als wäre das nicht alles, gesellen sich gerade im Handheld-Modus einige Framerate-Probleme dazu, die hier und da dafür sorgen, dass sich der Titel gerne mal für eine Sekunde kurz pausiert, bevor es weiter geht.

Fazit:
Nennen wir das Kind direkt beim Namen: Animus ist kein guter Dark Souls-Klon. Dafür macht es in der Richtung nicht nur einiges falsch oder nur anders, sondern gibt es auf der Switch mittlerweile einfach bessere Alternativen und sogar das Original. Doch schafft es der Titel, durch seinen stetigen Fluss an neuen Waffen und Rüstungen, die gefährliche Looten-&-Leveln-Mentalität in einem zu wecken, die gerade in Verbindung mit den kurzen Leveln des Spiels einen recht schnell in den Bann ziehen können. Hier nochmal kurz den einen Boss zum fünften Mal erledigen, da schnell die Challenge für das Level-up grinden und vielleicht dropt ja endlich der Zweihänder mit dem Blitzschaden! Der Rest ist dazu purer Durchschnitt. Also nicht wirklich gut, auch nicht wirklich schlecht, somit für nicht allzu verwöhnte Spieler auch zu verzeihen, aber eben auch alles andere als aufregend. Ihr habt aber euren Spaß und Freude am ewigen Grind, nutzt den Handheld-Modus der Switch regelmäßig, sucht etwas für Zwischendurch und könnt dazu auch noch grob etwas mit Soulslike-Titeln anfangen? Dann ist Animus vielleicht das Richtige für euch. Alle anderen bleiben lieber beim Original oder widmen sich den wirklich guten und zahlreichen Vertreter der Soulslike-Formel.

Animus ist seit dem 24. Dezember 2018 zum Preis von 8,99 Euro für Switch im Nintendo eShop erhältlich.

(getestet von Dr. Para)