Early Access-Test: Green Hell (PC)

Mit dem Survival Simulator Green Hell veröffentlichen Greepy Jar ihr Debüt als Studio, zwar noch nicht komplett fertig, aber nun für jeden käuflich erwerb- und spielbar via Early Access auf Steam. Dabei stecken hinter dem Team keine Anfänger, sondern eine kleine Gruppe bestehend aus Veteranen der polnischen Videospielindustrie, die nun mit Green Hell ihren ersten Schritt ins Independent-Becken wagen. Wir haben Feuer gemacht, Tiere gejagt, Kokosnüsse geknackt und Hütten aus Palmenblättern gebaut, um herauszufinden, ob Green Hell das Potenzial hat, der neue König des Survival-Genres zu werden.

Die Tatsache, dass der Amazonas kein optimales Urlaubsziel für Touristen ist, darüber sind sich die beiden Forscher Mia und Jake einig. Trotzdem ruft sie die Arbeit und der Entdeckerdrang mitten in den tropischen Urwald, da Mia mit dem isolierten Stamm der Yabahuaca Kontakt aufnehmen und sie studieren will. Jake bleibt dabei als Begleiter im sicheren Basiscamp als Backup für den Notfall zurück, falls irgend etwas unvorgesehenes passieren sollte. Knapp 30 Tage nach der Ankunft kommt es zu so einem Notfall und die Lage im Yabahuaca Dorf scheint durch einen inneren Machtkampf zu eskalieren. Jake empfängt nur noch die letzten Funksprüche von Mia, bevor die Verbindung komplett abbricht.

Green Hell wäre kein Survival Simulator, wenn das Überleben in einer feindlichen Umgebung nicht im Fokus stände und mit der Wahl des Amazonas haben Creepy Jar wohl einer der feindlichsten Teile unseres Planeten gewählt. Hier kann jeder falscher Schritt und jede Handlung für uns fatale Folgen haben. Egal ob wir dabei auf einen Ameisenhaufen treten, unbekannte Pilze essen oder uns einfach nur an der falschen Stelle schlafen legen. Doch kann auch unser Geist und Körper schnell zu unserem engsten Feind werden, wenn wir ihn vernachlässigen. Durst, Hunger und Müdigkeit erfordern genau so unsere Aufmerksamkeit, wie die Flora und Fauna des Dschungels. Um einen ständigen Überblick darüber zu haben, was uns fehlt, haben wir zum Glück eine nützliche Uhr am Handgelenk. Diese zeigt uns nicht nur die aktuelle Uhrzeit an oder verrät uns dank Kompass in welche Himmelsrichtung wir uns bewegen, sondern gibt auch Auskunft über unsere körperlichen Werte. Verletzungen oder Ausschläge hingegen müssen wir selber an unserem Körper entdecken. Dafür bietet das Spiel eine extra Inspizierfunktion, mit der wir uns unsere Gliedmaßen genauer betrachten und behandeln können. Doch müssen wir nicht nur auf unsere physischen Zustand achten, sondern auch auf unseren psychischen. Krankheiten, Schlafmangel oder das langsame Verhungern und Verdursten zerren an unserer mentalen Gesundheit. Hat diese einen Tiefpunkt erreicht, fangen wir langsam an Geräusche und Stimmen zu hören, die nicht da sind. Machen wir nichts dagegen, verschlimmert sich diese, Stimmen werden lauter, aggressiver und schließlich bilden wir uns sogar Angriffe auf uns ein, die uns aber real verletzen können.

Wir müssen also schnell zum Selbstversorger im Urwald werden, der alles, was der Dschungel so hergibt, für sich nutzen kann. Der erste Schritt ist dabei das richtige Werkzeug, um überhaupt Jagen und Sammeln zu können. Nehmen wir zwei Steine, können wir damit einen scharfen Stein schleifen. Verbinden wir diesen mit einem Ast und einem Stück Liane, haben wir schon unsere erste Axt, mit der wir kleinere Bäume problemlos fällen können. Nehmen wir statt dem Ast einen längeren Stock, lässt sich daraus ein Speer zur Jagd machen. Lassen wir aber stattdessen die Klinge weg, wird es zu einem Bogen und passende Pfeile lassen sich mit Vogelfedern und dünnen Ästen herstellen. Das Craften gestaltet sich in Green Hell recht selbsterklärend und ist logisch aufgebaut. Für komplexere Konstruktionen, wie z.B. eine kleine Bambushütte oder sogar einen Wasserfilter, hilft uns unser Notizbuch, in dem Jake nach und nach verschiedene Baupläne mit den jeweiligen Anforderungen skizziert. Während wir dank leichter Beute wie Fischen oder Pilzen recht schnell zum Essen kommen, sieht es mit dem trinken schon etwas schwieriger aus. Die meisten Flüsse sind nämlich zu dreckig, um aus ihnen trinken zu können. Außer ihr wollt euch direkt paar Parasiten im Darm einfangen. Die Suche nach einer sauberen Quelle oder dem Bauen eines Wasserfilters wäre die beste Lösung auf lange Sicht, doch stehen uns diese Optionen am Anfang unserer Reise eher nicht zur Verfügung. Zum Glück gibt uns Mutter Natur die Kokosnuss, die uns auf mehr als nur eine Art das Leben leichter macht. Nicht nur können wir das Wasser und das Fleisch der Kokosnuss konsumieren, sondern lässt sich die Schale wunderbar zur Schüssel umzufunktionieren, mit der wir wichtiges Regenwasser auffangen können, von dem es in einem Regenwald sehr viel gibt.

Haben wir uns mit Werkzeug ausgerüstet und den ersten Hunger beseitigt, geht es dann auch endlich tiefer ins Dickicht. Hier ist vor allem Vorsicht geboten, da, wie bereits erwähnt, an jeder Ecke der Tod auf uns warten kann. Achten wir nicht darauf, wo wir hintreten, können wir schnell in den Stachel eines Skorpions laufen. Hören wir nicht auf die Geräuschkulisse um uns herum, haben wir vielleicht im nächsten Busch schon einen Schlangenbiss kassiert. Beachten wir beides nicht, rennen wir im nächsten Moment in ein Lager voller Kannibalen und landen im Kochtopf. Damit wir vom Gejagten zum Jäger werden, müssen wir stets unsere Umgebung beobachten und vorbereitet sein. Halten wir diese Punkte ein, entwickeln wir uns schnell zum wahren Überlebenskünstler, bauen Hütten und versorgen uns dank reichhaltiger Flora und Fauna selbst. Was dann? Ein wirkliches Ziel, außer dem Überleben, hat Green Hell noch nicht. Zwar können wir uns danach auf die Reise machen und nach und nach jede Ecke der Map erkunden, doch treffen wir dabei meist auf leere Siedlungen und andere Lager, die höchstwahrscheinlich im späteren Verlauf der Early Access-Phase einen Sinn bekommen. Die große Frage, was denn der Titel mit der Zeit alles so an neuen Content und Gameplay-Elementen bekommt, hat der Entwickler Creepy Jar schon in ihrer detaillierten Roadmap offen gelegt. So folgen direkt im Herbst erstmal die typischen Content-Updates, wie u.a. mehr Tiere, mehr Pflanzen, mehr Baupläne und so weiter. Kurz darauf dürfen wir endlich Schwimmen lernen, richtig Fischen und der Kampf gegen die Krieger des Yabahuaca Stammes wird dank einer verbesserten K.I. spannender und vor allem gefährlicher. Zum fertigen Release, welcher irgendwann zwischen Ende 2018 und Anfang 2019 erfolgen soll, wird dann in einer Story-Kampagne das Schicksal von Mia und Jake weitergeführt und als Post-Launch Verbesserung ist bereits ein Online-Koop-Modus angekündigt.

Auf der technischen Seite merkt man die langjährigen Erfahrungen des Teams, denn Green Hell sieht deutlich besser aus, als der durchschnittliche Survival Simulator. Der Dschungel ist detailliert und wirkt dicht, überall kreucht und fleucht es, Sonnenstrahlen brechen durch Baumkronen und Palmen. Einzig die nicht vorhandenen Gesichtsanimationen kaschiert man noch komplett in den Cutscenes, doch sollte dies hoffentlich spätestens mit der Einführung der Kampagne gelöst sein. An der Audiofront erwartet uns kein mitreißender Score, dafür aber eine ausgesprochen gute Soundkulisse, die den Urwald lebensecht rüber kommen lässt. Egal, ob es sich dabei um das Schwanzrasseln einer Schlange handelt, Regentropfen auf Blätter treffen oder wir aus der Ferne Ureinwohner am Lagerfeuer singen hören. Es klingt alles glaubwürdig und stimmig zugleich.

Fazit:
Early Access ist manchmal mehr Fluch als Segen, doch Green Hell ist einer dieser positiven Fälle, bei denen selbst die unfertige Version jetzt schon überzeugen kann. Der Regenwald des Amazonas bietet aber zugegeben auch das perfekte Setting für einen Survival Simulator und das sich Creepy Jar bei der Konkurrenz die eine oder andere Idee abgeschaut hat, ist auch vollkommen zu verschmerzen. Liebhaber des Survival Genres werden jetzt schon ihre Freude mit dem Titel haben und falls die Entwickler ihre eigene Roadmap bis zum fertigen Release einhalten können, erwarten vielleicht auch Nicht-Kenner eine positive Überraschung.

Green Hell ist seit dem 28. August als Early Access-Titel auf Steam erhältlich. Die Veröffentlichung der fertigen Vollversion soll laut Entwickler zwischen Ende 2018 und Anfang 2019 erfolgen.

(geschrieben von Dr. Para)