Early Access-Test: Get To The Orange Door (Steam)

Mit Get To The Orange Door, von dem amerikanischen Ein-Mann Studio Arcade Coin, landete ein weiterer First-Person Shooter im Early Access auf Steam. In Zeiten, in denen gefühlt täglich irgendwelche Retro Shooter aus dem Boden schießen, klingt das wie ein alter Hut für euch? Der Kommentar ist vielleicht auf den ersten Blick berechtigt, doch handelt es sich bei GTTOD um keine weitere Hommage an längst vergangene Tagen, sondern um eine eigene und frische Spielidee, die unbedingt eure Aufmerksamkeit verdient hat, wenn ihr auf schnelle und brachiale Action steht. Wieder interessiert? Sehr gut, denn wieso ihr das Spiel auf keinen Fall verschlafen solltet, erfahrt ihr bei uns im Test.

Die Prämisse hinter Get To The Orange Door fasst Entwickler Andrew Smith auf der offiziellen Steam Seite recht treffend selber zusammen: „The objective is in the title“. Unser Hauptziel in jedem Level ist das Erreichen einer orangefarbigen Tür, die uns zum nächsten Abschnitt führt. Kein mitreißendes Schicksal, keine dystopische Zukunftsvision, keine Helden oder gar ein fieser Bösewicht, der hinter allem steckt. Einfach nur von Punkt A nach B und dabei am Leben bleiben. Dazwischen dürfen natürlich nicht die Massen an angriffslustigen Gegnern fehlen, die sich uns regelmäßig in den Weg stellen und ebenso nur ein einfaches Ziel verfolgen: uns von der orangefarbigen Tür abzuhalten.

Das Herzstück des Spiels ist dabei ohne Frage das beeindruckende Movement unseres namens- und gesichtslosen Protagonisten. Man nehme die Mobilität eines Titanfall Piloten, erhöht diese in jedem Bereich um das zehnfache und mischt es dann noch mit der nervenaufreibenden Geschwindigkeit von Clustertruck. Et Voilà, schon haben wir das Parkour-Gameplay von GTTOD und egal wie wir uns hier bewegen, ob wir einen Doppelsprung über einen Abgrund hinlegen, über den Boden rutschen oder an Wänden entlanglaufen, das Gaspedal wird dabei immer bis zum Anschlag durchgedrückt. Nicht selten sind wir dabei auch zu schnell für den eigenen Code des Spiels, was aktuell hier und da mal gerne zu Glitches führen kann. Ein Fest für Speedrunner, aber eben auch mal der Grund für einen Neustart. So oder so, das Gameplay klingt auf dem Blatt einfacher als es ist und will vom Spieler gemeistert werden, bevor wir wirklich elegant ein Ballett auf Speed vollführen können. Damit wir schonmal bei dem Tempo nicht komplett die Übersicht verlieren, lässt sich via Tastendruck eine Zeitlupe aktivieren, mit der wir wie Max Payne genug Zeit haben, um präzise Treffer zu landen und Projektilen auszuweichen.

Viel Zeit sollten wir uns aber nicht lassen, denn ein Kombo-System belohnt uns für das schnelle Aneinanderketten von Kills. Das heißt aber nicht, dass wir einfach wie ein Wilder um uns herumballern können, denn die Treffer sollten schon sitzen. Zwar müssen wir nicht auf einen Vorrat achten, da jede Waffe über unendlich Munition verfügt, nachgeladen werden müssen die meisten Waffen aber trotzdem und dies kann uns hier und da mal gerne eine gute Kombo kosten. Je höher wir den Multiplikator treiben können, desto mehr Punkte regnet es für uns, die wir wiederum in Level verteilten Kisten und Automaten für spezielle Gegenstände eintauschen können. Das fängt bei Granaten und Wurfmesser an, deckt aber auch ausgefallene Gadgets ab. So hangeln wir uns zum Beispiel mit dem Enterhaken von einer Ecke zur nächsten, die Fähigkeit zwei Waffen gleichzeitig zu benutzen schalten wir hier ebenso frei und mit einem speziellen Telefon lässt sich sogar für wenige Sekunden die Zeit anhalten. Das alles gibt uns nicht nur in den Gefechten einen deutlichen Vorteil, sondern lässt sich damit auch das Gameplay teilweise komplett auf den Kopf stellen.

Eine richtige Kampagne bietet das Spiel aktuell noch nicht, dafür aber drei verschiedene Modi, in denen wir unsere Reaktionsfähigkeiten auf den Zahn fühlen lassen können. Da hätten wir direkt als erstes Quickplay, welches quasi die reine Grundidee hinter GTTOD darstellt. Wir spawnen nur mit einer Pistole bewaffnet, betreten einen abgesperrten Bereich und müssen alle Gegner töten, bevor wir durch die orangefarbige Tür schreiten dürfen. Neue Waffen nehmen wir von gefallenen Gegner auf, Upgrades werden an Kisten gekauft und alles geht wieder von vorne los, wenn wir durch die Tür sind. Als Zweites hätten wir Overhaul. Hier steht das Parkour-Gameplay deutlich mehr im Vordergrund, durch den streckenartigen Levelaufbau, der uns regelmäßig mit längeren Abgründen konfrontiert. Gutes Training, um sich in die Steuerung des Spiels einzuarbeiten und hier gibt es sogar sowas wie ein Fortschrittssystem, denn mit jedem erfolgreichen Abschluss schalten wir neue Klassen frei, die mit zwei vorgegebenen Waffen und Gadgets spawnen. Als dritter und letzter im Bunde steht uns noch der Spielmodus Arena zur Verfügung und ja, es ist mehr oder weniger ein Horde-Modus, in dem wir gegen Wellen an Gegner kämpfen müssen. Bis jetzt bietet jeder Modus nur ein Level, dank eines mitgelieferten Level-Editors und der zukünftigen Einbindung von Steam Workshop, sollte das Angebot an neuen Karten aber kein großes Problem für das Spiel sein.

In Sachen Waffenarsenal kann man sich inhaltlich wahrlich nicht beschweren. Jetzt schon bietet der Titel eigentlich alles, was das Shooterherz begehrt. Zig verschiedene Pistolen, Schrotflinten, Sturmgewehre, Maschinengewehre, Explosionswaffen, Miniguns, Nahkampfwaffen und sogar einige ausgefallene Kandidaten, wie z.B. eine schießende Banane, Kunai’s, die Schwarze Löcher erschaffen und die eigene Version des BFG (der Klassiker aus Doom) haben schon ihren Weg ins Spiel gefunden. Mein persönliches Highlight dürfte auf jeden Fall die mächtige Magnum sein, die in Kombination mit der Zeitlupe und der schnellen Nachladezeit, die Kombo ohne Probleme oben hält und sogar Revoler Ocelot und Dirty Harry neidisch machen würde.

Was das Artdesign angeht, hat GTTOD schon so einiges hinter sich. Frühere Builds sahen eher realistischer aus, bis das Spiel irgendwann seinen aktuellen und endgültigen Look bekommen hat, der eindeutig von dem 80er Jahre Film-Klassiker Tron inspiriert ist. Da ist es auch keine Überraschung, dass der Soundtrack in eine ähnliche Kerbe einschlägt. Treibender Synthwave-Sound von verschiedenen Künstlern, wie u.a. Beasuce, ID:Null und Wolf & Raven untermalen die neonfarbige Action perfekt. Auf der technischen Seite lässt sich ebenso wenig Negatives sagen, denn die Unity Engine liefert in jeder Situationen eine saubere Performance ab, was andersrum natürlich auch nicht zu vertreten wäre.

GTTOD befindet sich – wie bereits in der Einleitung erwähnt – noch in der Early Access-Phase und somit ist die Frage berechtigt, was uns den interessierten Käufer in der nahen Zukunft noch alles an Content und Verbesserungen erwartet. Eine feste Roadmap gibt es zwar noch nicht, aber Andrew Smith ist hier recht offen und ehrlich. Laut ihm befindet sich der Titel noch zu sehr in Entwicklung und selbst seine eigene Roadmap stellt nur einen kleinen Teil seiner endgültigen Vision hinter dem Spiel dar. Eines steht aber fest: GTTOD soll experimentierfreudig bleiben und will deswegen vor allem mit der Community zusammenarbeiten und neue Ideen ausprobieren. Davon zeugt der Level-Editor, aber auch der Community Discord Server, in denen regelmäßige Updates von Mr. Smith präsentiert und den Nutzern besprochen werden. Eine geplante Veröffentlichung der Vollversion steht zwar noch nicht ganz fest, ist aber für Ende 2019 angepeilt, auch wenn es mittlerweile wohl eher Anfang 2020 etwas wird.

Fazit:
Mit Get To The Orange Door hat Arcade Coin ein ganz heißes Eisen im Feuer, welches nicht nur durch seine gnadenlose Action und der wahnsinnigen Geschwindigkeit, Potenzial zu einem echten Hit hat, sondern gerade durch die Einbindung der Community zu etwas ganz Besonderem werden kann. Einzig die niedrige Anzahl an verschiedenen Gegnervarianten lässt mich noch recht kalt und gerade wirklich interessante Encounter würden dem Spiel nochmal das gewisse Etwas geben. Wer also Shooter-Fan ist, Titanfall vom Movement zu zahm ist und kein Problem mit dem aktuell noch etwas mageren Content hat, kommt an GTTOD eigentlich nur sehr schwer vorbei. Absoluter Geheimtipp, der hoffentlich mit jedem Update mehr Aufmerksamkeit bekommt.

Get To The Orange Door ist seit dem 30. Mai auf Steam im Early Access erhältlich. Ein Konsolen-Port für Nintendo Switch ist zu einem späteren Zeitpunkt geplant.

(getestet von Dr. Para)